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Vogelspinne

(Weitergeleitet von Theraphosidae)

Synonym: Aviculariidae, Echte Vogelspinnen
Zoologische Bezeichnung: Theraphosidae
Englisch: tarantula

1 Definition

Die Vogelspinnen (Theraphosidae) sind eine vorwiegend aus den tropischen und subtropischen Klimazonen stammende Familie der Spinnentiere. Es handelt sich um beliebte Heimtiere für die Terrarienhaltung. Sämtliche Arten können sich mit Gift zur Wehr setzen und besitzen somit eine (je nach Art variable) Bedeutung als Gifttiere.

2 Merkmale

Der Körper weist die typische Grundmorphologie der Webspinnen auf. Das Prosoma (Vorderkörper) trägt neben den Augen und der Mundöffnung sechs Extremitäten-Paare. Das erste Paar ist in Form der zweigliedrigen Cheliceren als Klauenorgan (Giftklauen) ausgebildet. Bei Vogelspinnenartigen schlagen die Klauen vertikal und parallel zueinander nach unten. In einer Öffnung nahe der Spitze des zweiten Klauengliedes mündet die Giftdrüse. Das zweite Paar (die Pedipalpi) stellt ein Tastorgan dar. Der Bulbus, das letzte Glied des Pedipalpus der Männchen, dient zudem als Begattungsorgan. Die weiteren vier Extremitäten-Paare dienen als Laufbeine. Vom Prosoma deutlich abgesetzt ist das Opisthosoma (Hinterleib), das unter anderem den Atemapparat, den Geschlechtsapparat, Verdauungsapparat, Herz (offener Blutkreislauf mit Hämolymphe) und die Spinnwarzen trägt. Die Färbung von Extremitäten, Prosoma und Opisthosoma ist sehr variabel. Der Körper ist behaart.

3 Abwehrverhalten

Vogelspinnen haben verschiedene Verhaltensweisen zur Verteidigung entwickelt. Zumeist werden die entsprechenden Strategien erst an den Tag gelegt, wenn die Tiere in die Enge getrieben sind und nicht flüchten können.

3.1 Stridulation

Mittels speziell ausgebildeter Haare zwischen Cheliceren und Pedipalpi sind einige Arten zur Stridulation (Lauterzeugung, Zischen) als Abwehrverhalten fähig.

3.2 Aposematismus

Einige Arten besitzen eine auffällige Färbung (Warntracht) an bestimmten Körperstellen, die (ggf. in Kombination mit einer Lauterzeugung) bei Bedrohung präsentiert wird. Bei Poecilotheria beispielsweise befindet sich die Warntracht auf der ventralen Seite der vorderen Laufbeine.

3.3 Kotspritzen

Gelegentlich wird bei einigen Vogelspinnen das Abspritzen von Kot zur Irritation von Feinden beobachtet. Damit versuchen sich die Tiere eine Fluchtmöglichkeit zu schaffen.

3.4 Brennhaare

Vertreter der Unterfamilien Theraphosinae und Aviculariinae (Neotropis, Neoarktis) besitzen Brennhaare, die sie bei Gefahr mit den hinteren Laufbeinen vom Hinterleib abstreifen und einem potentiellen Angreifer entgegenschleudern. Einige Vertreter anderer Unterfamilien besitzen auch Brennhaare, diese sitzen jedoch an anderen Körperstellen und/oder werden anders eingesetzt (kein Abstreifen). Auch durch Hautkontakt mit den Tieren kann es zu einer Kontamination durch die mit Widerhäkchen versehenen Brennhaare kommen. Der Kontakt kann zu entzündlichen Reizerscheinungen mit allergischen Reaktionen führen. Gelangen Brennhaare in die Augen oder auf Schleimhäute der Atemwege, kann es unter Umständen zu schweren Komplikationen kommen. Hintergründe der Reizwirkung durch die Brennhaare der Vogelspinnen sind nicht näher bekannt, eine mechanische Reizung wird jedoch vermutet.

