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Pododermatitis purulenta profunda (Pferd)

Synonym: PPP

1 Definition

Als Pododermatitis purulenta profunda, kurz PPP, bezeichnet man eine infektiöse und tiefgreifende Entzündung der Huflederhaut und der darunter befindlichen Strukturen beim Pferd.

2 Vorkommen

Die Pododermatitis purulenta profunda tritt sowohl an der Hinter- als auch an der Vordergliedmaße gleichermaßen auf.

3 Ätiologie

Tiefe purulente Pododermatitiden sind häufig die Folge einer chronischen Hufeiterung (Pododermatitis purulenta superficialis), die nicht als solche erkannt oder adäquat therapiert wurden. Zusätzlich können tiefe penetrierende Verletzungen (z.B. durch spitze Fremdkörper) ebenfalls zu einer Pododermatitis purulenta profunda führen.

4 Pathogenese

Bei einer Pododermatitis purulenta profunda greift die Infektion auf die tiefen Schichten der Lederhaut über. Da es nicht mehr bei einer Trennung zwischen Lederhaut und Hornkapsel bleibt, werden auch die Lederhautblättchen sowie -zöttchen von der Infektion erfasst, sodass es zu einem eitrigen und einschmelzenden Prozess in diesem Bereich kommt. Der meist dickflüssige Eiter bildet Abszesshöhlen, wobei nur selten spontante Durchbrüche (z.B. über die Sohle) entstehen.

Bei längerem Bestehen der Erkrankung sind alle Schichten der Huflederhaut betroffen und es kommt zur Infektion tiefer liegender Strukturen, sodass das Hufbein, das Hufgelenk, das Strahlbein, die Bursa podotrochlearis und/oder die tiefe Beugesehne beteiligt sein können.

5 Klinik

Da der eitrige Prozess auch tiefe Strukturen im Huf erfasst (z.B. Hufgelenk), kommt es zu einer systemischen Streuung der Erreger. Die Folgen sind z.B. gestörtes Allgemeinbefinden, Fieber und Inappetenz. Betroffene Tiere leiden an einer mittel- bis hochgradigen Stützbeinlahmheit (Grad 4-5/5) und bei der Palpation der Hauptmittelfußarterie fällt eine kräftig klopfende Pulsation auf. Bei der Zangenpalpation sowie beim Perkutieren des Hufs reagieren die Tiere mit hochgradigen Schmerzzeichen.

Der in der Tiefe liegende Eiter ist dickflüssig, gelb und rahmartig. Da es oftmals zu keiner Erweichung oder Auflösung oberflächlicher Hornschichten kommt, ist das Exsudat im Gegensatz zur Pododermatitis purulenta superficialis auch nicht grau-schwarz verfärbt.

6 Diagnose

Die Klinik (gestörtes Allgemeinbefinden, hochgradige Stützbeinlahmheit, pulsierende Hauptmittelfußarterie, Perkussions- und Palpationsschmerz) sowie die Beschaffenheit des Eiters sind charakteristisch für eine Pododermatitis purulenta profunda. Um das gesamte Ausmaß der Infektion feststellen zu können, sind röntgenologische Untersuchungen sowie Punktionen der Synovialstrukturen (Hufgelenkpunktion, Punktion der Bursa podotrochlearis u.ä.) indiziert.

7 Therapie

Bei einer Pododermatitis, die mit Fieber und einem gestörten Allgemeinbefinden einhergeht, muss eine systemische Antibiotikatherapie (z.B. Penicillin und Gentamicin i.v.) eingeleitet werden. Gleichzeitig muss am Huf der Eiterherd freigelegt werden, wobei sämtliches unterminiertes Horn abzutragen ist (erweiterte Hornlücken-Operation). Die freigelegte Lederhaut wird dann desinfizierend gespült (z.B. mit Povidon-Iod-Lösung), mit Povidon-Iod-Spray versorgt und mit Gaze überdeckt. Anschließend wird ein gut gepolsterter Druckverband angelegt.

Die Verbandwechsel werden in Abhängigkeit von der Belastung, der Größe und der Exsudation durchgeführt. In manchen Fällen werden nekrotisch gewordene Lederhautareale abgestoßen, sodass im späteren Heilungsverlauf auch mehrere Wunddebridements durchgeführt werden müssen. Die entstehenden Wundflächen granulieren dann von innen nach außen. Die gesamte Heilungsdauer beträgt (je nach Ausdehung) vier bis sechs Wochen.

Die Therapie ist bei Beteiligung tiefer liegender Strukturen (z.B. Infektion des Hufgelenks) dementsprechend anzupassen. Bei einer septischen Arthritis muss das Gelenk gespült (z.B. arthroskopisch) und dem Verlauf entsprechend intraartikulär mit Antibiotika behandelt werden (z.B. Gentamicin oder Amikacin).

8 Literatur

  • Brehm W, Burk J, Delling U, Hagen J, Köhler M, Litzke LF, Nowak M, Rijkenhuizen A, Schusser GF, Tietje S, Troillet A. Krankheiten des Bewegungsapparats. In: Brehm W, Gehlen H, Ohnesorge B, Wehrend A (Hrsg.). 2017. Handbuch Pferdepraxis. 4., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag in Georg Thieme Verlag KG. 849-1148. ISBN: 978-3-13-219621-6
  • Foot Care and Farriery. In: Baxter GM. 2011. Adams and Stashak's Lameness In Horses. Sixth edition. Wiley-Blackwell Publishing, Ltd. 1179-1215. ISBN: 978-0-8138-1549-7/2011.
  • Auer JA, Kümmerle JM. Section IXX Musculoskeletal System. In: Auer JA, Stick JA, Kümmerle JM, Prange TP. 2019. Equine Suergery. Fifth edition. Elsevier, Inc. ISBN: 978-0-323-48420-6

Diese Seite wurde zuletzt am 22. Oktober 2020 um 13:11 Uhr bearbeitet.

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