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Boomslang

Synonym: Dispholidus typus (zool.)
Englisch: boomslang

1 Definition

Die Boomslang ist eine aus Subsahara-Afrika stammende, giftige Schlangenart aus der Familie der Nattern (Colubridae). Die zoologische Bezeichnung lautet Dispholidus typus.

2 Merkmale

2.1 Habitus

Die Boomslang weist einen schlanken Körperbau auf und erreicht eine Körperlänge bis 150 cm (selten über 180 cm). Sie besitzt einen kurzen Kopf, der sich deutlich vom Hals absetzt. Das Auge ist auffällig groß und weist eine runde Pupille auf, die bei Lichteinfall jedoch auch horizontal verengt sein kann. Die Körperfärbung ist äußerst variabel. Während Weibchen zumeist bräunlich gefärbt sind, können Männchen bräunlich, schwarz oder grün sein sowie gemischt farbig. Zudem sind ontogenetische Farbwechsel bekannt.

Die Schlangenbeschuppung (Pholidose) weist folgende Merkmale auf:

  • 1 Scutum praeoculare (Voraugenschild),
  • 3 (selten 2 oder 4) Scuta postocularia (Hinteraugenschilder),
  • 1 Scutum loreale (zwischen Okular- und Nasalschuppen gelegen; länger als breit),
  • 6 bis 8 Supralabialia (Oberlippenschilde),
  • 10 bis 13 Sublabialia (Unterlippenschilde),
  • 19 bis 21 Reihen gekielter Rumpfschuppen (Scuta dorsalia),
  • 164 bis 201 Scuta ventralia (Bauschschilde),
  • 104 bis 142 Scuta subcaudalia (Unterschwanzschilde) und
  • 1 ungeteiltes Scutum anale (Analschild).

2.2 Giftapparat

Dispholidus typus besitzt beiderseits des Oberkiefers Giftdrüsen, bei denen es sich - wie bei allen Giftschlangen - um evolutiv spezialisierte Speicheldrüsen handelt. Die Giftdrüsen sind von Muskulatur umgeben und stehen durch einen Giftkanal mit Fangzähnen (Giftzähnen) in Verbindung. Die Fangzähne sind relativ klein, unbeweglich und liegen im hinteren Teil des rechten und linken Oberkiefers. Diese Zahnstellung wird als opistoglyph bezeichnet und weist die Art als Trugnatter aus.

2.3 Lebensweise

Dispholidus typus führt eine kletternde Lebensweise im Geäst von Gebüschen und Bäumen. Zum Beutespektrum zählen Echsen, Vögel, Vogeleier und Froschlurche. Die Fortpflanzung erfolgt durch Oviparie (eierlegend).

3 Schlangengift

Das Giftsekret enthält als pharmakologisch aktive Komponenten unter anderem Substanzen aus folgenden Toxinklassen:

4 Toxikologie

Dispholidus typus gibt mit einem Giftbiss nur eine geringe Menge Giftsekret ab (Trockengewicht: 0,5 bis 8,0 mg; einige Quellen geben bis 17 mg an), das jedoch auch gegenüber dem Menschen äußerst wirksam ist. Im Tierversuch (Maus, i.v.) wurde eine mittlere Letaldosis von 0,06 bis 0,72 mg/kgKG ermittelt.

Nach einem Giftbiss beträgt die Latenzzeit gegebenenfalls 24 bis 48 Stunden. Es können eine lokale Schwellung und Schmerzen an der Bissstelle sowie unspezifische Allgemeinsymptome (z.B. Kopfschmerz, Nausea, Emesis, Abdominalschmerz, Diarrhoe, Vertigo, Kollaps oder Krämpfe) auftreten. Nephrotoxische Effekte wurden beobachtet.

Die signifikantesten Toxine sind Prokoagulantien, welche die Hämostase durch thrombinähnliche Enzyme anregen (Prothrombinanktivierung, Fibrinbildung) und durch Aufbrauch der Gerinnungsfaktoren zu einer Verbrauchskoagulopathie führen. Weiterhin können Metalloproteasen eine Schädigung von Blutgefäßen bewirken. In der Folge kommt es zu massiven Hämorrhagien.

4.1 Erste Hilfe und Therapie

Gebissene sollten sich ruhig verhalten und, sofern möglich, Körper und Bissstelle wenig bewegen sowie liegend in ein Krankenhaus transportiert werden. Empfohlen wird das Anlegen eines Verbands mit leichtem Druck über der Bissstelle sowie eine Fixierung der Extremität mit Verband, Kleidung oder Stoff. Auf ein voriges Entkleiden sollte verzichtet werden, um übermäßige Bewegung zu vermeiden.

Nach einem Biss durch Dispholidus typus sollte eine intensivmedizinische Überwachung mit adäquater Kontrolle von Vitalparametern und regelmäßiger Überprüfung der hämatologischen Parameter, einschließlich der Gerinnungsfaktoren, erfolgen. Die Therapie der Intoxikation durch Giftbiss besteht in erster Linie aus der Therapie mit Antivenin. Mit 'SAIMR Boomslang Antivenom' des Herstellers South African Vaccine Producers (Pty) Ltd steht ein monovalentes Antivenin zur Verfügung. Unter Umständen sind mehrfache Dosen notwendig. Die Letalität ohne Antivenintherapie ist vermutlich hoch. Weiterhin erfolgt symptomatische Therapie.

5 Historie und Vorkommen von Bissen

Zu Begegnungen mit dem Menschen kommt es kaum. Giftbisse durch frei lebende Tiere sind äußerst selten und treten in der Regel bei Fangversuchen auf. Weiterhin wird die Art in Europa und den USA gelegentlich in Gefangenschaft gehalten, sowohl in privaten Haushalten als auch in zoologischen Einrichtungen. Daraus ergibt sich ein potentielles Vergiftungsrisiko. Zu Todesfällen durch den Giftbiss von Dispholidus typus ist es mehrfach gekommen. Lange Zeit als harmlos betrachtet, wurde 1957 der amerikanische Herpetologe Karl Patterson Schmidt durch den Biss einer juvenilen Boomslang getötet.

6 Literatur

  • Trutnau: Schlangen im Terrarium - Bd.1 Teil 1, Teil 2 Ungiftige Schlangen; Bd. 2 Giftschlangen, Verlag Eugen Ulmer, 2002.

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