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Colidiarrhö (Schwein)

Synonyme: Coliruhr, Escherichia-coli-Infektion

1 Definition

Als Colidiarrhö oder Coliruhr bezeichnet man eine durch Escherichia coli verursachte Infektionskrankheit der Schweine.

2 Erreger

Escherichia coli ist ein gerades, motiles oder amotiles, teilweise peritrich begeißeltes und teilweise kapselbildendes, gram-negatives Stäbchenbakterium (2 bis 6 x 1 bis 1,5 µm). Escherichia coli kommt kommensalisch im Intestinaltrakt vor und gehört zur physiologischen Darmflora der meisten Säugetiere (bis zu 1010 KbE/g Kot).

Die pathogenen Stämme werden in unterschiedliche Pathovare eingeteilt und anhand ihrer pathologischen Veränderungen benannt. In der Veterinärmedizin unterscheidet man folgende Schweine-relevanten Pathovare:

  • ETEC (Enterotoxische Escherichia coli)
  • EPEC (Enteropathogene Escherichia coli)
  • EDEC (Edema Disease Escherichia coli)
  • UPEC (Uropathogene Escherichia coli)

3 Ätiologie

Die Colidiarrhö wird durch enterotoxische Escherichia coli (ETEC) ausgelöst. In den meisten Fällen handelt es sich um folgende pathogene Serotypen: O138, O139, O141, O147, O149 und O159.

4 Epidemiologie

Die Colidiarrhö tritt vor allem bei Saugferkeln (ab dem 1. und 2. Lebenstag) sowie bei Absatzferkeln (4. bis 10. Lebenswoche) auf.

5 Pathogenese

Die Ferkel infizieren sich, indem sie die Erreger oral aufnehmen oder diese über den Nabel in den Blutkreislauf gelangen. Eine Infektion findet hauptsächlich durch kotbedeckte Liegeflächen, verschmutzte Tränken oder durch eitriger Vaginalfluor von an Endometritiden erkrankten Muttersauen statt.

Nach der Infektion heften sich die Bakterien an der Dünndarmschleimhaut an und produzieren - abhängig der Virulenzfaktoren (z.B. F4, F5, F6 oder F41) - Enterotoxine. Es kommt zu einer gesteigerten Sekretion bei erhaltener Resorption, wobei keine Zerstörung der Schleimhaut stattfindet. Aufgrund der gesteigerten Sekretion (Sekretion > Resorption) kommt es zu einer sekretorischen Diarrhö.

6 Klinik

Der Zeitpunkt einer klinisch manifesten Colidiarrhö hängt stark von der zuvor aufgenommenen Kolostrummenge und den darin enthaltenen Antikörpern ab.

Bei einer ungenügenden Kolostrumversorgung der Saugferkeln setzt bereits einige Stunden nach der Geburt übelriechender, wässrig-gelber Durchfall ein. Erkrankte Tiere zeigen vermehrt Apathie und Inappetenz, magern ab und sind exsikkotisch.

Sind zusätzlich andere Colitoxine beteiligt (Mischinfektion mehrerer Pathovare), kommt es gleichzeitig zum Auftreten einer Colisepsis (STEC) oder einer Ödemkrankheit (EDEC).

7 Diagnose

Die Diagnose wird anhand der Anamnese und der Klinik (wässrig-übelriechender Durchfall, Alter der betroffenen Ferkel) gestellt. Durch eine zusätzliche bakteriologische Untersuchung des Kotes (Kottupfer) ist der Erreger zu isolieren (Bakterienkultur oder PCR), eine Pathovarbestimmung durchzuführen und ein Antibiogramm anzufertigen.

Alternativ können frisch verendete Tiere seziert und bakteriologisch untersucht werden.

8 Differenzialdiagnosen

9 Therapie

Sind nur einzelne Tiere betroffen, muss dennoch der gesamte Wurf (nach angefertigtem Antibiogramm) antibiotisch behandelt werden. Flüssigkeit und Elektrolyte können bei Bedarf substituiert werden.

10 Prophylaxe

Prophylaktisch muss auf eine ausreichende Kolostrumversorgung und streng eingehaltene Hygienemaßnahmen geachtet werden. Zusätzlich empfiehlt es sich, betroffene Betriebe durch eine Kombinationsimpfung (Clostridium perfringens und Escherichia coli) der Muttersauen zu unterstützen.

11 Literatur

  • Skript Erkrankungen des Magen/Darmtraktes. Universitätsklinik für Schweine, Veterinärmedizinische Universität Wien.
  • VO-Unterlagen, Schwarz, Lukas. Magen-Darmerkrankungen beim Schwein. Universitätsklinik für Schweine, WS 2017/2018.
  • Mayr, Anton, Rolle, Michael. Medizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre. 8., überarbeitete Auflage. Enke-Verlag, 2007.
  • VO-Unterlagen, Krankheiten der Harn- und Verdauungsorgane sowie Stoffwechselkrankheiten: Diagnose, Therpaie und begleitende Maßnahmen. Institut für Mikrobiologie, Veterinärmedizinische Universität Wien, SS 2018.

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