Brepocitinib
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Englisch: brepocitinib
Definition
Brepocitinib ist ein Tyrosinkinasehemmer aus der Gruppe der TYK2/JAK1-Inhibitoren zur Behandlung der Dermatomyositis bei Erwachsenen. Er ist derzeit (2026) in den USA zugelassen, nicht jedoch in Europa.
Chemie
Brepocitinib verfügt über zwei stickstoffhaltige Heteroaromaten und ein verbrücktes Ringsystem, das ebenfalls Stickstoffatome enthält. Deshalb handelt es sich um eine basische Verbindung. Pharmazeutisch wird das Tosylat-Salz verwendet, das in Wasser und Alkohol schlecht löslich ist. Die Summenformel der freien Base lautet C18H21F2N7O. Das Molekulargewicht beträgt 389,41 g/mol (als Tosylat-Salz 561,61 g/mol).
Wirkmechanismus
Brepocitinib hemmt die Januskinase 1 (JAK1) und die Tyrosinkinase 2 (TYK2). Die Hemmung von JAK2 und JAK3 ist deutlich schwächer. Beide Zielkinasen vermitteln die Signaltransduktion proinflammatorischer Zytokine wie Interferone, IL-6, IL-12 und IL-23. Durch die Hemmung dieser Signalwege wird die übermäßige Aktivität des Immunsystems und dadurch die Entzündungsreaktion abgeschwächt.
Pharmakokinetik
Die Plasmaproteinbindung beträgt 39 %. Die Eliminationshalbwertszeit liegt zwischen 5,4 und 12 Stunden. Die Verstoffwechselung erfolgt überwiegend über Cytochrom-P450-Enzyme, vor allem CYP1A1 und CYP1A2, mit geringerem Anteil über CYP3A4. Da Rauchen CYP1A1 und CYP1A2 induziert, ist die Brepocitinib-Exposition bei Rauchern verringert, was die Wirksamkeit reduzieren kann.
Indikation
Brepocitinib ist zur Behandlung der Dermatomyositis bei erwachsenen Patienten zugelassen. Es kann als alternative oder als Add-on-Therapie zu bestehenden, nicht zielgerichteten Behandlungen eingesetzt werden.
Dosierung
Vor Beginn der Therapie sollten Infektionserkrankungen wie Tuberkulose und Hepatitiden ausgeschlossen, ein Blutbild erstellt sowie Leber- und Nierenwerte erhoben werden. Zudem sollten der Impfstatus aktualisiert und bei Frauen im gebärfähigen Alter eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden. Bei schwerer Leberinsuffizienz (Child-Pugh C) oder schwerer Niereninsuffizienz (eGFR < 30 ml/min) wird Brepocitinib nicht empfohlen. Bei leichter bis mittelschwerer Einschränkung ist keine Dosisanpassung erforderlich. Die empfohlene Dosierung beträgt 30 mg einmal täglich p.o., unabhängig von den Mahlzeiten. Bei einer akuten schweren Infektion sollte die Einnahme unterbrochen werden. Die Blutwerte sollten regelmäßig kontrolliert werden, um die Verträglichkeit des Medikaments sicherzustellen.
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Nebenwirkungen
- Überempfindlichkeitsreaktionen
- erhöhte Infektneigung, vor allem der oberen Atemwege und Harnwege
- Kopfschmerz, Fatigue, Arthralgie
- Übelkeit, Durchfall
- Akne
- Neutropenie, Lymphopenie, Anämie
- erhöhte Blutfettwerte
- erhöhte Leberenzyme: AST, ALT, γ-GT
Wechselwirkungen
Brepocitinib ist ein Inhibitor von P-gp und BCRP sowie der renalen Aufnahmetransporter OCT2 und MATE1/MATE2-K. Die gleichzeitige Anwendung mit oral verabreichten Substraten dieser Transporter kann deren systemische Exposition erhöhen. Entsprechende Patienten sollten engmaschig überwacht werden. Über die Induktion von CYP1A1/CYP1A2 kann Rauchen die Brepocitinib-Exposition und damit die Wirksamkeit vermindern.
Kontraindikationen
Brepocitinib ist bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile kontraindiziert.
Während einer aktiven, schweren Infektion (auch lokalisiert) soll Brepocitinib nicht angewendet werden. Bei chronischen oder rezidivierenden Infektionen (z.B. Tuberkulose) ist eine strenge Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich. In der Schwangerschaft kann Brepocitinib aufgrund tierexperimenteller Befunde zu fetalen Schäden führen. Frauen im gebärfähigen Alter sollen während der Therapie und für 3 Tage nach der letzten Dosis eine wirksame Kontrazeption anwenden.
Cave: Wie andere JAK-Inhibitoren trägt Brepocitinib ein klassenspezifisches Risiko für schwere Infektionen, maligne Erkrankungen, schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse (MACE) und Thrombosen. Bei erhöhter Thromboseneigung, hohem kardiovaskulärem Risiko, Malignomanamnese oder nach Herzinfarkt bzw. Schlaganfall ist besondere Vorsicht geboten.
Zulassung
Brepocitinib wurde am 27. August 2026 von der US-amerikanischen FDA als erstes orales, zielgerichtetes Arzneimittel zur Behandlung der Dermatomyositis bei Erwachsenen zugelassen. Grundlage war die placebokontrollierte Phase-III-Studie VALOR (n = 241), in der Brepocitinib 30 mg den primären Endpunkt (Total Improvement Score nach Woche 52) signifikant gegenüber Placebo verbesserte.[1] In Europa besteht derzeit (Stand 2026) keine Zulassung.
Quelle
- ↑ Vleugels RA, Paik JJ, Werth VP, Aggarwal R, et al. A Phase 3 Trial of Brepocitinib in Dermatomyositis. N Engl J Med. 2026;394(19):1883-1893.
Literatur
- Lisraya (brepocitinib): Full Prescribing Information (US-Fachinformation), Stand 08/2026; aufgerufen am 28.08.2026