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Trizyklische Antidepressiva

Englisch: tricyclic antidepressant

1 Definition

Triziyklische Antidepressiva sind eine Wirkstoffgruppe aus der Reihe der Antidepressiva.

2 Eigenschaften

Trizyklische Antidepressiva weisen gemeinsame chemische Merkmale auf. Sie bestehen aus einem dreigliedrigen ("trizyklisch") Ringsystem mit einem mittelständigen Ring aus sieben Kohlenstoff-Atomen. Am mittleren Ring befindet sich eine Kohlenwasserstoffkette mit einer endständigen Aminogruppe.

Ausgehend hiervon sind eine Vielzahl von Analogsubstanzen entwickelt worden, die ein ähnliches Wirkungsprofil aufweisen, jedoch teilweise auch im Detail ein eigenes Wirkungsprofil aufweisen.

3 Wirkungsmechanismus

Trizyklische Antidepressiva haben vielfältige Wirkungsmechanismen.

Aus diesen vielfältigen Wirkungen an Strukturen des Nervensystems resultieren eine Vielzahl von erwünschten und unerwünschten Wirkungen.

4 Substanzen

Aus der Vielzahl der Substanzen wirken einige bei Anwendung über mehrere Wochen eher antriebssteigernd, andere eher dämpfend.

Leitsubstanzen sind Imipramin und Amitryptilin. Imipramin wirkt akut dämpfend, bei regelmäßiger Einnahme erfolgt jedoch ein Wandel der Wirkung - die Stimmung des Patienten wird besser, der Antrieb steigt.

Im Gegensatz dazu wirkt Amitryptilin auch nach einer Einnahme über mehrere Wochen noch dämpfend, hellt jedoch die Stimmungslage des Depressiven im Verlauf der Therapie auf.

Das Wirkprofil der einzelnen Substanzen sollte je nach Ausprägung der Depression beachtet werden. Agitiert unruhige Depressive profitieren beispielsweise von einer dämpfenden antidepressiven Therapie mit Amitryptilin. Bei bestehender Suizidgefahr sind antriebssteigernde Antidepressiva wie Imipramin und Desipramin kontraindiziert.

5 Anwendung

Trizyklische Antidepressiva müssen über einen längeren Zeitraum regelmäßig eingenommen werden. Der antidepressive Effekt tritt in der Regel erst nach 1-2 Wochen ein. Auch nach Überwindung der depressiven Phase sollte die Medikation fortgeführt werden, um einem Rezidiv vorzubeugen.

Im besten Fall treten die vegetativen Nebenwirkungen bei Langzeitanwendung in den Hintergrund und die antidepressive Wirkung bleibt bestehen.

6 Nebenwirkungen

Bei den gruppenspezifischen Nebenwirkungen der trizyklischen Antidepressiva sind akute Nebenwirkungen bei Behandlungsbeginn und chronische Nebenwirkungen bei Dauertherapie zu unterscheiden. Die Mehrheit der unerwünschten Effekte ensteht durch die anticholinerge Wirkung der trizyklischen Antidepressiva.

Akute Nebenwirkungen, die bereits bei Beginn der Aufnahme auftreten:

Auch das Erregungsleitungssystem des Herzen ist von den Nebenwirkungen betroffen. So können im EKG Veränderungen auftreten, meistens in Form einer Abflachung der T-Welle.

Nebenwirkungen einer Dauerbehandlung können sein:

Selten treten allergische Reaktionen, Knochenmarkschädigung und eine Cholestase (Leberschädigung) auf. Ein abruptes Einsetzen nach längerer Einnahme kann zu Entzugserscheinungen führen.

Die akuten und chronischen Nebenwirkungen sind auf die vielfältigen Effekte an Rezeptoren des vegetativen Nervensystems zurückzuführen.

7 Kontraindikationen

Eine wichtige Kontraindikation für die Einnahme von trizyklischen Antidepressiva sind akute Vergiftungen oder hochdosierte Einnahmen von Alkohol, Opioiden und Hypnotika (Wirkungsverstärkung). Vorsicht ist zudem bei Vorschädigungen des Herzens und der Nieren geboten.

Bei BPH und Engwinkelglaukom wirken sich die anticholinergen Nebenwirkungen der Trizyklika negativ auf die Pathophysiologie der Erkrankungen aus. Beide Erkrankungen sind daher relative Kontraindikationen.

Eine wichtige Kontraindikation ist die zuvor im Text erwähnte Suizidgefahr. Antriebssteigernde Trizyklika sind bei Suizidgefahr absolut kontraindiziert.

8 Akute Vergiftungen

Die Einnahme großer Mengen trizyklischer Antidepressiva, unter Umständen in suizidaler Absicht, führt zu akuten Vergiftungserscheinungen mit:

Die Vergiftungserscheinungen sind Ausdruck einer funktionellen Überaktivität des Sympathikus. Die Therapie der Vergiftung besteht in einer intensivmedizinischen Überwachung und Antagonisierung der Vergiftungserscheinung durch wiederholte Gaben eines Cholinesterase-Hemmers, z.B. Physostigmin.

Hallo Herr Authman Mohammed, vielen Dank für Ihren Kommentar. Das Flexikon ist ein Mitmach-Lexikon, bei dem sich jeder beteiligen kann. Wir freuen uns also, wenn Sie die genannten Ergänzungen selbst in den Text einfügen. Klicken Sie dafür einfach auf "bearbeiten". Sollten Sie Fragen dazu haben, melden Sie sich gerne bei mir. Viele Grüße
#2 am 29.03.2016 von Dr. Carina Hönscher
Bei Patienten mit trizyklische Antidepressiva ist die Verwendung eines Vasokonstriktorenzusatzes in Lokalanästhetika bei zahnärztlichen Behandelung absolut kontraindiziert , da es zur Erhöhung der Adrenalinwirkung um das 3-fache führt
#1 am 28.03.2016 von hemin Authman Mohammed (Zahnarzt)

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