Methodenabhängigkeit
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Englisch: method dependence
Definition
Als Methodenabhängigkeit wird der Umstand bezeichnet, dass bestimmte Laborparameter – bei Messung aus einer identischen Probe – ein unterschiedliches Ergebnis haben können, je nachdem, mit welcher Methode, welchem Reagenz oder Gerät die Untersuchung durchgeführt wird. Das entsprechende Adjektiv ist methodenabhängig.
Ursachen
Die Methodenabhängigkeit kann verschiedene Ursachen haben. Es können echte, technische Unterschiede in der Messmethode bestehen, häufig handelt es sich aber nur um eine fehlende Standardisierung. Dies tritt zum Beispiel auf, wenn ein Parameter von verschiedenen Diagnostika-Herstellern auf den Markt gebracht wurde und kein wirtschaftliches Interesse an einer Vereinheitlichung besteht.
Bei immunologischen Tests wie ELISAs sind methodenabhängige Ergebnisse ein bekanntes Phänomen. Hier ist die Ursache teilweise auf unterschiedliche Antikörper-Klone zurückzuführen, die für die Markierung des Analyten verwendet werden und eine unterschiedliche Spezifität und Affinität haben.
Eine Abweichung aufgrund von Methodenabhängigkeit liegt dagegen nicht vor, wenn Messergebnisse wegen einer nachlässigen Bezeichnung irrtümlich miteinander verglichen werden. Bei Troponin I und Troponin T oder BNP und NT-proBNP handelt es sich um unterschiedliche Messgrößen, die zwar in ihrer diagnostischen Aussage vergleichbar sein sollten, aber nicht in ihrer Massenkonzentration.
Beispiele
Die vermutlich bekanntesten Beispiele für Methodenabhängigkeit sind die Gerinnungsuntersuchungen Quick und PTT. Die von Labor zu Labor unterschiedlichen Quick-Werte führten zu Schwierigkeiten bei der Kontrolle von Patienten, die Vitamin K-Antagonisten einnehmen. Daraus folgte die Entwicklung der INR als „standardisiertem Quick“. Die INR vermindert die Reagenzabhängigkeit des Quick-Wertes erheblich, beseitigt sie jedoch nicht vollständig. Für zuverlässige Ergebnisse sind eine korrekte, für die jeweilige Kombination aus Thromboplastin und Messmethode gültige ISI-Kalibrierung sowie die Bestimmung der mittleren normalen Prothrombinzeit erforderlich; zwischen Laboren können weiterhin Abweichungen auftreten. [1] Bei therapeutischer Gabe von unfraktioniertem Heparin ist die starke Reagenz- und Methodenabhängigkeit der aPTT zu berücksichtigen. Ein pauschaler Zielwert von 1,5- bis 2-mal dem Normwert ist nicht für jede Messmethode übertragbar. Wird die aPTT verwendet, muss das Labor einen lokalen heparinspezifischen therapeutischen Bereich festlegen. Die Anti-Xa-Aktivität wird inzwischen als analytisch bevorzugtes Monitoringverfahren angesehen; für die meisten Indikationen wird ein Zielbereich von 0,30 bis 0,70 U/ml vorgeschlagen. [2]
Tumormarker sind ebenfalls größtenteils stark methodenabhängig. Dies kann dazu führen, dass der Wert scheinbar steigt oder fällt, nur weil die Blutproben im Verlauf der Behandlung in verschiedene Labore geschickt wurden. Aus diesem Grund sollte auf dem Laborbefund die verwendete Methode angegeben werden. Für aussagekräftige Verlaufskontrollen muss sichergestellt werden, dass die Messungen mit derselben Methode erfolgen.
