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CRPS

Synonyme: Morbus Sudeck, Sudeck Krankheit, Sudeck'sche Dystrophie, Sudeck-Dystrophie, Sudeck-Syndrom, Algodystrophie, Sympathalgie, Komplexes regionales Schmerzsyndrom, Sympathische Reflexdystrophie (SRD), Reflex Sympathetic Dystrophy Syndrome (RSD)
Englisch: CRPS

1 Definition

CRPS steht für Complex Regional Pain Syndrome (komplexes regionales Schmerzsyndrom).

Das CRPS ist eine chronische neurologische Erkrankung, die nach einer Weichteil- oder Nervenverletzung, häufig in Zusammenhang mit der Fraktur einer Extremität auftritt. Für das CRPS vom Typ I wird häufig noch die ältere Bezeichung "Morbus Sudeck" verwendet - benannt nach ihrem Entdecker Paul Sudeck (1866-1945), einem Hamburger Chirurgen.

ICD10-Code: M89.0

2 Pathogenese

Die Pathogenese des CRPS ist nicht vollständig geklärt. Es handelt sich um einen irregulären Heilungsverlauf des verletzten Gewebes. Das Auftreten eines CRPS ist dabei nicht von der Schwere der Verletzung abhängig - die Verletzung kann sogar so geringfügig sein, dass der Patient sich nicht an sie erinnert. Infolge der Verletzung kommt es zu einer Fehlregulation des sympathischen Nervensystems, die den normalen Heilungsverlauf blockiert und stattdessen einen circulus vitiosus von Schmerz und nachfolgender Sympathikusreaktion in Gang setzt.

Derzeit (Stand 2015) wird diskutiert, dass es bei der CRPS zu einer Entzündungsreaktion kommt, bei der ein Überschuss an Mediatoren (z.B. Substanz P, CGRP) ausgeschüttet wird, der nicht mehr abgebaut werden kann und dadurch die neurogene Entzündungsreaktion verlängert. Diese Dysregulation soll auch im ZNS auftreten, wodurch es ebenfalls zu einer Sensibilisierung der zentralen schmerzverarbeitenden Neuronen kommen soll.

Ähnlich wie beim Phantomschmerz scheint es auch bei der CRPS zu einer Veränderung der neuronalen Verarbeitung der somatosensiblen Reize im Cortex zu kommen ("kortikale Reorganisation"). Diese Mechanismen würden die Ausweitung der Schmerzen über ein bestimmtes neuronales Versorgungsgebiet erklären.

3 Epidemiologie

Das CRPS tritt nach Frakturen bei etwa 1-2% der Patienten auf, nach peripheren Nervenverletzungen bei ungefähr 2-5% der Patienten. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, ebenso Personen zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr. Die Erkrankung zeigt sich häufiger an den Armen als an den Beinen: Das häufigste Trauma, das eine CRPS auslöst, ist die distale Radiusfraktur. Hier werden Inzidenzen zwischen 7% und 37% berichtet.

4 Symptome

Die Symptome des CRPS sind anfangs unspezifisch und werden oft falsch interpretiert bzw. vom behandelnden Arzt nicht ernst genommen. Bei der CRPS handelt es sich jedoch um eine Krankheit, nicht um eine Befindlichkeitsstörung. Typische Krankheitszeichen sind:

4.1 Sensorische Störungen

4.2 Motorische Störungen

4.3 Autonome Störungen

4.4 Trophische Störungen

  • Hautveränderungen (livides Kolorit, trockene Haut, Salbenhaut)
  • Verändertes Haar- und Nagelwachstum

Fortgeschrittene Symptome des CRPS sind Osteoporose und Gelenkversteifung (Ankylose). Im Endstadium kommt es zur Atrophie bzw. Dystrophie der betroffenen Exremität.

5 Krankheitsverlauf

Der Krankheitsverlauf ist individuell sehr unterschiedlich. Milde Verlaufsformen können nach Wochen spontan zurückgehen. In anderen Fällen nimmt die Erkrankung an Intensität zu und kann schließlich so gravierend werden, dass sie die normale Lebensführung des Patienten stark eingeschränkt. Eine weitere Form des Krankheitsverlaufs ist der Wechsel zwischen Remission und Exazerbation.

6 Einteilung

6.1 ...nach Ätiologie

  • CRPS Typ I (Synonym: RSD, Morbus Sudeck): CRPS, das nach Trauma oder Immobilisation einer Extremität auftritt, jedoch ohne spezifische Nervenschädigung
  • CRPS Typ II (Synonym: Kausalgie): CRPS, das nach einer Nervenverletzung auftritt, aber nicht notwendigerweise auf den Ort der Verletzung beschränkt ist.

