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Periphere Venenpunktion

Synonym: "venösen Zugang legen"
Englisch: venous puncture

1 Definition

Als periphere Venenpunktion bezeichnet man den Einstich (Punktion) in eine periphere Körpervene. Sie kann zur Blutentnahme oder zur Verabreichung von Infusionen bzw. Arzneimitteln über eine Kanüle oder einen peripheren Venenkatheter erfolgen.

2 Prinzip

Zunächst wird mit einem Stauschlauch das Blut in den peripheren Venen gestaut. Hierauf wird eine periphere Vene aufgesucht und an der geplanten Einstichstelle eine Hautdesinfektion mit einem Alkoholtupfer durchgeführt.

2.1 Blutentnahme

Bei der Blutentnahme (BE) wird die Vene mit einer sterilen Kanüle die Vene punktiert. Auf diese werden dann Blutentnahmeröhrchen aufgesetzt. Je nach verwendetem System sorgt der Unterdruck durch Aspiration beim Zurückziehen des Kolbens oder ein vorbestehendes Vakuum dafür, dass das Blut in die aufgesteckten Blutentnahmeröhrchen fließt.

Nach der Blutentnahme wird zunächst die Stauung des Armes gelöst, dann die Kanüle zurückgezogen und die Punktionsstelle mit einem Pflaster oder einem Tupfer versehen. Hier sollte je nach Gerinnungsstatus des Patienten kürzer oder länger ein gewisser Druck auf die Punktionsstelle erfolgen, da es sonst zu Hämatomen, Schwellungen und Schmerzen im Verlauf der nächsten Tage kommen kann.

Achtung: Im Video wird das Hautdesinfektionsspray vor dem Punktieren nicht lange genug einwirken gelassen, sondern direkt wieder abgewischt. Bitte beachte, dass Hautdesinfektionssprays je nach Hersteller verschiedene Einwirkzeiten haben, die eingehalten werden sollen.

2.2 Peripherer Venenkatheter

Hier kommt für die eigentliche Punktion ein peripherer Venenkatheter (Braunüle) zum Einsatz - dieser besteht aus einer Stahl-Kanüle (Mandrin) und einem umgebenden Katheter aus Kunststoff (Teflon). Der Einstich durch die Haut und in das Lumen der Vene hinein erfolgt mit der Stahlkanüle. Wurde das Gefäß erfolgreich getroffen, wird die Stahlkanüle zurückgezogen und der Kunststoffkatheter über die Punktionsnadel langsam in das Lumen der punktierten Vene vorgeschoben. Die erfolgreiche Punktion ist daran erkennbar, dass sich das transparente Ende der Braunüle mit Blut füllt.

Damit der periphervenöse Zugang nicht aus der Vene herausrutschen kann wird er mit Pflastern befestigt. Um zu prüfen, ob er richtig "liegt", kann er mit Kochsalzlösung (NaCl) angespült werden sowie eine Vorlauf- und Rücklaufprobe erfolgen. Nach der peripheren Venenpunktion wird die Stahlkanüle in einem Kanülensammler entsorgt.

Ein peripherer Venenzugang ist in erster Linie zur Verabreichung von Infusionen und Arzneimitteln konzipiert. Eine Blutentnahme aus einem peripheren Venenkatheter ist ebenfalls problemlos möglich. Bei bereits länger liegendem peripherem Venenkather gilt die Blutentnahme jedoch als problematisch. Auch wenn ohne weiteres Flüssigkeit durch den peripheren Venenkatheter injiziert werden kann, können jedoch Blutuntersuchungen evtl. durch Blutbestandteile sowie Verdünnungseffekte durch zuvor verabreichte Infusionen verfälscht werden.

3 Wahl der Punktionsstelle

Bei der Wahl der zu punktierenden Vene gilt: In der Regel wird eine oberflächlich verlaufende Vene der Ellenbeuge, des Handrückens oder des Unterarms punktiert:

Grundsätzlich sagt man, dass der erste Versuch auf der nicht-dominanten Körperseite und so distal wie möglich erfolgen sollte.

