Frontzahntrauma
Synonyme: Frontzahnanpralltrauma, Frontzahnverletzung
Definition
Ein Frontzahntrauma ist eine akute Verletzung der Frontzähne, bevorzugt der oberen oder unteren Schneidezähne, infolge äußerer Gewalteinwirkung. Betroffen sein können Zahnhartsubstanz, Pulpa, Parodontium, Alveolarknochen sowie die umgebenden Weichgewebe. Häufig handelt es sich um kombinierte Verletzungsmuster.
Ätiologie
Frontzahntraumata zählen zu den häufigsten dentalen Verletzungen, insbesondere im Kindes- und Jugendalter. Typische Ursachen sind Stürze, Sportunfälle, Verkehrsunfälle und körperliche Gewalt. Die oberen mittleren Schneidezähne sind aufgrund ihrer exponierten Position am häufigsten betroffen. Die Eckzähne sind aufgrund ihrer höheren Stabilität selten involviert.
Einteilung
Die Einteilung erfolgt nach dem primär betroffenen Gewebe gemäß den Empfehlungen der International Association of Dental Traumatology (IADT).
Zahnhartsubstanzverletzungen
- Schmelzfraktur
- Schmelz-Dentin-Fraktur (unkomplizierte Kronenfraktur)
- Komplizierte Kronenfraktur mit Pulpaeröffnung
- Kronen-Wurzel-Fraktur
Wurzelfrakturen
Parodontale Verletzungen (Luxationsverletzungen)
Avulsion
- Vollständiges Ausreißen bzw. Dislokation des Zahnes aus dem Zahnfach (Avulsion)
Kombinierte Verletzungen
- Kombination aus Zahn-, Alveolarknochen- und Weichgewebsverletzungen
Klinik
Die klinische Ausprägung reicht von schmerzlosen Zahnhartsubstanzdefekten bis zu dislozierten oder avulsierten Zähnen. Typische Befunde sind Zahnschmerz, Zahnlockerung, Fehlstellung, Okklusionsstörung, Blutung aus dem Sulkus sowie begleitende Weichgewebsverletzungen, meist der Lippen.
Bei Kindern sind Verletzungen der Zahnkeime möglich.
Diagnostik
Die Diagnostik umfasst Unfallanamnese, Inspektion, Palpation und Funktionsprüfung. Bei Avulsionen sind Unfallzeitpunkt und extraorale Trockenzeit zu dokumentieren. Erfasst werden Zahnbeweglichkeit und Okklusion, darüber hinaus wird eine Sensibilitätsprüfung durchgeführt.
Die bildgebende Diagnostik erfolgt mittels intraoraler Röntgenaufnahmen. Bei komplexen Verletzungen kann eine digitale Volumentomographie erforderlich sein.
Therapie
Frontzahntraumata sind nicht nur funktionell, sondern auch ästhetisch und psychosozial relevant. Die Therapie richtet sich nach Verletzungsart, Ausmaß und Wurzelentwicklungsstatus.
Zahnhartsubstanzfrakturen
- Adhäsive Restauration bei unkomplizierten Frakturen
- Direkte Überkappung oder partielle Pulpotomie bei Pulpaeröffnung, insbesondere bei unreifer Wurzel
Luxationsverletzungen
- Reposition des Zahnes
- Flexible Schienung, in der Regel für 1–2 Wochen
- Klinische und endodontische Verlaufskontrolle
Avulsion
- Sofortige Replantation bei bleibenden Zähnen oder Lagerung in geeignetem Medium (Zahnrettungsbox)
- Keine Replantation von Milchzähnen
- Antibiotische Begleittherapie und Kontrolle des Tetanusschutzes
Bei komplexen Verletzungen kann eine interdisziplinäre Behandlung durch die Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie erforderlich sein.
Prognose
Prognose und Therapieerfolg hängen maßgeblich von Art des Traumas, dem Zeitintervall bis zur Behandlung und der adäquaten Erstversorgung ab.
Prävention
Präventive Maßnahmen umfassen Mundschutzschienen bei Kontaktsportarten sowie die Reduktion frontaler Zahnexposition durch kieferorthopädische Maßnahmen.