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Meralgia paraesthetica

Synonyme: Inguinaltunnel-Syndrom, Bernhardt-Roth-Syndrom

1 Definition

Unter der Meralgia paraesthetica subsumiert man die Beschwerden, die durch eine Kompression des Nervus cutaneus femoris lateralis unter dem Leistenband hervorgerufen werden. Sie gehört zu den Engpasssyndromen.

2 Ätiopathogenese

Als Ursachen der Meralgia paraesthetica kommen Druck- oder Zugkräfte im Nervenverlauf, insbesondere unter dem Leistenband in Frage. In den meisten Fällen werden die Beschwerden durch eine Kompression des Nervus cutaneus femoris lateralis bei seinem Durchtritt durch die Fasern des Musculus obliquus externus abdominis und des Musculus obliquus internus abdominis hervorgerufen, wobei der Nerv um knapp neunzig Grad abknickt. Eine weitere mögliche Ursache sind Nervenläsionen in Folge medizinischer Eingriffe (z.B. Beckenkammpunktion).

Als Risikofaktoren für die Entstehung einer Meralgia paraesthetica kommen in Frage:

3 Epidemiologie

Männer sind etwa drei mal häufiger betroffen als Frauen.

4 Klinik

Die Erkrankung imponiert durch Parästhesien und brennende Schmerzen auf der Außenseite des Oberschenkels, die sich bei Beugung im Hüftgelenk bessern. Im Laufe der Zeit können eine Hypalgesie und eine Hypästhesie hinzukommen. Bei zehn bis zwanzig Prozent der Patienten manifestiert sich die Erkrankung beidseits.

Die Erkrankung kann für den Patienten sehr unangenehm sein. Manchmal wird die Haut so überempfindlich, dass selbst das Tragen von Kleidung kaum ertragen wird.

5 Diagnostik

Grundlage ist zunächst eine ausführliche Anamnese und eine gründliche neurologische Untersuchung, bei der eine Sensibilitätsstörung an der Außenseite des Oberschenkels auffällt. Zusätzlich besteht häufig eine Druckschmerzhaftigkeit zwei Querfinger medial der Spina iliaca anterior superior, wo der Nerv durch das Leistenband hindurchtritt. Die Überprüfung des umgekehrten Lasègue-Zeichens führt häufig zur Auslösung von Schmerzen im Versorgungsgebiet des Nervus cutaneus femoris lateralis.

Zusätzlich sollte ein SEP abgeleitet werden, bei der sich ein ausgefallenes kortikales Potenzial auf der erkrankten Seite bzw. eine verlängerte Latenz feststellen lassen. Mittels der Elektroneurographie kann versucht werden, die Nervenleitgeschwindigkeit zu bestimmen, was jedoch äußerst schwierig ist.

Zusätzlich kann ein MRT Aufschluss über ggf. vorliegende anatomische Veränderungen geben.

Wenn die Infiltration eines Lokalanästhetikums am Leistenband die Beschwerden bessert, weist dies ebenfalls auf eine Meralgia paraesthetica hin.

6 Differenzialdiagnose

Differenzialdiagnostisch sollte an ein radikuläres Syndrom im Bereich der Nervenwurzeln L2 und L3 und an eine Coxarthrose gedacht werden. Eine Schädigung durch lokale Prozesse (z.B. Tumor) sollte ebenfalls ausgeschlossen werden. Eine beginnende asymmetrische diabetische Polyneuropathie sollte differenzialdiagnostisch bedacht werden.

7 Therapie

Grundlage der Therapie der Meralgia paraesthetica ist die Reduktion der Risikofaktoren (Gewichtsnormalisierung, weitere Kleidung tragen, etc.). Wenn dadurch die Beschwerden nicht gemildert werden, können als spezielle Schmerztherapie Infiltrationen mit einem Glukokortikoid oder Nervenblockaden einem Lokalanästhetikum durchgeführt werden. Zusätzlich kommt eine allgemeine Schmerztherapie mit NSAR in Frage.

Bei therapieresistenten Fällen ist ebenfalls eine operative Neurolyse bzw. Dekompression des betroffenen Nerven möglich.

8 Prognose

Eine Behandlung der Beschwerden führt bei neun von zehn Patienten zu einer Besserung der Beschwerden. Bei jedem vierten Patienten wird eine Spontanremission beobachtet.

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