ICI-assoziierte Myokarditis
Synonyme: Checkpoint-Inhibitor-assoziierte Myokarditis, ICI-Myokarditis
Englisch: immune checkpoint inhibitor-associated myocarditis
Definition
Die ICI-assoziierte Myokarditis ist eine seltene, potenziell lebensbedrohliche Form der Myokarditis, die im Rahmen einer Therapie mit Immuncheckpoint-Inhibitoren (ICI) auftritt. Sie gehört zu den immunvermittelten Nebenwirkungen (irAE) der onkologischen Immuntherapie und ist durch eine T-Zell-vermittelte Entzündungsreaktion des Myokards gekennzeichnet.
Epidemiologie
Die Inzidenz liegt je nach Kollektiv bei etwa 0,3–1,0 % unter ICI-Therapie, ist jedoch mit einer hohen Letalität von bis zu 25–50 % assoziiert. Das Risiko ist erhöht bei Kombinationstherapien (z.B. CTLA-4- und PD-1-Inhibitoren). Die Erkrankung tritt meist früh im Therapieverlauf auf, häufig innerhalb der ersten 4–8 Wochen.
Ätiopathogenese
Immuncheckpoint-Inhibitoren (z.B. Nivolumab, Pembrolizumab, Ipilimumab) blockieren inhibitorische Signalwege der T-Zell-Aktivierung. Dies führt zu einer verstärkten antitumoralen Immunantwort, kann jedoch auch autoreaktive T-Zellen aktivieren. Pathophysiologisch kommt es zu:
- Infiltration des Myokards durch CD4+- und CD8+-T-Zellen
- Kreuzreaktivität zwischen Tumorantigenen und kardialen Proteinen
- begleitender Entzündung anderer Organe (z.B. Myositis, Myasthenia gravis)
Histologisch zeigt sich eine lymphozytäre Myokarditis mit Myozytendegeneration.
Klinik
Das klinische Spektrum reicht von asymptomatischen Verläufen bis hin zum fulminanten kardiogenen Schock. Typische Symptome sind:
Häufig bestehen Rhythmusstörungen wie AV-Block oder ventrikuläre Arrhythmien. Teilweise treten gleichzeitig andere immunvermittelte Nebenwirkungen auf.
Diagnostik
Die Diagnostik erfolgt anhand der typischen Anamnese und klinischer, laborchemischer sowie bildgebender Befunde, z.B.:
- erhöhtes Troponin
- EKG: unspezifische Veränderungen, Arrhythmien und Leitungsstörungen
- Echokardiographie: in frühen Stadien häufig noch normale linksventrikuläre Ejektionsfraktion
- Kardio-MRT: Nachweis von Myokardödem und Late Gadolinium Enhancement
- Endomyokardbiopsie
Differenzialdiagnostisch müssen u. a. ein akutes Koronarsyndrom sowie andere Formen der Myokarditis ausgeschlossen werden.
Therapie
Die Therapie sollte unverzüglich eingeleitet werden und umfasst:
- sofortige Unterbrechung der ICI-Therapie
- hochdosierte Glukokortikoidtherapie (z.B. Methylprednisolon 500-1000 mg/Tag)
Bei unzureichendem Ansprechen ist eine Eskalation der Immunsuppression erforderlich, z.B. mit Mycophenolatmofetil, Infliximab oder Antithymozytenglobulin. Allerdings ist Infliximab bei schwerer Herzinsuffizienz kontraindiziert. Zusätzlich erfolgt eine symptomatische Behandlung von Herzinsuffizienz und Arrhythmien. Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Literatur
- DocCheck: Myokarditis unter ICI-Therapie, 2021
- Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK): ICI-Myokarditis – Prädiktoren und Risikoscores, zuletzt abgerufen am 31.03.2026
- Gelbe Liste: Myokarditis unter Checkpoint-Inhibitoren , zuletzt abgerufen am 31.03.2026
- SpringerMedizin: Myokarditis durch Checkpoint-Inhibition , zuletzt abgerufen am 31.03.2026
- CardioNews: ICI-assoziierte Myokarditis , zuletzt abgerufen am 31.03.2026