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Hornlücke (Pferd)

1 Definition

Als Hornlücke bezeichnet man die trichterförmige Drainageöffnung der Sohlenfläche beim Pferd. Sie ist indiziert bei purulenten Entzündungen der Huflederhaut (Pododermatitis purulenta superficialis).

2 Wirkprinzip

Mithilfe einer Hornlücke wird von außen eine künstliche Öffnung der Sohlenfläche geschaffen, über die das darunter befindliche Exsudat (Blut, Eiter, nekrotisches Gewebe, zerstörtes Horn, Schmutz) ungehindert abfließen kann. Auf diese Weise wird der von der Infektion und vom Exsudat ausübende Druck auf das umliegende Gewebe reduziert und die Symptome (v.a. Lahmheit) gebessert. Zusätzlich kann über die künstlich geschaffene Öffnung die Wunde regelmäßig gespült werden, damit das Gewebe granulieren und neu verhornen kann.

3 Durchführung

Das Pferd wird für die Durchführung der Hornlücken-Operation sediert (z.B. Detomidin und Butorphanol i.v.) und durch Hilfspersonen fixiert. Die betroffene Gliedmaße wird grob von Schmutz entfernt und dann für die Hornlücken-Operation vorbereitet.

Die Sohlenfläche und der Huf sind mit einem Hufkratzer und einer Bürste zu reinigen. Wichtig ist, dass sämtlicher Schmutz (auch in den Strahlfurchen) entfernt wird. Anschließend wird die gesamte distale Gliedmaße in ein desinfizierendes Hufbad (z.B. mit Povidon-Iod) gestellt. Nachdem der Huf gesäubert wurde, ist eine Leitungsanästhesie (MPA) zu setzen. Erst wenn die Nerven desensibilisiert sind, darf der Stauschlauch distal des Fesselgelenks angelegt werden. Alle weiteren Schritte sind unter sterilen Kautelen (sterile Handschuhe, sterile Instrumente u.ä.) durchzuführen.

Der Operateur schneidet mit einem Rinnmesser (Hufmesser) an der betroffenen Sohlenfläche eine ausreichend große und verkehrt kegelförmige Hornlücke. Die Hornlücke muss dabei so tief sein (bis zur Huflederhaut), dass das darunter befindliche Exsudat ungehindert abfließen kann. Anschließend wird die Wunde gespült und sondiert, um die Tiefe abschätzen zu können. Die gereinigte Öffnung sollte dann mit einem scharfen Löffel kürettiert werden, damit auch das restliche nekrotische Gewebe entfernt wird. Nach einer erneuten Spülung kann die Hornlücke mit sterilen Tupfern ausgefüllt und abgedeckt werden. Anschließend wird die Sohlenfläche, der Huf und der Fesselbereich mit Watte abgedeckt, mit einer Mullbinde eingewickelt und mit einem Haftverband gestützt (Hufverband). Die Lauffläche und den Huf schützt man anschließend mit einem breitflächigen Klebeband vor Schmutz und Feuchtigkeit.

4 Nachsorge

Das Pferd wird in den auf die OP folgenden Tagen engmaschig überwacht (Körpertemperatur, Allgemeinbefinden, Appetit u.ä.). In den meisten Fällen belasten die Pferde binnen weniger Tage die erkrankte Gliedmaße immer besser. Unterstützend können auch antiinflammatorische und analgetische Medikamente (z.B. Phenylbutazon) verabreicht werden. Eine Antibiose ist in der Regel nicht notwendig. Der Verband wird regelmäßig gewechselt, damit die Wunde trocken und sauber bleibt. Beim Verbandwechsel muss unbedingt darauf geachtet werden, dass mithilfe von Tupfern ausreichend Druck auf die Hornlücke ausgeübt wird, um die Granulation zu fördern.

Bei unkomplizierten Krankheitsverläufen ist die Verhornung binnen vier Wochen so weit fortgeschritten, dass kein weiterer Verband mehr nötig ist.

5 Literatur

  • A.Prof. Dr.med.vet. Buchner Florian. Orthopädie: Huferkrankungen Pferd.Klinik für Pferde, Pferdechirurgie. Veterinärmedizinische Universität Wien.
  • Lameness in the Extremities. In: Baxter GM. 2011. Lameness in horses. Sixth edition. Blackwell Publishing, Ltd. 475-833. ISBN: 978-0-8138-1549-7
  • Auer JA, Kümmerle JM. Section IXX Musculoskeletal System. In: Auer JA, Stick JA, Kümmerle JM. Equine Surgery. Fifth edition. Elsevier, Inc. 1220-1836. ISBN: 978-0-323-48420-6

Diese Seite wurde zuletzt am 23. Oktober 2020 um 15:47 Uhr bearbeitet.

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