3.5 Giftbiss

In letzter Konsequenz verteidigen sich Vogelspinnen durch den Einsatz ihrer Giftklauen. Näheres siehe unter „Toxikologie“.

4 Systematik

4.1 Externe Systematik

4.2 Interne Systematik

Es sind derzeit (Stand April 2016) 12 Unterfamilien mit 132 Gattungen und 969 Arten anerkannt.

Die im deutschsprachigen Raum als Tarantel bezeichneten Spinnen zählen zur Familie der Wolfspinnen (Lycosidae) und sind nicht näher verwandt mit Vogelspinnen.

5 Toxikologie

Das Giftsekret von Vogelspinnen ist in seiner Zusammensetzung zwischen Arten und Gattungen sehr variabel. Die Einzelkomponenten und pharmakologischen Hauptwirkstoffe der Giftsekrete vieler Spezies sind derzeit nicht genau untersucht, die Isolierung und Analyse der Struktur und Pharmakologie der meisten Toxine steht noch aus. Zumeist sind biogene Amine, Proteine, Peptide, Polypeptide und Enzyme (z.B. Hyaluronidase) enthalten. Zudem konnten in vielen Fällen Glutamin, Gamma-Aminobuttersäure, Spermin, Trimethylendiamin, Acylpolyamine (Pseudoargiopinine) und p-Hydroxyphenylbrenztraubensäure nachgewiesen werden.

Einige Arten produzieren Zytotoxine. Auch Neurotoxine (Polypeptide), die über eine Wechselwirkung mit neuronalen Inonenkanälen wirken, konnten nachgewiesen werden. Huwentoxin I (produziert von Haplopelma schmidti) beispielsweise ist ein Neurotoxin vom Peptid-Typ aus 33 Aminosäureresten, 3 Disulfidbrücken sowie einer Masse von 3.750 Dalton. Es weist eine hohe Toxizität für Säugetiere auf. Weitere Peptidtoxine mit neurotoxischen Wirkungen anderer Arten sind bekannt.

Einige Forschungsunternehmungen arbeiten an der Entwicklung medizinisch nutzbarer Pharmaka auf der Basis bestimmter Theraphosiden-Toxine, beispielsweise als Analgetika.

5.1 Intoxikation

Zumeist bleibt die Wirkung eines Giftbisses auf eine lokale Symptomatik (leichte bis starke Schmerzen, Erythem, Schwellung der Extremität und von lokalen Lymphknoten) beschränkt. Schwere Komplikationen in Form allergischer Reaktionen, Anaphylaxie oder durch individuelle Empfindlichkeit können bei allen Arten auftreten. Eine Sekundärinfektion der Bissstelle ist möglich.

Vertreter folgender Gattungen haben bereits zu systemischen Vergiftungserscheinungen geführt und besitzen gegenüber vielen anderen Gattungen eine hervorzuhebende medizinische Relevanz: Poecilotheria, Selenocosmia, Pterinochilus, Stromatopelma. Bei Arten dieser Gattungen kann eine stationäre Überwachung für wenige bis 24 Stunden angezeigt sein.

Die Behandlung eines Bissunfalls erfolgt symptomatisch.

5.2 Brennhaarkontakt

Kontakt mit den Brennhaaren führt auf der Haut zu Reizungen, Erythem, Entzündung, allergischer Reaktion, Urtikaria, ggf. mehrere Tage bis Wochen anhaltender Juckreiz, am Auge zu Konjunktivitis, Iritis und ggf. Vernarbung und in den Atemwegen zu Bronchitis, asthmatischen Beschwerden und ggf. Pneumonie. Die Beschwerden können durch Applikation von Glukokortikoiden in entsprechenden Darreichungsformen behandelt werden.

6 Literatur

  • Schmidt: Giftige und gefährliche Spinnentiere, Westarp Wissenschaften, 2000.

7 Weblinks

Fachgebiete: Biologie, Toxikologie

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