Salicylsäure
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LoslegenSynonyme: Acidum salicylicum, Spirsäure
Englisch: salicylic acid
Definition
Salicylsäure ist eine aromatische Hydroxycarbonsäure, die vor allem in der Dermatologie als Keratolytikum eingesetzt wird. Sie ist zudem der pharmakologisch aktive Hauptmetabolit der Acetylsalicylsäure.
Chemie
Chemisch handelt es sich um 2-Hydroxybenzoesäure, eine Benzoesäure mit einer Hydroxygruppe in ortho-Stellung. Die Summenformel lautet C7H6O3, die molare Masse beträgt 138,12 g/mol. Salicylsäure bildet farb- und geruchlose, säuerlich schmeckende Kristalle. Sie ist in Wasser schwer, in Ethanol dagegen gut löslich. Mit einem pKs-Wert von etwa 3,0 ist sie eine stärkere Säure als Benzoesäure.
Vorkommen und Herstellung
In der Natur kommt Salicylsäure frei oder als Glykosid gebunden in zahlreichen Pflanzen vor. Dazu gehören die Rinde der Weide (als Salicin) und das Mädesüß (früher Spiraea ulmaria), von dem sich der historische Name Spirsäure ableitet. In Pflanzen wirkt sie als Phytohormon bei der Abwehr von Krankheitserregern.
Industriell wird Salicylsäure über die Kolbe-Schmitt-Reaktion aus Natriumphenolat und Kohlenstoffdioxid hergestellt. Sie ist Ausgangsstoff für die Synthese der Acetylsalicylsäure.
Pharmakokinetik
Nach perkutaner Anwendung wird Salicylsäure rasch resorbiert. Das Ausmaß hängt von der Grundlage, dem Hautzustand und der behandelten Fläche ab. Die Resorption steigt bei:
- erhöhter Hydratation der Haut und unter Okklusion
- erosiven oder entzündlichen Dermatosen
- großflächiger oder langfristiger Anwendung
- hoher Wirkstoffkonzentration
- Kindern (großes Verhältnis von Körperoberfläche zu Körpergewicht)
Nach der Resorption verteilt sich Salicylsäure vor allem im Extrazellularraum. Sie wird hepatisch überwiegend zu Glycin-Konjugaten (Salicylursäure) und Glucuroniden metabolisiert. Die Ausscheidung erfolgt überwiegend renal, teils unverändert und teils als Metaboliten. Ein alkalischer Harn-pH beschleunigt die Elimination.
Anwendungsgebiete
Systemische Anwendung
Salicylsäure gehört zur Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika und wirkt bei innerer Anwendung analgetisch, antiphlogistisch und antipyretisch. Wegen ihrer schlechten Magenverträglichkeit (ulzerogene Wirkung) wurde sie in der systemischen Therapie durch die Acetylsalicylsäure verdrängt.
Topische Anwendung
In der Dermatologie ist Salicylsäure weiterhin ein häufig eingesetzter Wirkstoff. Äußerlich angewendet wirkt sie keratolytisch sowie bakteriostatisch und fungistatisch. Die Keratolyse beruht auf einer Lösung der interzellulären Kohäsion im Stratum corneum.
Je nach Konzentration ergeben sich unterschiedliche Anwendungsgebiete:
- niedrige Konzentrationen (bis 2 %): Kosmetikprodukte gegen Akne
- 3–10 %: unterstützende topische Basistherapie der Psoriasis vulgaris[1]
- höhere Konzentrationen (> 5 %): Komedolyse bei Akne und Behandlung von Warzen
Bei Akne beschreibt die S2k-Leitlinie Hinweise auf einen Zusatznutzen salicylsäurehaltiger dermatokosmetischer Begleitpflege durch komedolytische und antiinflammatorische Effekte. Bei Kombinationsprodukten lässt sich der klinische Effekt jedoch nur eingeschränkt der Salicylsäure allein zuordnen.[2] Bei der Warzenbehandlung wird zusätzlich eine durch die lokale Reizung ausgelöste Immunantwort als Wirkmechanismus diskutiert.
