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Phyllochinon

Synonyme: Vitamin K, antihämorrhagisches Vitamin

1 Definition

Phyllochinon (Vitamin K) ist ein fettlösliches Vitamin aus der chemischen Gruppe der Chinone. Die Bezeichnung Phyllochinon ist ein Sammelbegriff für zwei natürlich vorkommende und einige weitere synthetische Verbindungen mit Vitaminwirkung.

2 Struktur

Phyllochinone bestehen grundsätzlich aus einem 2-Methyl-1,4-Naphtochinon. Diese Substanz wird als Menadion bezeichnet, kommt jedoch natürlich nicht vor. Das in grünen Pflanzen vorkommende Phyllochinon (Vitamin K1) besitzt eine Phytylseitenkette. Das von Darmbakterien synthetisierte Menachinon (Vitamin K2) besitzt hingegen einen Difarnesylrest mit wechselnder Anzahl von Isopreneinheiten.

3 Vorkommen

Phyllochinon kommt praktisch in allen grünen Gemüsen vor. Reich an Vitamin K sind Spinat und Kohl. Darüberhinaus kann Menachinon von den Bakterien der Darmflora synthetisiert werden. Vitamin K3 bis K7 können zudem synthetisch hergestellt werden.

4 Resorption

Phyllochinon wird zu 15 bis 65% im oberen Duodenum resobiert. Da Phyllochinon fettlöslich ist, werden zur Resorption Gallensäuren als Emulgatoren benötigt. Daher ist es auch fraglich, wieviel des im Dickdarm von Bakterien hergestellten Menachinon resorbiert werden kann. Im Dünndarm resorbiertes Phyllochinon wird in Chylomikronen zur Leber transportiert. Phyllochinon wird in geringen Mengen in der Leber und in der Milz gespeichert.

5 Funktion

Phyllochinon ist für die Synthese der Gerinnungsfaktoren II, VII, IX und X (Merkhilfe: "1972") und der Gerinnungsregulatoren Protein C und Protein S essentiell. Es dient als Cofaktor für die Gamma-Glutamylcarboxylase, welche die Carboxylierung von Glutamatresten am γ-Kohlenstoffatom in oben genannten Gerinnungsfaktoren durchführt. Diese carboxylierten Glutamatreste dienen dann als Bindungsstelle für Calciumionen, wodurch der so entstandene Komplex an die Membranen binden kann. Ohne die Bindungsstelle für Calcium kann keine Aktivierung der Gerinnungsfaktoren stattfinden.

Die Gamma-Carboxylierung von Glutamylresten findet auch bei anderen Proteinen unter Beteiligung von Phyllochinon statt, z.B. bei Osteocalcin und beim Matrix-GLA-Protein.

6 Bedarf

Der Bedarf von Phyllochinon liegt bei etwa 65 µg für Frauen und 80 µg für Männer pro Tag.

Wegen der postnatal physiologischerweise begrenzten Vitamin-K-Speicher und des dadurch erhöhten Risikos für Blutungen (insbesondere intrakraniell) wird bei allen Neugeborenen in Deutschland eine Substitution durchgeführt (jeweils 2 mg p.o. zu den Vorsorgeuntersuchungen U1, U2 und U3).

7 Labormedizin

Die direkte Bestimmung von Phyllochinon aus dem Blut ist in der Regel nicht notwendig, da sich über Bestimmung des Quick-Werts (neu: INR) indirekt Aussagen über die Versorgung des Patienten mit Phyllochinon machen lassen. Dennoch kann bei spezifischen Fragestellungen eine labormedizinische Bestimmung des Vitamin-K-Spiegels erfolgen.

7.1 Material

Für die Untersuchung wird 1 ml Serum benötigt. Nach der Blutentnahme muss die Monovette lichtgeschützt (bspw. in Alufolie gewickelt) ins Labor transportiert werden.

7.2 Referenzbereich

Der Phyllochinonspiegel im Serum liegt normwertig zwischen 50 und 900 ng/l.

Der Referenzbereich ist methodenabhängig und sollte dem jeweiligen Befundausdruck entnommen werden.

8 Pathophysiologie

Ein nahrungsbedingter Mangel an Phyllochinon ist sehr selten, da es in der Nahrung in ausreichend hoher Menge vorkommt und zusätzlich durch die Darmflora bereitgestellt wird. Bei Therapie mit Cumarin-Derivaten, Obstruktionen der Gallenwege, langandauernder Antibiotikatherapie und gastrointestinalen Anomalien sind Mangelzustände möglich.

Symptome des Phyllochinon-Mangels sind:

Patienten unter Cumarin-Therapie können durch Verzehr großer Mengen Phyllochinon-haltiger Nahrung den Effekt ihrer Cumarin-Medikation stark beeinträchtigen. Vitamin K wird entsprechend bei Cumarin-Überdosierung als Gegenmittel verabreicht.

Überdosierungserscheinungen bei Gesunden sind nicht bekannt.

9 Literatur

  • Laborlexikon.de; abgerufen am 21.04.2021

Diese Seite wurde zuletzt am 21. April 2021 um 18:31 Uhr bearbeitet.

Gast
Es fehlen Osteocalcin und Matrix-Gla-Protein als Vitamin-K-abhängige Proteine
#1 am 16.03.2021 von Gast (Student/in der Humanmedizin)

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