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Uterusprolaps (Hund)

Synonym: Gebärmuttervorfall
Englisch: uterine prolapse

1 Definition

Als Uterusprolaps oder auch Gebärmuttervorfall bezeichnet man das Umstülpen und Hervortreten (Prolaps) von Uterusteilen (Gebärmutter) durch die Zervix in die Vagina bei einer Hündin.

2 Epidemiologie

Obwohl ein Uterusprolaps nur sehr selten auftritt, kann er bei Katzen häufiger beobachtet werden als bei Hunden. Eine Altersprädisposition konnte bislang (2021) nicht nachgewiesen werden.

3 Ätiologie

Ein Uterusprolaps tritt entweder während der Geburt oder nahe des Geburtszeitpunktes auf. Zum Vorfall des Uterus kommt es meistens bei länger andauernden Geburtswehen.

4 Pathogenese

Ein Uterusprolaps ist dem Östrus-assoziierten Vaginalprolaps ähnlich. Im Gegensatz zu diesem steht der Uterusprolaps jedoch mit der Geburt in Zusammenhang und betrifft zusätzlich die gesamte vaginale Umgebung.

Damit der Uterus vorfallen kann, muss die Zervix dilatiert sein. Beim Vorfall können sowohl ein als auch beide Uterushörner (Cornua uteri) beteiligt sein und in der kranialen Vagina liegen bleiben. In besonders ausgeprägten Fällen treten die Uterusteile auch aus der Vulva aus. Das prolabierte Gewebe erscheint dabei ringförmig und weist durch den venösen Blutstau, das Trauma und den Debris eine veränderte Farbe auf.

5 Komplikation

Beim Uterusprolaps kann es zum Zerreißen des breiten Mutterbandes (Ligamentum latum uteri) und der Arteria uteri kommen. Durch die massive Blutung entwickelt sich rasch ein Schock.

6 Klinik

Ein Uterusprolaps stellt sich als Schleimhautmasse dar, die aus der Vulva hervortritt. Manchmal leiden betroffene Hündinnen auch unter leichten abdominalen Schmerzen und Tenesmus. Kommt es gleichzeitig auch zur Ruptur von ovariellen oder uterinen Blutgefäßen, können Zeichen eines hämorrhagischen Schocks auftreten.

Zusätzlich zeigen die Tiere Ruhelosigkeit, abnorme Körperhaltung, Schmerzen, perineale Schwellung, Lecken und Dysurie.

7 Differenzialdiagnosen

Als Differenzialdiagnosen sind folgende Erkrankungen auszuschließen:

8 Diagnose

Wegweisend für die Diagnose sind die Anamnese (exzessives Pressen während des Geburtsvorgangs) und die typische Klinik (prolabiertes Gewebe im Vulvabereich). Sie wird palpatorisch sowie mittels bildgebender Verfahren (Röntgen, Ultraschall) gesichert. Alternativ kann auch eine Vaginoskopie durchgeführt werden.

9 Therapie

Ein Uterusprolaps kann grundsätzlich konservativ und chirurgisch behandelt werden. Eine medikamentöse Behandlung ist jedoch nur selten erfolgreich.

9.1 Konservative Therapie

Das prolabierte Gewebe wird mit einer lauwarmen Kochsalzlösung abgewaschen und vorsichtig massiert, um das Ödem zu reduzieren. Gleichzeitig kann hypertone Dextroselösung verwendet werden, um das gestaute Gewebe abschwellen zu lassen. Anschließend ist das Uterusgewebe mit einem wasserlöslichen Gel gleitfähig zu machen, damit es dann mit der Hand zurückverlagert werden kann.

Nachdem der Uterus wieder an seinen ursprünglichen Platz zurückgekehrt ist, wird Oxytocin (5 bis 10 U) appliziert, um die Uterusinvolution zu fördern. Durch den Verschluss der Zervix wird ein erneutes Vorfallen des Uterus verhindert.

9.2 Chirurgische Therapie

Ziel der chirurgischen Behandlung ist es, das prolabierte Uterusgewebe langfristig wieder zurück zu verlagern. Hierfür können verschiedene Techniken angewendet werden:

Bei der manuellen Zurückverlagerung kann eine Episiotomie notwendig sein. Anschließend ist ein Blasenkatheter einzusetzen, wobei die Labia pudendi mittels horizontaler Matratzennaht vernäht werden, damit der Uterus in seiner Lage bleibt. Die Ovariohysterektomie ist indiziert, wenn das Gewebe devitalisiert ist, sich nicht zurückverlagern lässt oder wenn Blutgefäße im Ligamentum latum uteri rupturiert sind. Eine Laparotomie ist immer dann notwendig, wenn sich der Uterus nur durch kranialen Zug am Ligamentum uteri oder am Uterus selbst reponieren lässt.

10 Literatur

  • Fossum TW. 2007. Chirurgie der Kleintiere. 2. Auflage. München: Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag. ISBN: 978-3-437-57091-9
  • Niemand HG (Begr.). Suter PF, Kohn B, Schwarz G (Hrsg.). 2012. Praktikum der Hundeklinik. 11., überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Enke-Verlag in MVS Medizinverlag Stuttgart GmbH & Co. KG. ISBN: 978-3-8304-1125-3

Diese Seite wurde zuletzt am 14. März 2021 um 11:23 Uhr bearbeitet.

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