Falls die Punktion der oberen Extremität (Arme) nicht möglich ist, können prinzipiell auch alle anderen oberflächlich verlaufenden Venen punktiert werden. Es sollte zunächst eine periphere Vene der unteren Extremitäten (Beine) gewählt werden (z.B. die Vena saphena magna).

Bei instabilem Kreislauf (Notfall, Reanimation) sollte die Punktionsstelle körperstammnah sein (z.B. Vena jugularis externa), damit ein Katheter ausreichender Größe verwendet werden kann (so dass darüber eine größere Menge an Infusionslösung zur Volumensubstitution gegeben werden kann). Alternativ kann ein zentraler Venenkatheter (ZVK) verwendet werden.

4 Personal

Das Legen eines peripheren Venenkatheters wird in der Regel von einem Arzt oder Medizinstudenten (Famulant, PJler) durchgeführt. Der Arzt kann die periphere Venenpunktion aber auch an Fachpersonal wie Krankenschwester/Krankenpfleger, Hebamme, Rettungsassistent, Notfallsanitäter etc. delegieren. Unter bestimmten Voraussetzungen dürfen diese auch selbstständig tätig werden.

5 Tipps & Tricks

Hier jetzt noch ein paar gute Tipps, insbesondere für Anfänger:

  • Wenn nicht sofort eine passende Vene gefunden wird, lohnt es sich, gründlich beide Arme systematisch (auch die dorsale Seite) abzusuchen, natürlich gestaut. Oft findet man dann ein geeignetes Blutgefäß. Notfalls auch noch die Füße bzw. den Unterschenkel inspizieren.
  • Nicht auf oberflächliche Besenreiservenen reinfallen. Nur Venen punktieren, die deutlich elastisch zu tasten sind.
  • Nicht stehend mit gebeugtem Rücken punktieren. Wenn der Behandler bequem sitzt und auch der Arm des Punktierten ruhig auf einer Armstütze oder dem Bett aufliegt, sind die Punktionen erfolgreicher.
  • Je tiefer der Arm liegt, desto voller die Venen.
  • Nach einer Venenpunktion muss der Körper die erstandene Verletzung der Vene reparieren. Es bildet sich ein Thrombus. Thromben können kleinere Venen für einige Tage vollständig verlegen. Die Punktion einer solchen Vene ist oft schmerzhaft und erfolglos.
  • Beim Zustechen den Patienten mit Reden oder Fragen ablenken.
  • In der Haut sind viele Schmerzrezeptoren, daher sollte diese zügig durchstochen werden.
  • Bei kleinen Venen punktiert die Nadel häufig auch die gegenüberliegende Venenwand. Dann einfach die Nadel ganz langsam zurückziehen, bis die Nadelspitze in der Vene liegt und das Blut anfängt, zu fließen. Eventuell jetzt die Nadel (oder das Braunülenröhrchen) jetzt noch weiter vorschieben. Dabei sollte man den Mandrin mit der Spitze ein Stückchen in das Plastikröhrchen zurückziehen, um die Venenwand nicht weiter zu verletzen.
  • Bei Kindern oder hochempfindlichen Patienten kann 15 Minuten vor dem Stechen eine Salbe mit einem Lokalanästhetikum über 1-3 Venen aufgestrichen werden.

Falls keine Vene gefunden wird:

  • Die Staubinde stärker anziehen. Das ist etwas unangenehm für den Patienten, führt aber oft zum Ziel.
  • In die Ellenbeuge oder auf den Handrücken klopfen oder reiben. Dadurch wird in der Haut Histamin freigesetzt (Rötung), und die Venen werden erweitert.
  • Bei Patienten mit bekannt problematischen Venen kann lokale Wärme Wunder wirken: feuchtwarme Kompressen oder ein kleines Mikrowellenkissen bereithalten.
  • Rollvenen am Unterarm können durch Anspannen der Haut auf der gegenüberliegenen Armseite fixiert werden.
  • Wenn es gar nicht geht, den Patienten etwas trinken lassen und es nach einigen Minuten erneut versuchen.

Spätestens nach dem dritten Fehlversuch sollte wenn möglich eine andere Person die Punktion fortsetzen.

6 HowTo-Video

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