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Haemonchus contortus

Synonym: Roter Magenwurm, Gedrehter Magenwurm
Englisch: barber's pole worm

1 Definition

Haemonchus contortus ist ein Parasit aus der Familie Trichostrongylidae.

2 Taxonomie

3 Erreger

Haemonchus contortus ist ein rötlich-braun gefärbter Parasit mit einer kleinen Mundkapsel und einem starken Zahn. Im Bereich des Ösophagus ist ein Paar großer und nach kaudal gerichteter Papillen ausgebildet. Die Synlophe ist auf den vorderen Abschnitt des Nematoden beschränkt und mit rund 30 Graten ausgestattet.

Die Männchen messen zwischen 18 und 21 mm. Die Bursa ist mit asymmetrischen Dorsallappen versehen. Die Spicula sind 490 bis 540 µm lang, schlank und mit einem Endhaken versehen. Die Weibchen sind zwischen 20 und 30 mm lang, ihre weißlichen Geschlechtsorgane sind spiralig um den roten Darm gewunden, wobei ihre Vulva im hinteren Körperbereich liegt.

Haemonchus contortus ist der Erreger der Haemonchose und parasitiert bevorzugt im Labmagen von Schafen und Ziegen, selten auch beim Rind.

4 Entwicklung

Haemonchus contortus hat einen zweigeteilten Entwicklungszyklus. Man unterscheidet zwischen einer externen und einer internen Phase.

Die externe Phase beginnt mit der Ausscheidung der Eier mit dem Kot des Wirtes. Die Eier entwickeln sich in der Umwelt zu frei lebenden, infektiösen Drittlarven (L3), die durch neue Wirte peroral (z.B. beim Grasen) aufgenommen werden müssen. Die Parasiten gelangen in den Magen-Darm-Trakt, worauf sie ihre interne Entwicklungsphase durchlaufen können. Dabei werden die Eier durch bestimmte Signale im Labmagen zur Ausscheidung von Enzymen angeregt. Mithilfe der Enzyme und unter starken Bewegungen können die Larven aus ihrer Hülle schlüpfen. Als entscheidete Larven dringen sie dann in die Drüsen des Labmagens ein, um sich anschließend in der Mukusschicht der Mukosaoberfläche nieder zu lassen. Dort durchlaufen sie ihre letzte Häutung zum Viertstadium (L4) und erlangen Geschlechtsreife.

Die Präpatenz beträgt rund 18 Tage.

5 Pathogenese

Haemonchus contortus führt in der histotropen Phase der Entwicklung zu geringen Verdauungsstörungen. Es kann zu Veränderungen der Permeabilität, Sekretion und Motorik des Labmagens kommen. Die Schleimhaut erscheint hyperämisch, ödematös und ist mit weißlichen Flecken oder Knötchen übersäht. Die Öffnungen der Labmagendrüsen sind trichterförmig erweitert und das Epithel schuppt ab (Desquamation).

Es kommt zu einer Infiltration der Schleimhaut mit eosinophilen Granulozyten, Leukozyten, Plasma- und Mastzellen, die nach etwa 3 Wochen p.i. wieder abnimmt. Die Schleimproduktion ist stark gesteigert. Da allmählich Belegzellen zugrunde gehen, steigt der pH-Wert im Labmagen an, worauf es zu einem Anstieg der Na+- und CO3--Konzentration kommt. Gleichzeitig sinkt die Konzentration an K+ und Cl- und es kommt aufgrund der erhöhten elektrischen Potenzialdifferenz zu einer veränderten Permeabilität.

Durch den steigenden pH-Wert und das gleichzeitigen Absinken des pO2 im Labmagen nimmt die Zahl sauerstoffempfindlicher Bakterien um einige Zehnerpotenzen ab, worauf die Mikroflora des Labmagens schließlich der Flora der Vormägen ähnelt. Der duodenale Chymusdurchfluss wird erhöht, während die Wasserausscheidung im Kot vermindert ist. Im Blut kommt es zu einem Anstieg des Pepsinogen- und Gastrinspiegels.

Da jeder Wurm ca. 50 µl Blut pro Tag aufnimmt, kommt es etwa um den 10. Tag p.i. zu einer normozytären, hypochromen Anämie mit deutlich gesteigerter Erythropoese. Durch den abomasalen Blutverlust entwickelt sich ebenfalls eine Leukopenie  bzw. Lymphopenie. Gleichzeitig kommt es zu einer Hypalbuminämie.

6 Klinik

Die Haemonchose tritt bei Weidelämmern ab Juli auf und macht sich vor allem durch die chronische Anämie bemerkbar. Die Lämmer sind weniger lebhaft, leicht ermüdbar, zeigen Inappetenz und bleiben im Wachstum deutlich zurück. In einigen Fällen kommt es zum Ikterus, einer erschwerten Atmung und zu Ödemen im Kehlgang, am Triel und an der Unterbrust. Der Kot ist meist normal geformt aber dunkel bis schwarz gefärbt.

7 Diagnose

Eine Infektion mit Haemonchus contortus wird anhand der Anamnese, des klinischen Bildes und mithilfe koproskopischer Untersuchungen (Flotationsverfahren) gestellt.

8 Literatur

  • Schnieder, Thomas (Herausgeber), Boch, Josef, Supperer, Rudolf (Begründer). Veterinärmedizinische Parasitologie. 6., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Parey-Verlag, 2005.
  • Eckert, Johannes, Friedhoff, Karl Theodor, Zahner, Horst, Deplazes, Peter. Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Enke-Verlag, 2008.

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