Opipramol
Handelsnamen: Insidon® u.a.
Englisch: opipramol
Definition
Opipramol ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Psychopharmaka. Es hat anxiolytische und sedierende Eigenschaften und wird u.a. zur Therapie generalisierter Angststörungen eingesetzt. Opipramol ist eines der am häufigsten verschriebenen Psychopharmaka in Deutschland.
Chemie
Opipramol ist ein trizyklisches Dibenzazepin. Es wird aufgrund seiner strukturellen Ähnlichkeit häufig den trizyklischen Antidepressiva zugeordnet. Opipramol hat die Summenformel C23H29N3O und eine molare Masse von 363,50 g/mol.
Wirkmechanismus
Der Wirkmechanismus ist derzeit (2026) nicht vollständig geklärt. Im Unterschied zu allen anderen Vertretern aus der Gruppe der trizyklischen Antidepressiva wirkt Opipramol nicht über eine klinisch relevante Hemmung der Wiederaufnahme von Monoaminen. Vielmehr agiert es mit hoher Affinität Agonist an Sigma-1-Rezeptoren, in geringerem Umfang auch an Sigma-2-Rezeptoren. Außerdem zeigt Opipramol moderate antagonistische Wirkung am 5-HT2A-Rezeptor und weist eine geringe Affinität mit überwiegend antagonistischem Profil an D2-Rezeptoren auf.
Opipramol entfaltet in geringem Ausmaß auch antihistaminerge und nur schwach ausgeprägte anticholinerge Wirkung. Der anxiolytische Effekt scheint ein Resultat der Interaktionen von Opipramol an verschiedenen Rezeptoren zu sein
Pharmakokinetik
Das Medikament wird oral eingenommen, wobei es vollständig und rasch in der Leber über das Cytochrom P450-System, genauer über die CYP2D6, metabolisiert wird. Im Blut liegt der Wirkstoff zu 91% an Plasmaproteine gebunden vor. Die Plasmahalbwertszeit beträgt durchschnittlich elf Stunden. Die Elimination erfolgt überwiegend renal, ein kleiner Anteil wird unverändert ausgeschieden.
Indikationen
Opipramol ist zugelassen zur Therapie generalisierter Angststörungen und somatoformer Störungen.
Darüber hinaus wird es im Rahmen eines Off-Label-Use u.a. in der Therapie von Depressionen eingesetzt, die von Angststörungen, Nervosität und Schlafstörungen begleitet sind. Es ist jedoch nicht zur Therapie einer Major Depression geeignet. Auch psychische Wechseljahresbeschwerden können off-label mit dem Arzneimittel behandelt werden.
Nebenwirkungen
Mögliche Nebenwirkungen von Opipramol sind:
- Schwindel
- Schläfrigkeit
- Hypotonie
- Tachykardien, Herzrhythmusstörungen
- QT-Zeit-Verlängerung
- Akkommodationsstörungen, Mydriasis
- Xerostomie
- Gastrointestinale Störungen: Übelkeit, Erbrechen, Obstipation
- Gewichtszunahme
- Serotoninsyndrom, insbesondere bei gleichzeitiger Anwendung von Buprenorphin
- Sexuelle Dysfunktion
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff
- Intoxikation mit Alkohol, Sedativa oder Psychopharmaka
- gleichzeitige Einnahme von MAO-Hemmern
- Blasenentleerungsstörungen (zum Beispiel bei benigner Prostatahyperplasie)
- Nierenfunktionsstörungen
- Leberfunktionsstörungen
- Pylorusstenose, Ileus
- Herzreizleitungsstörungen
- Glaukom
- Schwangerschaft, Stillzeit
Literatur
- Fachinfo Opipramol, zuletzt abgerufen am 23.03.2026
- Pharmezeutische Zeitung: Steckbrief Opipramol, zuletzt abgerufen am 23.03.2026