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Maiglöckchen

Synonyme: Augenkraut, Chaldron, Glasblümli
Englisch: Lily of the valley

1. Definition

Das Maiglöckchen, botanisch als Convalaria majalis bezeichnet, ist eine Gift- und Arzneipflanze aus der Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae); früher wurde sie den Liliengewächsen (Liliaceae) zugeordnet.

2. Eigenschaften

Es handelt sich um eine bis zu 30 cm große, krautige Pflanze mit kriechendem Wurzelstock. Der Stengel trägt zwei eliptisch geformte, grüne Laubblätter mit parallelnerviger Nervatur. Die weißen, glockenförmigen Blüten erscheinen zwischen April und Mai. Aus ihnen entwickeln sich erbsengroße, rote Beerenfrüchte. Die Fruchtreife setzt zwischen Juli und August ein.

3. Inhaltstoffe

Die Pflanze enthält in allen Teilen, vor allem aber in Blüten (zu 0,7%) und Früchten (zu 0,2%) herzwirksame Steroid-Glykoside (Herzglykoside/ Cardenolide). Insgesamt sind mindestens 38 verschiedene Glykoside nachweisbar. Die wichtigsten sind Convallatoxin, Convallataxol und Convallosid. Außerdem sind Steroidsaponine und Flavonoide enthalten.

4. Pharmakologie

4.1. Pharmakokinetik

Das wichtigste Glykosid der Droge ist Convallatoxin. Seine orale Bioverfügbarkeit ist gering, aus dem Darmlumen werden nur 10% resorbiert. Die Elimination erfolgt renal (über die Nieren) und relativ zügig, so dass kaum Kumulationsgefahr besteht.

4.2. Pharmakodynamik

Der Wirkmechanismus beruht auf einer Hemmung der Natrium-Kalium-ATPase. Daraus resultiert eine intrazelluläre Anreicherung von Kalziumionen. Folgen sind:

Die Empfindlichkeit für Herzglykoside ist individuell variabel.

5. Pharmazeutische Drogen

6. Indikationen

Die Anwendung von Maiglöckchenkraut ist weitestgehend obsolet, in der Regel wird auf Digitalisglykoside zurückgegriffen, die qualitativ ähnliche Wirkung haben und als Reinsubstanzen besser zu dosieren sind. Indikationsgebiete für Maiglöckchenkraut sind:

7. Kontraindikationen

8. Toxikologie

8.1. Symptome

Hautkontakt mit dem Saft der Pflanze kann zu Reizungen mit entzündungsartigen Beschwerden führen. Symptome der Intoxikation (Vergiftung) bei peroraler Aufnahme sind anfängliche Appetitlosigkeit, Übelkeit, Emesis, im weiteren Verlauf Diarrhoe (Durchfall), Sehstörungen mit Mydriasis (geweitete Pupillen) und Gelbsehen, Halluzinationen, Delir und Herzrhythmusstörungen (z. B. Sinusbradykardie, AV-Block, ventrikuläre Tachykardie). Eine anfängliche Hypertonie mit Tachykardie (Herzrasen) schlägt in Hypotonie und Bradykardie (verlangsamter Herzschlag) um. Der Tod kann durch Herzstillstand eintreten. Die mittlere letale Dosis beträgt bei der Katze 0,07 bis 0,08 mg Convallatoxin je kg Körpergewicht bei intravenöser Applikation.

8.2. Maßnahmen

Resorptionsvermindernde Maßnahmen (Aktivkohle, Natriumsulfat) sowie Colestyramin. Bei einer Intoxikation ist EKG-Kontrolle unablässig. Gegebenenfalls wird Lidocain zu initial 50 bis 100 mg, dann zu 1000 mg/ Tag intravenös appliziert. Bei Kammerflimmern ist Defibrillation indiziert. Bei Bradykardie kann auf Atropin zurückgegriffen werden.

9. Literatur

  • Roth et al.: Giftpflanzen - Pflanzengifte, Nikol Verlag, Karlsruhe/ München, 2008.
Stichworte: Giftpflanze

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