Für das HbA1c gibt es eine Vielzahl von Messmethoden: HPLC, Kapillarzonenelektrophorese, Immunassays, Massenspektrometrie und enzymatische Messung, um nur die häufigsten zu nennen. Die unterschiedlichen HbA1c-Messmethoden sind heute über das IFCC-Referenzsystem und das NGSP weitgehend standardisiert; eingesetzt werden sollen zertifizierte, metrologisch rückführbare Methoden. Hämoglobinvarianten können dennoch abhängig vom jeweiligen Messprinzip zu falsch hohen oder falsch niedrigen Ergebnissen führen. Bei einem unplausiblen Resultat sollte nach Möglichkeit mit einem anderen analytischen Prinzip kontrolliert werden. Ein veränderter Erythrozytenumsatz verfälscht das HbA1c dagegen unabhängig von der Methode. Bei Personen ohne HbA, beispielsweise mit HbSS, HbCC oder HbEE, kann kein HbA1c angegeben werden; hier sind Glucosemessungen oder alternative Marker wie Fructosamin beziehungsweise glykiertes Albumin zu verwenden. [3]
Weitere Beispiele sind Serumkreatinin und MCV. Beim Serumkreatinin sind vor allem die Jaffé-Methode auf Basis der alkalischen Pikratreaktion und enzymatische Messmethoden verbreitet. Die Jaffé-Methode erfasst auch Nichtkreatinin-Chromogene, beispielsweise Glucose oder Acetoacetat, und ist daher störanfälliger. Enzymatische Messmethoden, zu denen auch Kreatinin-PAP-Assays gehören, sind im Allgemeinen spezifischer und sollten nach Möglichkeit bevorzugt werden; auch bei ihnen sind jedoch methodenspezifische Interferenzen möglich. [4] Das MCV kann durch Impedanzmessung, Durchflusszytometrie oder klassisch mittels einer Hämatokrit-Zentrifuge bestimmt werden. Alle Methoden haben unterschiedliche Einflussgrößen und unterschiedliche Ergebnisse.
Hintergrund
Ringversuche dienen der externen Qualitätssicherung und machen methodenabhängige Unterschiede zwischen Messmethoden sichtbar. Für zahlreiche in der Rili-BÄK aufgeführte Messgrößen ist die Teilnahme an jedem Standort verpflichtend, sofern die Untersuchung dort bereitgehalten wird; für quantitative Untersuchungen nach Teil B 1 erfolgt sie grundsätzlich quartalsweise. Die Ringversuche werden von anerkannten Referenzinstitutionen angeboten und ausgewertet. Sofern kein Referenzmethodenwert verfügbar oder vorgesehen ist, können messmethodenspezifische Sollwerte als robuster Mittelwert oder Median der jeweiligen Teilnehmerkollektive ermittelt werden. [5] Bei der Auswertung werden so genannte Youden-Diagramme angelegt, auf denen die mit verschiedenen Methoden ermittelten Ergebnisse als einzelne Punktwolken sichtbar sind.
In diesem Beispiel könnte, abhängig vom Testkit, für die Probe B ein Wert von 80 oder 450 U/ml gefunden werden. Beide Ergebnisse wären messtechnisch korrekt. Für einen Patienten könnte der Unterschied im Einzelfall dagegen gravierend sein.
Quellen
- ↑ van den Besselaar et al., Defining a metrologically traceable and sustainable calibration hierarchy of international normalized ratio for monitoring of vitamin K antagonist treatment in accordance with ISO 17511:2020, Journal of Thrombosis and Haemostasis, 2024
- ↑ Gouin-Thibault et al., How to monitor and manage unfractionated heparin in practice (Part 1)? Guidance from the SSC of the ISTH, Journal of Thrombosis and Haemostasis, 2026
- ↑ Sacks et al., Guidelines and Recommendations for Laboratory Analysis in the Diagnosis and Management of Diabetes Mellitus, Diabetes Care, 2023
- ↑ KDIGO 2024 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease, abgerufen am 20.08.2026
- ↑ Richtlinie der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen (Rili-BÄK), abgerufen am 20.08.2026