Ofatumumab
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LoslegenHandelsname: Kesimpta®
Synonym: Anti-CD20-mAb
Englisch: ofatumumab
Definition
Ofatumumab ist ein vollständig humaner monoklonaler Antikörper der Klasse IgG1, der gegen das Oberflächenprotein CD20 auf B-Lymphozyten gerichtet ist. Er wird zur Behandlung der aktiven schubförmigen Multiplen Sklerose (Relapsing Multiple Sclerosis, RMS) bei Erwachsenen eingesetzt.
Wirkmechanismus
Ofatumumab bindet spezifisch an CD20 auf der Zellmembran von B-Lymphozyten, unabhängig davon, ob die Zellen das Zielprotein stark oder schwach exprimieren. Die Bindung löst überwiegend eine komplementabhängige Zytolyse aus. In geringerem Ausmaß trägt auch die antikörperabhängige zellvermittelte Zytotoxizität zur Lyse der B-Zellen bei. Nach subkutaner Injektion wird Ofatumumab verzögert aus dem Gewebe freigesetzt und resorbiert, sodass eine graduelle Interaktion mit den B-Zellen ermöglicht wird. Ofatumumab wirkt auch bei Zellen, die gegen Rituximab resistent sind.
Pharmakokinetik
Nach subkutaner Gabe wird Ofatumumab verzögert freigesetzt und überwiegend über das Lymphsystem resorbiert. Die maximale Plasmakonzentration wird nach etwa 4 Tagen erreicht. Der Abbau erfolgt proteolytisch zu Peptiden und Aminosäuren. Die Halbwertszeit im Steady State beträgt unter der monatlichen Erhaltungsdosis etwa 11 Tage. Da die Clearance mit der Behandlungsdauer abnimmt, zeigt Ofatumumab eine nichtlineare Pharmakokinetik. Eine Dosisanpassung bei Nieren- oder Leberfunktionsstörung ist nicht erforderlich.
Indikationen
- aktive schubförmige Multiple Sklerose bei Erwachsenen
Darreichungsform
Bei MS wird Ofatumumab als subkutane Injektion mittels Fertigspritze oder Fertigpen appliziert. Die erste Injektion erfolgt unter Anleitung von medizinischem Fachpersonal, danach kann der Patient sich das Medikament nach entsprechender Schulung selbst verabreichen.
Vorsichtsmaßnahmen
Vor Therapiebeginn wird der Immunstatus des Patienten bestimmt, da Ofatumumab aufgrund seiner immunsuppressiven Wirkung das Infektionsrisiko erhöhen kann.
Unter CD20-Antikörpern wie Ofatumumab wurden – vor allem unter höheren Dosen in onkologischen Anwendungsgebieten – Infektionen mit dem John-Cunningham-Virus (JCV) beobachtet, die zu einer progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML) führten. Bei klinischem oder MRT-Verdacht auf eine PML muss die Behandlung unterbrochen werden, bis diese ausgeschlossen ist.
Bei Patienten, die mit Ofatumumab behandelt werden, kann es zum Ausbruch oder zur Reaktivierung von HBV-Infektionen kommen, die in Einzelfällen zu einer fulminant verlaufenden Hepatitis mit tödlichem Leberversagen führt. Vor Therapiebeginn ist daher eine Testung auf Hepatitis-B-Oberflächenantigen (HBsAg) und Hepatitis-B-Kernantikörper (anti-HBc) empfohlen. Patienten mit aktiver Hepatitis B dürfen nicht mit Ofatumumab behandelt werden.
Dosierung
Die empfohlene Dosis beträgt 20 mg Ofatumumab subkutan, verteilt auf Initialdosen in den Wochen 0, 1 und 2, gefolgt von monatlichen Erhaltungsdosen ab Woche 4. Eine ausgelassene Injektion sollte so bald wie möglich nachgeholt werden, ohne bis zur nächsten regulären Gabe zu warten.
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Nebenwirkungen
Im Vordergrund steht die Gefahr von Infektionen, die durch die immunsuppressive Wirkung von Ofatumumab begünstigt werden. Am häufigsten berichtet werden:
- Infektionen der oberen Atemwege
- Systemische injektionsbedingte Reaktionen
- Harnwegsinfektionen
- Lokalreaktionen an der Injektionsstelle
Weitere mögliche Nebenwirkungen sind:
- Oraler Herpes
- Nausea, Erbrechen
- Erhöhte Leberenzyme
- Erniedrigtes Immunglobulin M im Blut
- Überempfindlichkeitsreaktionen
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegen Ofatumumab
- Stark immungeschwächte Patienten
- Schwere aktive Infektion, bis diese abgeklungen ist
- Bekannte aktive maligne Erkrankung
Schwangerschaft und Stillzeit
Frauen im gebärfähigen Alter wird während der Behandlung und bis 2 Monate nach der letzten Gabe eine zuverlässige Verhütungsmethode empfohlen. Zur Anwendung von Ofatumumab in der Schwangerschaft liegen bislang (2026) nur begrenzte Erfahrungen vor. In tierexperimentellen Studien passierte Ofatumumab die Plazentaschranke und führte zu einer fetalen B-Zell-Depletion, ohne dass eine Teratogenität beobachtet wurde. Die Anwendung wird in der Schwangerschaft vermieden, sofern der Nutzen für die Mutter das potenzielle Risiko für den Fötus nicht überwiegt.
Zur Anwendung in der Stillzeit liegen ebenfalls nur begrenzte Daten vor. In einer Beobachtungsstudie war die Konzentration von Ofatumumab in der Muttermilch niedrig, die B-Zell-Werte der untersuchten Säuglinge lagen im Normbereich. Mehrere über die Muttermilch exponierte Säuglinge erhielten Lebendimpfstoffe ohne Komplikationen. Ein Risiko für das gestillte Kind in den ersten Tagen nach der Geburt kann dennoch nicht vollständig ausgeschlossen werden; danach kann Ofatumumab bei klinischer Notwendigkeit während der Stillzeit angewendet werden.
Verschreibungspflicht
Ofatumumab ist in Deutschland verschreibungspflichtig.
Zulassung
Unter dem Handelsnamen Arzerra® war Ofatumumab als intravenöse Infusion zusätzlich zur Behandlung der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) zugelassen. Die EU-Zulassung für Arzerra® wurde am 28.02.2019 auf Antrag des Herstellers widerrufen. Das Präparat ist in der EU nicht mehr im Handel. Die subkutane Darreichungsform (Kesimpta®) wurde für onkologische Anwendungsgebiete nicht untersucht und darf dort nicht eingesetzt werden.
Quellen
- Kesimpta Fachinformation, abgerufen am 09.07.2026
- https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Ofatumumab_50884, abgerufen am 9.01.2024
- Arzerra: Withdrawal of the marketing authorisation in the European Union, EMA, abgerufen am 09.07.2026