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Venezuela-Lanzenotter

Zoologische Bezeichnung: Bothrops venezuelensis
Englisch: Venezuela Lancehead

1 Definition

Die Venezuela-Lanzenotter ist eine Giftschlange aus der Familie der Vipern (Viperidae) und zählt zur Unterfamilie der Grubenottern (Crotalinae). Es liegen kaum klinische Erfahrungen mit Bissunfällen dieser Spezies vor, ein Biss wird jedoch als potentiell lebensbedrohlich eingestuft.

2 Merkmale

Es handelt sich um eine circa 80 bis 167 cm groß werdende Schlange mit schlankem bis mäßig gedrungenem Körperbau und gekielten Körperschuppen. Der Kopf ist flach, breit und bei Aufsicht dreieckig geformt. Er setzt sich deutlich vom Hals ab und weist die für Grubenottern typische Grube zwischen Auge und Nasenloch auf, in welcher sich ein Organ befindet, mit dem das Tier Wärmestrahlung wahrnehmen kann. Das Auge weist eine bei Lichteinfall vertikal geschlitzte Pupille auf. Der Körper zeigt je nach Variante eine bräunliche bis grünliche Grundfärbung auf. Die Venezuela-Lanzenotter führt eine überwiegend nachtaktive und bodenbewohnende Lebensweise, klettert gelegentlich aber auch in niedrigem Gebüsch.

2.1 Giftapparat

Typisch für alle Vertreter der Viperidae ist der Giftapparat: Vipern haben von allen Giftschlangen den evolutionär am weitest entwickelten Giftapparat. Die Giftdrüsen, die sich seitlich des Schädels befinden und von umgebildeten Speicheldrüsen dargestellt werden, stehen in Verbindung mit den Gift- bzw. Fangzähnen. Diese befinden sich im vorderen Oberkiefer, sind bei geschlossenem Maul eingeklappt und werden beim Zubeißen aufgestellt. Die Giftzähne sind röhrenartig aufgebaut und ermöglichen eine Injektion des Giftsekretes wie durch die Kanüle einer Spritze.

3 Verbreitung

Die Art ist im nördlichen Südamerika (Venezuela) verbreitet und besiedelt tropische Feuchtwälder, in erster Linie montan gelegene Nebelwälder und ähnliche Habitate.

4 Toxikologie

Über das Toxingemisch von Bothrops venezuelensis ist wenig bekannt. Man kann jedoch davon ausgehen, dass es dem der verwandten Arten Bothrops jararaca, Bothrops atrox und Borthrops asper nicht unähnlich ist. Zwar liegen kaum Daten über Bissunfälle vor, der Biss wird jedoch als potentiell lebensgefährlich eingestuft!

Fibrinogenasen wurden nachgewiesen. Mit ziemlicher Sicherheit enthält das Gift Prokoagulantien, die eine Verbrauchskoagulopathie bis hin zur Ungerinnbarkeit des Blutes bewirken können, sowie Hamorrhagine, welche durch Schädigung der Blugefäßwände zu Blutungen führen. Zytotoxine bewirken Schädigungen des Gewebes, indem sie Zellwände angreifen und Zellen somit absterben lassen. Die Folge kann eine Nekrose am gebissenen Gliedmaß sein.

Neurotoxine sind vermutlich nicht oder nur geringfügig vorhanden.

4.1 Symptome

Nach einem Biss treten lokale Effekte wie Schmerzen, Schwellung, Hämatom, Blasen und Nekrose auf. Systemisch kommt es unter Umständen zu Kopfschmerzen, Übelkeit, Emesis, Abdominalschmerzen, Diarrhoe, Schwindel, Krämpfen und Hypotonie bis hin zum Schock. Der Tod kann durch Kreislaufversagen eintreten.

4.2 Komplikationen

4.3 Therapie des Giftbisses

  • Das Bissopfer muss Ruhe bewahren und die Bissstelle ist ruhig zu halten. Nach sofortiger Alarmierung des Notarztes sollte der Patient liegend in das nächstgelegene Krankenhaus transportiert werden. Zwecks Nierenschutz ist eine Infusion mit 0,9%iger Kochsalzlösung angezeigt. Weitere Maßnahmen dienen der symptomatischen Behandlung.
  • Keine Kompressionsmethode, da hierdurch die zytotoxische Lokalwirkung ungleich verstärkt wird.
  • Überwachung der Gerinnungsparameter.
  • Wundtoilette bei Nekrose, sofern die Gerinnungswerte es zulassen. Unter Umständen sind Amputationen nötig.
  • Antivenine: Der Einsatz von Antiveninen sollte nur in Rücksprache mit einer Giftnotruf-Zentrale und nach gründlicher Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen. Als Antivenine stehen unter anderem folgende polyvalente Präparate zur Verfügung:
    • Antivipmyn (Produzent: Instituto Bioclon)
    • Soro antibotropico-crotalico (Produzent: Instituto Butantan)

5 Medizinische Nutzung

Auf der Basis des Giftes der nahe verwandten Jararaca (Bothrops jararaca) wurden die ACE-Hemmer entwickelt.

6 Weblinks

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