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Nervus thoracicus (Veterinärmedizin)

(Weitergeleitet von Brustnerv (Veterinärmedizin))

Synonyme: N. thoracicus, Brustnerv

1 Definition

Als Nervi thoracici oder Brustnerven bezeichnet man die segmental austretenden paarigen Spinalnerven des thorakalen Rückenmarks. Aufgrund der tierartlichen Unterschiede in der Anzahl der Brustwirbel sind sie bei den Haussäugetieren unterschiedlich ausgebildet.

2 Anatomie

Die Nervi thoracici sind, mit Ausnahme der ersten austretenden Nerven, deutlich schwächer ausgebildet als die Halsnerven. Ihr Anzahl stimmt mit jener der Rippen überein.

Schweine besitzen in der Regel 15 thorakale Spinalnerven. Diese verlassen den Wirbelkanal durch das Foramen vertebrale laterale dorsale und ventrale des gleichzähligen Wirbels. Jeder Brustnerv teilt sich in einen dorsalen und einen ventralen Ast auf, die wiederum mit ihren Ästen unterschiedliche Areale innervieren.

2.1 Ramus dorsalis

Die Rami dorsales zweigen sich im weiteren Verlauf erneut auf.

2.1.1 Ramus medialis

Die Rami mediales versorgen mit ihren vorwiegend motorischen Fasern die langen und kurzen Rückenmuskeln.

2.1.2 Ramus lateralis

Vorwiegend als sensible Hautnerven ausgebildet, breiten sich die Lateraläste der vorderen Brustnerven - durch das Schulterblatt nach medial abgedrängt und anschließend zu den Brustwirbeldornfortsätzen aufsteigend - in der Haut der Widerrist- und dorsalen Schultergegend aus. Die lateralen Äste der Dorsaläste der hinteren Brustnerven (Hund: Th4, Rind und Pferd: Th7 bzw. Th8) verlaufen zwischen Musculus iliocostalis und Musculus longissimus thoracis hindurch zur Oberfläche. Dort gabeln sie sich wiederum auf in:

  • Ramus cutaneus medialis: Ein zarter, nach dorsal aufsteigenden Ast.
  • Ramus cutaneus lateralis: Ein starker, absteigender Ast.

Sie innervieren zum Großteil die Haut der seitlichen Brust- und Bauchwand und zeigen einen kaudoventralen Verlauf, wobei diejenigen der letzten Brustnerven beim Pferd die Kniefalte erreichen. Das Hautfeld dehnt sich beckenwärts immer mehr auch auf die Seitenfläche der Rumpfwand aus. Gleichzeitig besitzen sie eine motorische Komponente für die Musculi levatores costarum.

Beim Hund teilen sich die Rami dorsales der Brust- und Lendennerven in einen Ramus lateralis, intermedius und medialis auf. Über den Ramus intermedius werden die Musculi longissimus thoracis und lumborum motorisch, innerviert.

2.2 Ramus ventralis

Die Ventraläste der Brustnerven werden, mit Ausnahme des letzten Nerven, zu den am hinteren Rand der zugehörigen Rippe nach ventral ziehenden Zwischenrippennerven (Nervi intercostales).

Die Rami ventrales des 1. bzw. der ersten zwei Brustnerven beteiligen sich außerdem an der Bildung des Plexus brachialis, der sowohl Anteile aus dem Hals- als auch Brustmark erhält.

2.2.1 Nervus intercostalis

Der Nervus intercostalis I ist dünn ausgebildet und versorgt mit seinen Fasern die Musculi intercostalis internus und externus des 1. Zwischenrippenraumes.

Die ersten 6 Nervi intercostales liegen beim Hund nahezu völlig subpleural, wohingegen die beckenwärts folgenden Nerven sich immer mehr unter die Musculi intercostales interni schieben. Der 12. Nervus intercostalis ist vollständig von der Pleura abgerückt. Die Interkostalnerven der Schweine und Wiederkäuer verlaufen alle subpleural. Beim Pferd sind die ersten 8 Nervi intercostales proximal zum Teil vom Musculus intercostalis internus bedeckt. Kaudal erreichen sie dann aber beinahe in ihrer ganzen Länge die Pleura.

