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Verdauungstrakt (Veterinärmedizin)

Synonyme: Verdauungsapparat, Digestionsapparat, Apparatus digestorius, Canalis alimentarius
Englisch: digestive system

1 Definition

Als Verdauungstrakt bzw. Verdauungsapparat werden bei den Haussäugetieren alle Organe zusammengefasst, die sowohl der Aufnahme als auch der Weiterverarbeitung und dem Transport der Nahrung dienen.

2 Hintergrund

Der Verdauungstrakt reicht als Rohr von der Maulöffnung bis zum After. Diesem Organsystem sind extramurale Drüsen zugeordnet, die ihr Sekret über Ausführungsgänge an ihn abgeben und die Verdauungsprozesse unterstützen.

3 Physiologie

Der Verdauungstrakt der Haussäugetiere ist aufgrund der aufgenommenen Nahrung den jeweiligen Tierarten angepasst. Wiederkäuer sowie Pferde sind auf pflanzliche Kost spezialisiert, weshalb sie als Pflanzenfresser (Herbivora) gruppiert werden. Andere wiederum (Hund, Katze) bevorzugen tierische Nahrung, weshalb sie als Fleischfresser (Carnivora) klassifiziert werden. Schweine nehmen als Allesfresser (Omnivora) eine Zwischenstellung ein. Die Anpassungen an die unterschiedlichen Ernährungsweisen betreffen alle Organe des Verdauungstraktes und sind insbesondere an Gebiss und dem Gastrointestinaltrakt ersichtlich.

Trotz der tierspezifischen Vielfalt des Verdauungstraktes ist allen Haussäugetieren ein gemeinsames Funktionsprinzip eigen: Die aufgenommene Nahrung wird schrittweise aufgearbeitet und in resorbierbare Spaltprodukte umgewandelt. Die unverdauulichen Reste werden eingedickt und anschließend ausgeschieden.

4 Anatomie

Um die aufgenommene Nahrung bestmöglich verwerten zu können, gliedert sich der Verdauungstrakt in zwei Abschnitte, die sich wiederum aus unterschiedlichen Organen zusammensetzen.

4.1 Oberer Verdauungstrakt

Der obere Verdauungstrakt beginnt beim Kopf und endet mit dem Magen. Folgende Anteile werden diesem Abschnitte zugeordnet:

  • Mundhöhle (Cavum oris): Aufnahme der festen Nahrung, die mit den Sinnesorganen geprüft und eventuell mehrfach (Wiederkauen) zerkleinert und eingespeichelt wird. Die Aufnahme von Flüssigkeiten erfolgt tierspezifisch, entweder mit den Lippen oder der Zunge.
  • Schlundkopf (Pharynx): Hier wird der Bissen/Bolus gebildet und der Schluckvorgang eingeleitet.
  • Ösophagus (Speiseröhre): Hier findet ausschließlich der Weitertransport der Nahrung statt - beim Wiederkäuer in beide Richtungen (oral und aboral).
  • Magen (Gaster): Im Magen wird die abgeschluckte Nahrung aufgefangen, um sie portionsweise weiter zu transportieren. Bei Tieren mit einhöhligen Mägen (Monogastrier) beginnt hier bereits die enzymatische Aufschließung der Nahrung, während Wiederkäuer mit einem mehrhöhligen Magen einen komplizierten Aufbearbeitungs- und Wiederverarbeitungsprozess aufweisen.

4.2 Unterer Verdauungstrakt

Der untere Verdauungstrakt schließt an den Magen an und endet mit dem After, wo die unverdauulichen Bestandteile konzentriert ausgeschieden werden. Diesem Abschnitt werden folgende Organe zugeteilt:

  • Dünndarm (Intestinum tenue): Dem Dünndarm werden die Verdauungssekrete der Leber (über die Gallenblase) und der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) zugeleitet. Hier wird die Nahrung aufgespalten und großteils resorbiert. Der Dünndarm setzt sich wiederum aus folgenden Abschnitten zusammen:
  • Dickdarm (Colon): Im Dickdarm werden nur noch Wasser sowie niedermolekulare Stoffe aufgenommen. Das Besondere an diesem Abschnitt ist, dass hier eine mikrobielle Gärung stattfindet und damit die Menge und Beschaffenheit des Futters deutlich in Form und Volumen vom ersten Dickdarmabschnitt abhängt. Die einzelnen Dickdarmabschnitte sind an die aufgenommene Nahrung angepasst und somit tierspezifisch unterschiedlich ausgebildet. Grundsätzlich weisen aber alle Tiere folgende Abschnitte auf:
  • Rektum (Mastdarm): Das Rektum formt und beherbergt den Kot, bis er periodisch abgegeben wird.
  • Anus (After): Stellt das distale Ende des Verdauungstraktes dar und sorgt für eine kontrollierte und periodische Ausscheidung des Kots.

5 Histologie

Unabhängig vom der Tierart und der aufgenommenen Nahrung weist der Verdauungstrakt bei allen Haussäugetieren einen einheitlichen histologischen Aufbau auf:

6 Literatur

  • Nickel R, Schummer A, Seiferle E. 2004. Lehrbuch der Anatomie der Haustiere, Band II: Eingeweide. 9., unveränderte Auflage. Stuttgart: Parey in MSV Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG. ISBN: 978-3-8304-4152-6

Diese Seite wurde zuletzt am 3. April 2021 um 21:36 Uhr bearbeitet.

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