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Fruchtwasser

Synonym: Amnionflüssigkeit, Liquor amnii

1 Definition

Das Fruchtwasser umgibt als Flüssigkeit den Embryo bzw. Fetus in seiner Fruchtblase (Amnionhöhle), ermöglicht es ihm Bewegungen auszuführen und schützt ihn gleichzeitig vor Stößen und Temperaturschwankungen.

2 Embryologie

Im Rahmen der Frühentwicklung bilden sich parallel die Amnionhöhle (Fruchtblase) und die Chorionhöhle (extraembryonales Zoelom, spielt eine Rolle bei der Plazentaentwicklung).

Mit Beginn der Fetalperiode (ab dem 3. Monat) kommt es zu einer Verschmelzung von Amnion und Chorion. Die Chorionhöhle obliteriert dabei zugunsten der Amnionhöhle, welche zukünftig das wachsende Leben als Fruchtblase umgibt. Das Fruchtwasser wird dabei primär vom Amnionepithel gebildet, welches die Fruchtblase auskleidet.

3 Zusammensetzung

Das Fruchtwasser setzt sich aus mütterlichen und kindlichen Anteilen zusammen. Während der mütterliche Teil aus dem maternalen Blut über die Plazenta kommt (per hydrostatischer und osmotischer Austauschvorgänge), gibt das Ungeborene Flüssigkeit über die Haut, die Lunge, die Nieren und die Nabelschnur ab.

Folgende Bestandteile lassen sich im Fruchtwasser nachweisen:

4 Fruchtwasserdiagnostik

Besonders die abgeschilferten Epithelzellen des Kindes können von diagnostischer Bedeutung sein. Werden sie durch eine Amniozentese (Fruchtwasserpunktion) gewonnen, können mit einer darauf folgenden Fruchtwasseruntersuchung Aussagen über mögliche genetische Defekte, wie u.a. Trisomie 21 gemacht werden. Auch das Geschlecht kann über diese pränatale Diagnostik sicher bestimmt werden.

5 Flüssigkeitsaustausch

Ab dem 5. Schwangerschaftsmonat trinkt der Fetus ca. 400 ml Fruchtwasser täglich. Dieser Verlust muss wieder ersetzt werden. Die Bildung steht im Normalfall mit der Resorption in ständigem Gleichgewicht. Über den kindlichen Darm wird die aufgenommene Flüssigkeit resorbiert und gelangt über die Plazenta in den mütterlichen Blutkreislauf. Nachdem auch die Nieren des Embryos ihre Funktion aufgenommen haben wird das geschluckte Fruchtwasser auch über die Harnwege als wenig konzentrierter Urin wieder ausgeschieden. So wird etwa alle 3 Stunden das Fruchtwasser durch die oben genannten Austauschmechanismen erneuert.

6 Fruchtwassermenge und mögliche Pathologien

Bereits ab der 10. Schwangerschaftswoche schwimmt das Ungeborene in 30 ml Fruchtwasser. In der 20. Schwangerschaftswoche hat sich das Volumen auf cirka 400 ml vervielfältigt und bis zur 36. Schwangerschaftswoche befinden sich 1000 bis maximal 2000 ml in der Fruchtblase. Danach kommt es, besonders bei Terminüberschreitung, zur Abnahme der Fruchtwassermenge auf ungefähr 800 ml.

Bei den genannten, sehr komplizierten Austauschvorgängen zur Aufrechterhaltung der Fruchtwassermenge, kann es durch Erkrankungen der Mutter, oder aber Fehlbildungen des Kindes zu folgenden Pathologien kommen:

Fachgebiete: Geburtshilfe

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