Odynophagie
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LoslegenSynonym: schmerzhaftes Schlucken
Englisch: odynophagia
Definition
Als Odynophagie bezeichnet man das schmerzhafte Schlucken von fester Nahrung, Flüssigkeit oder Speichel. Der Schmerz wird typischerweise retrosternal oder im Rachenbereich empfunden. Er kann von leichtem Unbehagen bis zu stärksten, bewegungsabhängigen Beschwerden reichen.
Hintergrund
Ätiologie
Die Odynophagie ist Ausdruck einer Reizung, Entzündung oder Schädigung der Schleimhaut von Mundhöhle, Pharynx oder Ösophagus. Häufige Ursachen lassen sich nach ihrem Mechanismus einteilen:
| Kategorie | Beispiele |
|---|---|
| Entzündlich/infektiös | Refluxösophagitis, infektiöse Ösophagitis (Candida, Herpes-simplex-Virus, Zytomegalievirus), Eosinophile Ösophagitis, Pharyngitis, Tonsillitis, Soor |
| Toxisch/traumatisch | Ösophagusverätzungen, Verbrühungen, Fremdkörper, medikamenteninduzierte Ulzera (z.B. durch Doxycyclin, Bisphosphonate, Kaliumchlorid) |
| Strahlenbedingt | Radiotherapie im Kopf-Hals- oder Thoraxbereich |
| Neoplastisch | Ösophaguskarzinom, Tumoren der Epiglottis und der aryepiglottischen Falte |
| Weitere | Morbus Crohn mit ösophagealer Ulzeration, Tollwut (schmerzhafte Schlundkrämpfe) |
Ein erhöhtes Risiko besteht bei Immunsuppression, da hier infektiöse Ösophagitiden gehäuft auftreten.[1]
Klinik
Leitsymptom ist der beim Schluckakt auftretende Schmerz. Begleitend können Dysphagie, Hypersalivation, Gewichtsverlust durch verminderte Nahrungsaufnahme sowie – bei infektiöser Genese – Fieber auftreten. Systemische oder lokale Zeichen wie oraler Soor oder herpetische Läsionen können auf die Ursache hinweisen.
Diagnostik
Die Abklärung richtet sich nach der vermuteten Ursache und umfasst:
- Anamnese: Schmerzcharakter, Lokalisation, Auslöser (feste vs. flüssige Nahrung), Medikamenteneinnahme, Immunstatus
- klinische Untersuchung mit Inspektion von Mund und Rachen
- Ösophagogastroduodenoskopie (ÖGD) mit Biopsie bei Verdacht auf eine ösophageale Ursache
- bei Verätzung ggf. notfallmäßige Endoskopie zur Beurteilung der Schleimhautschädigung
- ergänzend Breischluck, Labordiagnostik oder mikrobiologische Untersuchungen
Therapie
Die Behandlung erfolgt kausal entsprechend der Grunderkrankung, z.B.:
- Protonenpumpeninhibitoren bei Refluxösophagitis
- Antimykotika bzw. Aciclovir bei infektiöser Ösophagitis
- Absetzen bzw. Umstellung auslösender Medikamente bei Pill-Ösophagitis
- onkologische Therapie bei Tumoren
Symptomatisch können Analgetika, ggf. topische Lokalanästhetika sowie eine angepasste Ernährung (weiche, nicht reizende Kost) eingesetzt werden.
Quelle
- ↑ 1,0 1,1 Wilkinson JM et al. Dysphagia: evaluation and collaborative management. Am Fam Physician. 2021;103(2):97-106.
Literatur
- Herold G et al. Innere Medizin. Eigenverlag; aktuelle Auflage.