6.2 ...nach Schweregrad

Die Einteilung in Schweregrade ist nicht immer trennscharf, da sich einzelne Symptome überschneiden können und das Fortschreiten der Erkrankung interindividuell sehr unterschiedlich ist.

  • Grad 1 (Akutes Stadium): Umschriebener Schmerz am Ort der Verletzung, Hyperästhesie, weiche Ödeme, Muskelkrämpfe, Bewegungseinschränkung, Hyperhidrosis.
  • Grad 2 (Dystrophisches Stadium): Zunehmender, diffuser werdender Schmerz, induriertes Ödem, Livedo, Wachstumsstörungen von Haaren und Nägeln (Dystrophie), Osteoporose, beginnender Muskelschwund. Mitunter zusätzlich subkutane Gewebeeinblutungen.
  • Grad 3 (Atrophisches Stadium): Nicht mehr lokalisierbarer Schmerz, irreversible Gewebsatrophie, Generalisierung der Beschwerden.

Von einigen Autoren wird zusätzlich noch ein Grad 4 definiert, der durch Störungen des Immunsystems, generalisierte Ödeme und den Wechsel von Hypotonie und Hypertonie gekennzeichnet ist.

7 Diagnose

Es gibt kein einfaches Testverfahren, um die Diagnose "CRPS" zu sichern. Die Diagnose ergibt sich meist aus dem typischen klinischen Bild. Als zusätzliche Verfahren kommen in Frage:

8 Differentialdiagnosen

  • Lymphabflussstörungen (OP, Tumor)
  • Venenverschluss (Thrombus)

9 Therapie

Das therapeutische Vorgehen bei CRPS ist abhängig von der Schwere des Krankheitsbilds. Die möglichen Maßnahmen sind sehr breit gefächert, da es keinen Therapieansatz gibt, der für sich allein befriedigende Ergebnisse liefert.

9.1 Systemische Therapie

9.2 Lokale Therapie

9.2.1 Ergotherapie

Im Rahmen der Ergotherapie des CRPS versucht der Ergotherapeut durch gezielte aktive Bewegungen, auch handwerklicher Einsatz von z.B. Ton ist möglich, die aktive Muskulatur zu erhalten und dadurch Bewegungseinschränkungen zu vermindern. Die Ergotherapie arbeitet mit Hilfe der Ödemreduktion oder auch Lymphdrainage, um Schwellungen zu beseitigen. Ebenso ist zu bedenken, dass die Mobilisierung der angrenzenden Gelenke erfolgen muss, da durch Schmerz meist unbewusst Kompensationsbewegungen entstehen. Diese können wiederum dazu führen, dass neue Schmerzen in anderen Gelenken oder auch Verspannungen in der oberen Extremität entstehen.

Zur Förderung des Kraftaufbaus können Ergotherapeuten in der chronischen Phase spezielle Schienen (Dynamische Schienen) anpassen.

Eine Hauptaufgabe der Ergotherapie in diesem Einsatzgebiet ist die Hilfsmitteladaption, um das alltägliche Leben zu erleichtern.

Wärme- oder Kälteanwendungen sind beim CRPS kontraindiziert, auch passive Bewegung verschlechtert das Krankheitsbild. Beübung in den Schmerz verschlimmert das Bild zusehends, wobei schmerzarme aktive Bewegungen die Muskelverhältnisse normalisieren und die Nerven positiv anregen.

9.2.2 Physiotherapie

Die Physiotherapie kann mittels manueller Lymphdrainage und vorsichtiger Kompressionstherapie das Krankheitsbild positiv beinflussen. Ziel ist es dabei, den Lymphabfluss zu beschleunigen und den Lymphstau zu reduzieren, damit die Beweglichkeit und Stoffwechselsituation vor Ort verbessert wird.

9.3 Invasive Verfahren

Die ganglionäre Opioid-Analgesie (GLOA) am Ganglion Stellatum mit Buprenorphin (Temgesic®) - nicht zu verwechseln mit der Stellatum-Blockade - ist einer der bisher effektivsten Behandlungsansätze mit guten Heilungschancen. Er ist bisher leider noch nicht weit verbreitet.

9.4 Sonstige Therapie

u.v.a.

10 Literatur

11 Weblinks

siehe auch: Volkmann'sche Kontraktur

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