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Schauer-Klapperschlange

Synonyme: Tropische Klapperschlange, Südamerikanische Klapperschlange, Cascabel
Zoologische Bezeichnung: Crotalus durissus
Englisch: South American Rattlesnake, Tropical Rattlesnake

1 Definition

Die Schauer-Klapperschlange ist eine in Südamerika heimische Giftschlange aus der Familie der Vipern (Viperidae). Sie zählt zur Unterfamilie der Grubenottern (Crotalinae) und tritt in zahlreichen Unterarten in Erscheinung. Die Schauer-Klapperschlange verursacht in ihrer Heimat regelmäßig Bissunfälle.

2 Merkmale

Die Schlange erreicht eine Körpergröße von 1,0 bis 2,0 Meter, womit sie zu den größten Klapperschlangen-Arten zählt. Der Körper ist von gekielten Schuppen bedeckt. Charakteristisch sind das rautenförmige Muster entlang des Rückens und zwei dunkle Streifen, die sich seitlich der Kopfoberseite bis zum Vorderkörper erstrecken. Große Exemplare weisen eine Art Kamm aus erhabenen Schuppen entlang der Wirbelsäule auf. Klapperschlangen zählen zu den Grubenottern: in einer grubenartigen Vertiefung zwischen Auge und Nasenloch befindet sich das sogenannte Grubenorgan, mit welchem die Tiere die Infrarotstrahlung eines warmblütigen Tieres wahrnehmen können.

2.1 Giftapparat

Typisch für alle Vertreter der Viperidae ist der Giftapparat: Vipern haben von allen Giftschlangen den evolutionär am weitest entwickelten Giftapparat. Die Giftdrüsen, die sich seitlich des Schädels befinden und von umgebildeten Speicheldrüsen dargestellt werden, stehen in Verbindung mit den Gift- bzw. Fangzähnen. Diese befinden sich im vorderen Oberkiefer, sind bei geschlossenem Maul eingeklappt und werden beim Zubeißen aufgestellt. Die Giftzähne sind röhrenartig aufgebaut und ermöglichen eine Injektion des Giftsekretes wie durch die Kanüle einer Spritze.

3 Vorkommen

Die Spezies besiedelt Savannen, Busch- und Baumland und Halbwüsten von Kolumbien bis Argentinien, östlich der Anden. In Deutschland wird sie in einigen zoologischen Einrichtungen gehalten. Außerdem spielt sie eine Rolle als Terrarientier für private Tierhalter.

4 Epidemiologie

Nach den Lanzenottern (Bothrops sp.) ist die Schauer-Klapperschlange wahrscheinlich in Südamerika für die meisten Unfälle mit Giftschlangen verantwortlich. Häufig haben Giftbisse einen letalen Ausgang.

5 Toxikologie

Wie bereits erwähnt, existieren etliche Unterarten von Crotalus durissus. Je nach Unterart und Herkunft variieren Zusammensetzung und Wirkung des Toxins immens.

Die südlichen Populationen, d.h. Tiere, die in Südbrasilien oder weiter südlich vorkommen, weisen vor allem neurotoxische Komponenten (präsynaptische Neurotoxine) auf. Vor allem die Subspezies Crotalus durissus terrificus (Süd-Brasilien, Uruguay, Argentinien, Paraguay, Peru, Bolivien) besitzt hauptsächlich neurotoxische Bestandteile in ihrem Toxin. Nach einem Biss kommt es nur geringfügig zu lokalen Beeinträchtigungen an der Bissstelle. Eine der maßgebenden neurotoxischen Substanzen bei Crotalus durissus terrificus ist Crotoxin, eine Phospholipase A2. Dieses lagert sich an die Membran der motorischen Endplatte einer Synapse an und zerstört sie nach Abspaltung von Cropotin. In der Folge unterbleibt die Ausschüttung des Neurotransmitters Acetylcholin und es kommt zur Paralyse (Lähmung). Symptome sind Ptosis, Sehstörungen, Sehen von Doppelbildern, Mydriasis und Lähmungen der Extremitäten. Der Tod tritt durch periphere Atemlähmung ein.

Das Toxin der nördlichen Populationen von Crotalus durissus weist vorwiegend Zytotoxine, Prokoagulantien (Folge: ggf. Auftreten einer Verbrauchskoagulopathie) und hämorrhagisch wirksame Bestandteile auf. Die Zytotoxine bewirken zum Teil massive Nekrosen, in deren Folge es zu Amputationen kommen kann. Eine weitere mögliche Folge sind massive Blutungen.

Die Konzentration an Crotamin im Toxin der Spezies variiert selbst innerhalb des gleichen Verbreitungsgebietes. Crotamin ist ein Myotoxin und greift sowohl den Herzmuskel, als auch die Skelettmuskulatur an. Durch die Myotoxizität und das damit verbundene Absterben von Muskelzellen sowie die Freisetzung von Myoglobin kann es zu starken Nierenschädigungen kommen, welche selbst nach Tagen bis Wochen noch einen letalen Verlauf nehmen können.

Maßgebend für den Verlauf eines Bissunfalls ist neben der Art des Toxins auch die applizierte Giftmenge. Bei der Schauer-Klapperschlange handelt es sich um eine Schlange mit großen Giftdrüsen, die abgegebene Giftmenge ist demnach beträchtlich. Einigen Quellen zufolge sind die Bisse von Jungschlangen gefährlicher als die ausgewachsener Tiere.

6 Therapie des Giftbisses

Das Bissopfer muss Ruhe bewahren und die Bissstelle ist ruhig zu halten. Nach sofortiger Alarmierung des Notarztes sollte der Patient liegend in das nächstgelegene Krankenhaus transportiert werden. Zwecks Nierenschutz sollte eine Infusion mit 0,9%iger Kochsalzlösung angelegt werden. Weitere Maßnahmen erfolgen symptomatisch. Die Möglichkeit der künstlichen Beatmung ist sicherzustellen.

Es existiert ein polyvalentes Antivenin (Immunserum): Soro Antibotrópico-crotálico (Produzent: Instituto Butantan, Sao Paulo/ Brasilien).

Auskunft zu Notfalldepots in Deutschland, die dieses Antiserum bevorraten, kann das Serum-Depot Berlin (e.V.) erteilen. Die Wirksamkeit dieses Antivenins ist nicht durch kontollierte Studien belegt und seine Anwendung sollte nur nach Rücksprache mit einer Giftnotrufzentrale erfolgen.

Bei präsynaptischen Neurotoxinen der südlichen Populationen sind Antivenine nicht mehr wirksam, wenn es erst einmal zu einer Schädigung der präsynaptischen Membran gekommen ist. Diese muss sich nun erst regenerieren. Bis dahin muss der Patient gegebenenfalls künstlich beatmet werden.

7 Medizinischer Nutzen

Crotamin weist eine circa 30-fach höhere analgetische Potenz als Morphin auf und ist daher für die medizinisch-pharmazeutische Forschung interessant. Die analgetische Wirkung lässt sich durch Naloxon verringern, was darauf hindeutet, dass Crotamin in Wechselwirkung mit Opioidrezeptoren tritt.[1]

8 Literatur

  • Trutnau: Schlangen im Terrarium Bd. 2: Giftschlangen. Verlag Ulmer, Stuttgart 1998.

9 Weblinks

10 Quellen

  1. The analgesic activity of crotamine, a neurotoxin from Crotalus durissus terrificus.

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