Mit Ausnahme des Nervus intercostalis I teilen sich die übrigen Zwischenrippennerven mit einer gewissen Regelmäßigkeit in eine charakteristische Anzahl an Ästen auf:

  • Ramus musculi intercostalis externi: Kurz nach dem Ursprung zweigt der Ramus musculi intercostalis externi ab, der im Anschluss an den jeweiligen Musculus intercostalis externus zieht. Der fortlaufende Nervenstamm der Nervi intercostales teilt sich dann im weiteren Verlauf in einen Ramus lateralis und Ramus medialis.
  • Ramus lateralis: Er durchstößt als Ramus perforans, nach der Abgabe von Muskelästen, die Musculi intercostales (am unteren Rand des Musculus serratus ventralis) und entlässt im Anschluss Zweige an den Musculus obliquus externus abdominis und vermutlich auch sensible Fasern für die Muskelspindeln des Bauchhautmuskels. Letztendlich endet er durch auf- und absteigende Äste in der Haut der seitlichen Brust- und Bauchwand. Da der Ramus lateralis der Dorsaläste der Nervi thoracici den 1. Hautast der Rumpfwand liefert, entstammt der 2. Hautast der Rumpfwand bzw. Ramus cutaneus lateralis aus dem Ramus lateralis der Nervi intercostales. Zweige dieses Hautastes verbinden sich in weiterer Folge, unterhalb des Rumpfhautmuskels, mit Ästen der Nervi pectorales caudales sowie des Nervus thoracicus lateralis. Aus den Verbindungen der Rami cutanei lateralis des 2. und 3. Interkostalnerven mit Zweigen des Nervus thoracicus lateralis geht der Nervus intercostobrachialis hervor. Gleichzeitig gehen beim Fleischfresser und Schwein aus den Rami cutanei laterales die Rami mammarii laterales an das Gesäuge ab.
  • Ramus medialis: Er zieht zwischen der Pleura und dem Musculus intercostalis internus in Richtung des Brustbeins und entlässt dabei Zweige an den inneren Zwischenrippenmuskel und den Musculus transversus thoracis. Auf Höhe des 2. Zwischenrippenraumes gibt der Ramus medialis im Bereich der wahren Rippen den 3. Hautast der Brustnerven (Ramus cutaneus ventralis) ab. Dieser durchbohrt die Brustmuskeln und innerviert die Haut ventral und lateral vom Brustbein. Beim Fleischfresser und Schwein liefert dieser Hautast wiederum Rami mammarii mediales für das Gesäuge. Im Gebiet der falschen Rippen verbreiten sich die Rami cutanei ventrales in den Musculi transversus und rectus abdominis sowie im Musculus obliquus internus abdominis, um die ventrale Bauchhaut bis zum Euter bzw. Präputium zu versorgen.

Der Ventralast des letzten Brustnerven verläuft als Nervus costoabdominalis und versorgt die vorderen Abschnitte des Musculus quadratus lumborum sowie die Psoasmuskulatur

3 Überblick

Nerv: motorisch:  sensibel:
Dorsaläste (Rami dorsales)
Rr. mediales: lange und kurze Rückenmuskeln, Mm. levatores costarum
Rr. laterales: als Rr. cutanei mediales und Rr.i cutanei laterales: Haut des Rückens von der Widerrist- bis Lendengegend sowie ein Großteil der seitlichen Brust- und Bauchwand
Ventraläste (Rami ventrales)
Nn. intercostales: Mm. intercostales interni, Mm. intercostales externi, M. transversus thoracis, vorderer Abschnitt der Bauchmuskulatur, M. rectus thoracis, M. serratus dorsalis als Rr. cutanei laterales und Rr. cutanei ventrales: Haut der ventralen Brust- und Bauchwand sowie das Gesäuge
N. costoabdominalis: vordere Abschnitte der Psoasmuskulatur und des M. quadratus lumborum
Zweige des 1. bzw. 1. und 2. Ventralastes gehen an den Plexus brachialis

4 Literatur

  • Nickel, Richard, August Schummer, and Eugen Seiferle. Band IV: Nervensystem. Lehrbuch der Anatomie der Haustiere. Parey, 2004.

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Fachgebiete: Veterinärmedizin

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