Ceratopogonidae
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Loslegenvon altgriechisch: κέρας ("keras") - Horn; πώγων ("pogon") - Bart
Synonyme: Gnitzen, Bartmücken
Englisch: biting midges
Definition
Die Ceratopogonidae sind eine Familie sehr kleiner Mücken innerhalb der Ordnung der Diptera (Zweiflügler). Die Weibchen einiger Gattungen saugen Blut an Wirbeltieren. Insbesondere die Gattung Culicoides ist als Vektor zahlreicher tier- und humanpathogener Erreger von großer veterinärmedizinischer Bedeutung.[1]
Taxonomie
- Stamm: Arthropoda (Gliederfüßer)
- Unterstamm: Hexapoda (Sechsfüßer)
- Klasse: Insecta (Insekten)
- Unterklasse: Pterygota (Fluginsekten)
- Überordnung: Neoptera (Neuflügler)
- Ordnung: Diptera (Zweiflügler)
- Unterordnung: Nematocera (Mücken)
- Infraordnung: Culicomorpha
- Überfamilie: Chironomoidea
- Familie: Ceratopogonidae
- Überfamilie: Chironomoidea
- Infraordnung: Culicomorpha
- Unterordnung: Nematocera (Mücken)
- Ordnung: Diptera (Zweiflügler)
- Überordnung: Neoptera (Neuflügler)
- Unterklasse: Pterygota (Fluginsekten)
- Klasse: Insecta (Insekten)
- Unterstamm: Hexapoda (Sechsfüßer)
Die Unterordnung Nematocera gilt phylogenetisch als paraphyletisch, wird aber weiterhin als praktische Einteilung verwendet.
Morphologie
Ceratopogonidae sind sehr kleine Mücken mit einer Körperlänge von 1 bis 4 mm. Culicoides-Arten messen meist nur 1 bis 2,5 mm.[1] Ihr Thorax ist buckelartig aufgewölbt. Die Flügel sind behaart und bei Culicoides meist hell-dunkel gefleckt. Die 12- bis 15-gliedrigen Antennen (Fühler) sind beim Männchen büschelartig behaart.
Vertreter
Die Familie Ceratopogonidae umfasst rund 100 Gattungen mit über 5.500 Arten. Nur 4 Gattungen saugen Blut an Wirbeltieren. Medizinisch am bedeutendsten sind:[1]
- Culicoides: mit rund 1.400 Arten die weitaus umfangreichste und wichtigste Gattung, nahezu weltweit verbreitet und Vektor zahlreicher Erreger
- Leptoconops: v.a. in den Tropen und Subtropen als Lästling von Bedeutung, nicht als Krankheitsüberträger bekannt
Entwicklung
Culicoides-Arten brüten bevorzugt an feuchten bis schlammigen Plätzen, z.B. in feuchtem Boden, an Gewässerrändern oder in Mist. Die Eier werden in Gelegen an diesen Stellen abgelegt. Die geschlüpften Larven halten sich im Schlamm oder in verrottendem organischem Material auf.[2]
Die Mücken durchlaufen vier Larvenstadien, die sich teils räuberisch, teils von organischem Material und Mikroorganismen ernähren, bis sie die wenig bewegliche Puppe ausbilden. Nach wenigen Tagen schlüpft aus dieser die adulte Gnitze.[2] Die Adulten leben meist wenige Wochen.
Vorkommen
Die Gattung Culicoides kommt nahezu weltweit vor und ist in fast allen Klimazonen bis in Hochgebirgslagen verbreitet. Die Entwicklungsdauer hängt stark von Temperatur und regionalen Verhältnissen ab. In gemäßigten Klimazonen entstehen je nach Art und Witterung eine bis mehrere Generationen pro Jahr.
Epidemiologie
In Mitteleuropa sind die Mücken besonders zwischen April und November aktiv, mit einem Aktivitätsmaximum von Juli bis September. Einzelne Arten bleiben in Stallungen auch in den kälteren Monaten aktiv. Die Weibchen nehmen in Intervallen von 3 bis 5 Tagen Blut auf. Die Stechaktivität ist in der Dämmerung am höchsten.
