Synonym: Zuckerkrankheit


Der Diabetes mellitus ist gekennzeichnet durch eine chronische Erhöhung des Blutzuckers (Blutglukose), verbunden mit dem Risiko für schwere Begleit- und Folgeerkrankungen.
Durch die anhaltend hohen Saccharidwerte im Blut werden Proteine des Blutplasmas in einer nichtenzymatischen Glykierung (Amadori-Umlagerung) mit Saccharidresten versehen und teilweise damit unbrauchbar oder lagern sich ab. Durch die hohe Konzentration von Zucker in nichtinsulinabhängigen Geweben kommen osmotische Organschädigungen (beispielsweise in der Augenlinse) vor.
Ursache des Diabetes mellitus ist immer ein Ausfall des glucotropen Regelkreises, der durch Störungen an verschiedenen Stellen bedingt sein kann.
Es werden mehrere Formen des Diabetes mellitus unterschieden, die nach einem Vorschlag der American Diabetes Association (ADA) folgendermaßen eingeteilt werden:


| Klasse (Typ) | Beschreibung |
|---|---|
| 1A | Insulinmangel, immunologisch |
| 1B | Insulinmangel, idiopathisch |
| 2 | Insulinresistenz |
| 3A | Genetisch bedingte Betazellstörung |
| 3B | Genetisch bedingte Insulinresistenz |
| 3C | Pankreopriver Diabetes mellitus |
| 3D | Sekundär endokriner Diabetes mellitus |
| 3E | Diabetes mellitus durch Chemikalien oder Drogen bedingt |
| 3F | Infektiös |
| 3G | Immunologisch |
| 3H | Andere genetische Syndrome |
| 4 | Gestationsdiabetes |
Diese Einteilung entspricht seit 1998 auch den Empfehlungen der WHO.
Der Typ 1-Diabetes beruht auf einem Mangel an Insulin infolge einer Zerstörung der insulinproduzierenden Beta-Zellen in den Langerhans'schen Inseln des Pankreas (Bauchspeicheldrüse). Am höchsten ist die Neuerkrankungsrate bei Kindern zwischen 11 und 13 Jahren. Deshalb wurde der Typ 1 Diabetes früher auch als jugendlicher oder juveniler Diabetes bezeichnet.
Als Ursache des Typ 1 Diabetes gilt heute das Zusammenwirken von erblicher Veranlagung und äußeren Faktoren (z.B. bestimmte Virusinfektionen) und einer Fehlsteuerung des Immunsystems. So sind bestimmte weiße Blutkörperchen (T-Lymphozyten) beschrieben, die sich speziell gegen die Beta-Zellen richten; auch Antikörper gegen Beta-Zellen, gegen Glutamatdecarboxylase oder gegen Insulin lassen sich bei Typ 1 Diabetikern nachweisen. In Folge der immunologischen Fehlfunktionen kommt es zum Untergang der insulinproduzierenden Zellen und zum absoluten Insulinmangel. Ohne Insulin kann jedoch Glukose kaum noch aus dem Blut in die Körperzellen aufgenommen werden.
Der Typ 2-Diabetes beruht auf einem verminderten Ansprechen der Körperzellen auf Insulin. Er macht sich meist nach dem 40. Lebensjahr erstmals bemerkbar und wurde deshalb früher auch als Altersdiabetes oder Alterszucker bezeichnet. Auslösende Faktoren könnten fettreiche Ernährung, Übergewicht und Bewegungsmangel sein - meist führt eine Kombination dieser Risiken zum Ausbruch der Krankheit. In den letzten Jahren hat sich das Alter beim ersten Auftreten des Diabetes zunehmend nach unten verlagert.
Die körperliche Bewegung wird häufig in ihrer Bedeutung unterschätzt. Sie verbessert die Glukoseaufnahme und - verwertung in der Skelettmuskulatur und kann so entscheidend dazu beitragen, den Blutzuckerspiegel zu senken.
Ein erstmals während der Schwangerschaft auftretender Diabetes wird als Schwangerschafts- oder Gestationsdiabetes bezeichnet. Durch die vermehrt im Körper vorliegenden Steroidhormone wird die Produktion von Insulin gehemmt, so dass die Blutzuckerwerte hormonabhängig stark steigen können. In der Regel verschwindet diese Form des Diabetes nach Beendigung der Schwangerschaft. Dabei ist jedoch das Risiko für die spätere Entwicklung eines Typ 2 oder Typ 1 Diabetes stark erhöht.
Die bereits bei Kindern auftretende Form des Diabetes Typ 2, wird in der Literatur als MODY (Maturity-Onset Diabetes of the Young) bezeichnet.
Einen latent insulinpflichtigen Diabetes mellitus im Erwachsenenalter nennt man LADA (Latent Autoimmune Diabetes in Adults).
Als JODA (Juvenile-Onset Diabetes of the Adults) bezeichnet man einen ab dem 40. Lebensjahr auftretenden Diabetes vom Typ 1.
Seltene Formen des Diabetes mellitus sind z. B. durch Chemikalen wie Streptozotocin, Infektiös, durch Malnutrition oder pankreopriv (etwa auf dem Boden einer chronischen Pankreatitis) bedingt.
Der Diabetes mellitus kann lange Zeit symptomfrei verlaufen, erst ab einer Erhöhung des Blutzuckers über einen kritischen Wert macht sich die Erkrankung klinisch bemerkbar. Die Symptome der Hyperglykämie sind:
Durst und Polyurie (erhöhte Harnproduktion) entstehen ab einem Blutzuckerspiegel von etwa 180 mg/dl ("Nierenschwelle"). Übersteigt der Blutzuckerspiegel diesen Wert, kann die Glukose in der Niere nicht mehr vollständig rückresorbiert werden. Das führt zu einem Auftreten von Glukose im Urin (Glukosurie) und zu einem deutlichen Anstieg des Harnvolumens. Der Patient versucht den Wasserverlust durch erhöhtes Trinken (Polydipsie) zu kompensieren.
Unbehandelt kann die Hyperglykämie zum diabetischen Koma führen.
Die diagnostischen Maßnahmen zur Feststellung eines Diabetes mellitus umfassen unter anderem:
Bei langjährig bestehendem Diabetes können sich typische Komplikationen entwickeln, insbesondere wenn die Stoffwechsellage über längere Zeit schlecht eingestellt war. Die häufigste Komplikation ist die diabetische Retinopathie, weitere unerwünschte Folgeerscheinungen sind die diabetische Nephropathie und das diabetische Fußsyndrom. Diese entstehen meist auf dem Boden einer diabetischen Angiopathie und Polyneuropathie.


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