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Listeria monocytogenes

nach Joseph Lister, englischer Chirurg (1827-1912)
Englisch: Listeria monocytogenes

1 Definition

Listeria monocytogenes ist ein pathogenes Bakterium aus der Familie der Listerien, welches die Erkrankung Listeriose auslöst.

2 Eigenschaften

Listeria monocytogenes ist ein grampositives Stäbchenbakterium, das keine Sporen ausbildet. Zum Teil sind auch kokkoide (kugelförmige) Formen möglich. Es ist peritrich begeißelt, wodurch es beweglich ist.

Die Erreger wachsen unter aeroben Bedingungen auf bestimmten Nährboden (z.B. Nalidixinsäure-Trypaflavin-Serumagar) und bilden darauf zarte, durchscheinende, grauweiße Kolonien.

Listeria monocytogenes ist widerstandsfähig gegenüber Kälte, Hitze, saurem oder basischem Milieu, Trockenheit und hohen Salzkonzentrationen. Das Temperaturoptimum liegt bei 30-37°C, jedoch ist eine Kälteanreicherung bei 5-10°C möglich (Problem bei Kühlschränken!).

Das Bakterium ist Katalase-positiv, Indol-negativ und Oxidase-negativ. Die Harnstoffspaltung ist nicht möglich, auch Nitrat kann nicht reduziert werden.

3 Übertragung

Listeria monocytogenes ist weit verbreitet und kommt in vielen Tierarten (Säugetiere, Vögel, Fische, Schalentiere) vor. Zudem scheiden infizierte Menschen das Bakterium mit dem Stuhl aus. Auch im Boden, im Wasser und auf verschiedensten Oberflächen kommt Listeria monocytogenes vor. Das Bakterium ist in der Lage, einen Biofilm auszubilden, durch den es auf Oberflächen haften kann.

Der Erreger wird hauptsächlich oral über verunreinigtes Trinkwasser oder Lebensmittel übertragen. Hierbei sind vor allem Milch und Milchprodukte, z.B. Käse, aus nicht pasteurisierter Milch betroffen. Eine Infektion durch sehr engen Kontakt mit Tieren ist möglich. In der Schwangerschaft ist eine Übertragung auf den Embryo über die Plazenta möglich.

4 Pathomechanismus

Listerien können im Dünndarm durch Enterozyten oder M-Zellen subepithelial in die Schleimhaut eindringen. Dort werden sie zum Teil von Makrophagen phagozytiert, wodurch sie in die Endosomen der Zelle gelangen. Listerien produzieren das Toxin Listeriolysin O, das Poren in der endosomalen Membran ausbildet, durch welche die Bakterien in das Zytoplasma gelangen. Dieser Mechanismus wird auch Endosomal Escape genannt. Im Zytoplasma kommt es zur starken Vermehrung.

Es existiert auch ein horizontaler Ausbreitungsweg. Listerien nutzen polymerisierte Aktinfilamente, um sich im Zytoplasma voranzubewegen und so in die Nachbarzelle zu gelangen. Freie und in Makrophagen eingenistete Listerien wandern in die mesenterialen Lymphknoten und über den Ductus thoracicus, der in den Venenwinkel mündet, ins Blut.

5 Klinik

Listeria monocytogenes ist der Erreger der Listeriose, einer Erkrankung, die einem grippalen Infekt ähnelt, jedoch sowohl bei Mensch als auch bei Tier in unterschiedlichen Erscheinungsformen auftreten kann. Symptome können Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall sein.

Jedoch verlaufen die meisten Infektionen symptomlos, sofern das Immunsystem des Infizierten intakt ist. Bei Neugeborenen oder Patienten, die mit Kortison behandelt werden, ist das Immunsystem geschwächt. Hier kann es bei Infektion mit Listeria monocytogenes zu Septikämie, Meningoenzephalitis, Ulzera und Konjunktivitis (Bindehautentzündung) kommen. Hiervon sind auch andere Patienten mit Immundefizienz betroffen, z.B. HIV-Patienten.

Eine Listerieninfektion in der Schwangerschaft führt häufig zu Fehlgeburt oder Totgeburt. Da die Symptome bei der Mutter einem einfachen grippalen Infekt ähneln, ist eine Listeriose schwierig zu diagnostizieren, was einen Nachweis durch eine Blutkultur umso wichtiger macht. Eine Plazentitis und Endometritis sind eher selten zu beobachten.

6 Nachweis

Der Nachweis von Listeria monocytogenes erfolgt durch Anlegen einer Kultur oder durch Betrachten eines Grampräparates unter dem Mikroskop.


Als serologische Nachweismethoden kommen der Nachweis von O-Antigenen und H-Antigenen (Geißel-Antigenen) in Frage. Weiterhin stehen Agglutinationsreaktionen, molekulargenetische Untersuchung (PCR) und der Nachweis bestimmter Enzymaktivitäten zur Verfügung. Außerdem kann der Antikörper-Titer im Blutserum bestimmt werden - diese Nachweismethode ist jedoch diagnostisch nicht besonders wertvoll.

7 Therapie

Als bakterieller Erreger wird Listeria monocytogenes mit Antibiotika bekämpft. Zur Therapie werden vor allem Aminopenicilline eingesetzt. Mittel der Wahl sind Ampicillin und Amoxicillin in hoher Dosierung.

Zur Vorbeugung und Vermeidung von Infektionen Prophylaxe sind Hygienemaßnahmen sowie ordnungsgemäße Verarbeitung und Lagerung von Lebensmitteln zu empfehlen.

8 Meldepflicht

Für den direkten Nachweis von Listeria monocytogenes aus Blut, Liquor oder anderen normalerweise sterilen Materialien sowie aus Abstrichen von Neugeborenen besteht eine Labormeldepflicht nach §7 Infektionsschutzgesetz.

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