Klinik
Ceratopogonidae können regional in hohem Maß belästigend sein. Als sogenannte "pool feeder" führen ihre Stiche zu heftigen, stark juckenden und entzündlichen Reaktionen mit Bläschenbildung. Rinder werden bevorzugt im Rücken- und Bauchbereich sowie an den Gliedmaßen angeflogen, Pferde hingegen dorsal vom Nacken bis zum Schweifansatz sowie je nach Culicoides-Art auch ventral.
Ein Culicoides-Befall kann zu ernsthaften allergischen Reaktionen gegen Speichelallergene führen (Typ-I- und Typ-IV-Reaktion). Das ursprünglich bei Pferden als Sommerekzem beschriebene klinische Bild betrifft auch andere Tierarten. Beim Pferd äußert sich die Allergie als stark juckende Dermatitis mit Papeln, Krusten und Alopezie, v.a. an Mähne, Schweifrübe und Bauchnaht. An den Tieren sind oft heftige Scheuerspuren als Reaktion auf den Juckreiz sichtbar.
Prävention
Bei Pferden können prophylaktisch Repellenzien (z.B. Pyrethroidlösungen) eingesetzt werden. Ergänzend helfen Ekzemerdecken, engmaschige Insektenschutznetze und das Aufstallen in der Dämmerung. Beim Rind können Permethrin-haltige Ohrclips verwendet werden. Gegen mehrere von Culicoides übertragene Viruserkrankungen (z.B. Blauzungenkrankheit) stehen Impfstoffe zur Verfügung.
Vektorfunktion
Culicoides-Arten übertragen verschiedene Erreger: v.a. Viren, Protozoen und Nematoden (Filarien).[1][2]
| Erregergruppe | Erreger | Wirte | Vorkommen |
|---|---|---|---|
| Orthobunyaviren (Simbu-Serogruppe) | Akabane-Virus | Rind u.a. Wiederkäuer (teratogene Effekte) | Asien, Australien, Afrika, Naher Osten |
| Schmallenberg-Virus | Wiederkäuer (teratogene Effekte) | Europa (seit 2011) | |
| Shamonda-Virus | Wiederkäuer, Pferd | Afrika, Japan, Europa (seit 2026) | |
| Oropouche-Virus | Mensch | Mittel- und Südamerika, Karibik | |
| Orbiviren | Blue-Tongue-Virus | Schaf, Rind, Ziege | weltweit (in Europa u.a. Serotyp 3 seit 2023) |
| African horse sickness virus | Pferd | Afrika (sporadisch Mittelmeerraum) | |
| Epizootic hemorrhagic disease virus | Cerviden, Rind | Nordamerika, Afrika, Asien, Europa (seit 2022) | |
| Haemosporida | Hepatocystis spp. | Affen, Fledermäuse | Afrika, Asien |
| Haemoproteus spp. | Vögel | weltweit | |
| Leucocytozoon caulleryi | Huhn | Asien | |
| Nematoden (Filarien) | Onchocerca gibsoni | Rind | Afrika, Asien, Australien |
| Onchocerca cervicalis | Pferd | weltweit | |
| Mansonella perstans | Mensch | Afrika, Südamerika | |
| Mansonella streptocerca | Mensch | West- und Zentralafrika | |
| Mansonella ozzardi | Mensch | Mittel- und Südamerika, Karibik |
Für das Oropouche-Virus gilt Culicoides paraensis als wichtigster Vektor.[3] Die epizootische hämorrhagische Krankheit trat 2022 erstmals in Europa (Italien, Spanien) und 2023 in Frankreich auf.[4]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 Service MW. Biting midges (Ceratopogonidae). In: Medical Entomology for Students. 5. Aufl. Cambridge University Press; 2012.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Wikipedia. Culicoides, abgerufen am 27.10.2026
- ↑ Guagliardo SAJ et al. Reemergence of Oropouche Virus in the Americas and Risk for Spread in the United States and Its Territories, 2024. Emerg Infect Dis. 2024;30(11).
- ↑ ANSES. Everything you need to know about epizootic haemorrhagic disease, abgerufen am 27.10.2026
Literatur
- Eckert J, Friedhoff KT, Zahner H, Deplazes P. Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin. 2. Aufl. Enke; 2008.