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Empathischer Stress

Englisch: empathic stress

1 Definition

Der empathische Stress bezeichnet ein Phänomen, bei dem eine Person Stress empfindet, ohne unmittelbar einer physikalischen oder psychologischen Bedrohung ausgesetzt zu sein.

2 Hintergrund

Stress wird für gewöhnlich durch psychische oder physische Gefahrensituationen (Dysstress), aber auch positive Ereignisse (Eustress) ausgelöst.

Empathie bezeichnet die Fähigkeit, sich in andere Menschen hinein zu versetzen und ihre Emotionen nachzuempfinden. Sie tritt bei allen Tieren auf, die in Gruppen leben, inklusive dem Menschen. Damit befähigt sie Personen dazu, Mitleid für bedürftige oder verletzte Personen zu empfinden und ermöglichte so das Leben in Gruppen.

Neueste Studien konnten zeigen, dass Empathie kann auch negative Auswirkungen haben kann. Dazu gehört der sogenannte empathische Stress. [1]

3 Entstehung

Um das Gegenüber besser verstehen zu können, ahmen Menschen unbewusst Mimik und Gestik nach.[2] Das Beobachten einer Emotion löst dabei eine hormonelle Reaktion aus, die den Beobachter die gleichen Emotionen fühlen lässt. Man spricht auch davon, dass Gefühle ansteckend sind.[3] Das Beobachten von Stress führt zur Freisetzung von Cortisol, das den Körper ebenfalls in einen Stresszustand versetzt.[1]

4 Risikogruppen

Von empathischem Stress betroffen sind vor allem Menschen aus Berufen, in denen ein häufiger Kontakt mit psychisch oder physisch leidenden Menschen besteht. Der Sozialarbeiter Daniel L. Langford beschreibt in seinem Buch 'When the Caregiver becomes the Patient: A Journey from a Mental Disorder to Recovery and Compassionate Insight', wie er im Laufe seiner Karriere ein Angstsyndrom entwickelte.[4] Auch Psychiater sind betroffen, die sich berufsbedingt in ihre Patienten hineinversetzen müssen. So konnte in einer Studie gezeigt werden, dass 44,6% der untersuchten Psychiater eine depressive Phase durchlitten.[5] Auch Burnouts sind mit 32%-41% nicht selten.[6]

5 Weiterführende Literatur

6 Quellen

  1. 1,0 1,1 Engert V, Plessow F, Miller R, Kirschbaum C, Singer T. Cortisol increase in empathic stress is modulated by emotional closeness and observation modality. Psychoneuroendocrinology. 2014 Jul;45:192-201. doi: 10.1016/j.psyneuen.2014.04.005.
  2. Wood A, Rychlowska M, Korb S, Niedenthal P: Fashioning the Face: Sensorimotor Simulation Contributes to Facial Expression Recognition. Trends in Cognitive Sciences. 2016
  3. Wild B, Erb M, Bartels M: Are emotions contagious? Evoked emotions while viewing emotionally expressive faces: quality, quantity, time course and gender differences Psychiatry Res. 2001 Jun 1;102(2):109-24.
  4. Daniel L. Langford, Emil J. Authelet: When the Caregiver becomes the Patient: A Journey from a Mental Disorder to Recovery and Compassionate Insight. Rouitledge, 2014
  5. Braun M, Schönfeldt-Lecuona C, Freudenmann RW, Mehta T, Hay B, Kächele H, Beschoner P: Depression, Burnout and Effort-Reward Imbalance among Psychiatrists Psychother Psychosom. 2010;79(5):326-7. doi: 10.1159/000319531. Epub 2010 Aug 2.
  6. Taylor C, Graham J, Potts HW, Richards MA, Ramirez AJ: Changes in mental health of UK hospital consultants since the mid-1990s. Lancet. 2005 Aug 27-Sep 2;366(9487):742-4.

Fachgebiete: Psychologie

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