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Epidermis

(Weitergeleitet von Oberhaut)

Synonym: Oberhaut
Englisch: epidermis

1 Definition

Die Epidermis ist die oberste, verhornende Epithelschicht der Haut (Integumentum commune). Sie enthält zwar Nerven, jedoch keine Gefäße, da sie über den subepidermalen Gefäßplexus mit Blut versorgt wird.

2 Histologie

2.1 Aufbau

Die Epidermis ist aus einem mehrschichtigen, verhornenden Plattenepithel aufgebaut, das sich in mehrere Abschnitte gliedern lässt:

Den Grenzbereich zwischen der Epidermis und der darunterliegenden Dermis nennt man dermoepidermale Junktionszone. Hier verläuft ein dichtes Netz aus Blutkapillaren. Die Epidermis selbst ist frei von Blutgefäßen und wird ausschließlich per Diffusion und aktiven Stofftransport durch die Basalzellschicht ernährt.

2.2 Zellen

Die Epidermis besteht zu über 90% aus einer speziellen Zellart, den so genannten Keratinozyten. Sie sind die eigentlichen Epidermiszellen und werden durch spezielle Verbundstrukturen, die Desmosomen, zusammengehalten. Die tiefste Zelllage (Basalzellen) ist an der Basalmembran mit Hilfe von Hemidesmosomen befestigt.

Die Keratinozyten produzieren Keratine, welche im Zusammenspiel mit der extrazellulären Matrix für die außerordentliche Festigkeit der Epidermis gegenüber Zugkräften sorgen. Die oberen vitalen Epidermisschichten sezernieren darüber hinaus kontinuierlich Lipide, die den so genannten Lipidverschluss des Epithels herbeiführen.

Neben den Epithelzellen und Progenitorzellen sind im Stratum germinativum der Epidermis Merkel-Zellen, Melanozyten und Langerhans-Zellen lokalisiert. Diese drei Zellpopulationen machen etwa 10 % der Zellen der Epidermis aus.[1]

Die Melanozyten befinden sich direkt oberhalb der Basallamina im Stratum basale. Die Langerhans-Zellen sind zwischen den Zellen des Stratum spinosum lokalisiert.

2.3 Gewebekinetik

Die Epidermis wird durch kontinuierliche Zellteilung der Basalzellen erneuert. Nach der Teilung lösen sich die neu gebildeten Keratinozyten von der Basalmembran ab und durchwandern – vorangetrieben durch den ständigen Zellnachschub von unten – die verschiedenen Schichten der Epidermis. Dabei durchlaufen sie mehrere Differenzierungstadien, bis sie im Stratum corneum ihren Zellkern verlieren und zu Hornschuppen degenerieren. Diese gehen schließlich durch Desquamation verloren.

Die Differenzierung der Keratinozyten wird wahrscheinlich maßgeblich durch den Calciumgradienten gesteuert, der zwischen dem Stratum basale und dem Stratum granulosum besteht. Die extrazelluläre Calciumkonzentration steigt von der Basalmembran her zur obersten Schicht des Stratum granulosum hin kontinuierlich an. Durch den Influx von Calcium in die Keratinozyten wird die freie Calciumkonzentration in den Zellen erhöht, was die weitere Differenzierung der Zellen anregt.[2]

In gesunder Haut entspricht die Neubildungsrate der Keratinozyten ihrer Verlustrate. Es dauert etwa 2 Wochen, bis eine Zelle vom Stratum basale zur obersten Zelllage des Stratum granulosum aufsteigt. Danach braucht die Zelle weitere 4 Wochen, um das Stratum corneum zu durchlaufen. Die Zellen der Epidermis werden auf diese Weise alle 48 Tage vollständig umgeschlagen.

3 Physiologie

Die gesunde Epidermis bildet durch ihren dichten Zellverbund eine für Mikroorganismen normalerweise nicht überwindbare Barriere und erfüllt damit eine wichtige Schutzfunktion. Darüber hinaus ist sie in der Lage, sich durch verstärkte Verhornung funktionell an eine verstärkte mechanische Beanspruchung anzupassen. Die Dicke der Epidermis ist deshalb sehr variabel: Im Bereich der Augenlider beträgt sie nur 0,05 mm, im Bereich der Fußsohlen bis zu 2 mm oder mehr.

4 Klinik

Eine durch Reepithelialisierung nach einem Gewebeverlust neu gebildete Epidermis nennt man Neoepidermis.

Die Epidermis ist der Sitz von epithelialen und melanozytären Hauttumoren. Die größte klinische Bedeutung haben das Basalzellkarzinom, das Plattenepithelkarzinom und das maligne Melanom.

5 Podcast

Hör Dir zu diesem Thema unseren Podcast FlexTalk – Alles andere als oberflächlich: Die Haut an!

6 Quellen

  1. Lüllmann-Rauch, Asan, Taschenlehrbuch Histologie, Georg Thieme Verlag Stuttgart, 6. Auflage
  2. Proksch E et al.: The skin: an indispensable barrier. Experimental Dermatology (2008) 17 (12): 1063–1072. doi:10.1111/j.1600-0625.2008.00786.x. PMID 19043850

Diese Seite wurde zuletzt am 15. Juni 2022 um 12:42 Uhr bearbeitet.

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