Wechselwirkungen
Salicylsäure kann die Penetration anderer topisch applizierter Arzneimittel verstärken. Sie sollte deshalb nicht gleichzeitig mit anderen Externa auf dieselbe Hautstelle aufgetragen werden.
Bei relevanter systemischer Resorption kann Salicylsäure die Wirkung folgender Arzneimittel verstärken:
Glukokortikoide senken dagegen die Salicylat-Plasmaspiegel. Beim Absetzen einer Glukokortikoidtherapie können die Spiegel deshalb ansteigen.
Kontraindikationen
Kontraindiziert ist Salicylsäure bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder andere Bestandteile der Zubereitung. Je nach Präparat bestehen zusätzliche Gegenanzeigen, etwa bei Säuglingen, bei Niereninsuffizienz oder bestimmten Altersgruppen. Bei geschädigter, entzündeter oder erosiver Haut sowie bei großflächiger Anwendung ist wegen der erhöhten Resorption Vorsicht geboten. Bei Kindern sollte Salicylsäure nur auf kleinen Hautflächen angewendet werden.
Schwangerschaft
Salicylsäurehaltige Hautpräparate sollen in der Schwangerschaft grundsätzlich nicht angewendet werden. Ausgenommen ist die kurzzeitige Behandlung einer einzelnen kleinen Hautstelle, z.B. einer Warze. Für 10%ige Lösungen oder Gele zur Anwendung auf der Kopfhaut gilt eine Kontraindikation im dritten Trimenon. Im ersten und zweiten Trimenon dürfen diese Präparate nur bei eindeutiger Notwendigkeit, in möglichst niedriger Dosis und möglichst kurz angewendet werden.[3]
Fertigarzneimittel und Rezepturen
Salicylsäure ist als Fertigarzneimittel zur lokalen Behandlung von Warzen, Verhornungsstörungen und akneiformen Läsionen erhältlich, z.B. als Lösung, Gel oder Kombinationspräparat. Daneben beschreibt das Neue Rezeptur-Formularium (NRF) standardisierte Rezepturen für die magistrale Herstellung:
| Rezeptur | NRF-Nr. | Konzentration |
|---|---|---|
| Salicylsäure-Aknespiritus | 11.23. | 5 % oder 10 % |
| Salicylsäure-Vaselin | 11.43. | 1 % bis 20 % |
| Salicylsäure-Öl | 11.44. | 2 %, 5 % oder 10 % |
| Fettender Salicylsäure-Hautspiritus | 11.45. | 1 % bis 5 % |
| Ethanolhaltiges Salicylsäure-Gel | 11.54. | 6 % |
| 2-Propanolhaltiger Salicylsäure-Hautspiritus | 11.55. | 1 % bis 10 % |
Toxikologie
Bei großflächiger, langfristiger oder okklusiver Anwendung kann so viel Salicylsäure resorbiert werden, dass eine systemische Vergiftung (Salicylismus) entsteht. Besonders gefährdet sind Kinder sowie Patienten mit ausgedehnten Dermatosen oder eingeschränkter Nierenfunktion. Typische Symptome sind:
- Tinnitus, Hörminderung und Schwindel
- Übelkeit und Erbrechen
- Hyperventilation mit respiratorischer Alkalose, im weiteren Verlauf metabolische Azidose
- Verwirrtheit, in schweren Fällen Krampfanfälle und Koma
Zur Vermeidung systemischer Toxizität sollten Erwachsene topisch nicht mehr als 2 g und Kinder nicht mehr als 0,2 g Salicylsäure pro Tag anwenden.
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Quellen
- ↑ AWMF. S3-Leitlinie Therapie der Psoriasis vulgaris – Appendix A. AWMF-Registernummer 013-001. 2025.
- ↑ AWMF. S2k-Leitlinie Therapie der Akne. AWMF-Registernummer 013-017. Version 3.0. 2026.
- ↑ European Medicines Agency. Salicylic acid (topical use) – CMDh scientific conclusions and grounds for the variation, amendments to the product information. PSUSA/00002680/202312. 2024.