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Poecilotheria

Synonyme: Ornament-Vogelspinnen
Englisch: tiger spider

1 Definition

Poecilotheria ist eine Gattung der Vogelspinnen, die aus Indien und Sri Lanka stammt und häufig in Terrarien gepflegt wird. Die Arten haben Bedeutung als Gifttiere.

2 Merkmale

Je nach Art wird eine Körpergröße von 5 bis 9 cm und eine Beispannweite von 12 bis 20 cm erreicht. Das Opisthosoma (Hinterleib) ist markant gezeichnet (eichenblattartig), der Carapax (oberer Chitindeckel des als Prosoma bezeichneten Vorderkörpers) und die Beine sind ebenfalls streifen- oder punktartig gezeichnet. Weibchen werden größer und kräftiger und sind kontrastreicher gefärbt als die langbeinigeren Männchen, deren Zeichnung mit zunehmenden Alter mehr oder weniger verblasst. Auf der ventralen Seite sind die vorderen Beine, die bei Gefahr aufgerichtet und präsentiert werden, weiß-schwarz oder gelb-schwarz gebändert (Warntracht). Mittels speziell ausgebildeter Haare zwischen Cheliceren ("Giftklauen") und Pedipalpi ("Tastbein") sind die Tiere zur Stridulation (Lauterzeugung, Zischen) als Abwehrverhalten fähig.

Poecilotheria-Arten führen eine kletternde Lebensweise, ernähren sich in erster Linie von verschiedenen Gliederfüßern, können jedoch auch kleinere Wirbeltiere überwältigen, und immobilisieren und töten ihre Beute durch einen Giftbiss.

3 Systematik

Poecilotheria zählt innerhalb der Unterordnung der Vogelspinnenartigen zur Familie der Vogelspinnen (Theraphosidae) und zur Unterfamilie Poecilotheriinae. Poecilotheria ist die einzige Gattung der Poecilotheriinae. Sie beinhaltet 14 Arten, häufig gepflegt werden beispielsweise Poecilotheria ornata, Poecilotheria fasciata, Poecilotheria metallica, Poecilotheria regalis, Poecilotheria subfusca und Poecilotheria vittata.

4 Toxikologie

Wirksame Komponenten der Giftsekrete von Vogelspinnen sind zumeist Proteine und/oder (Poly-)Peptide sowie biogene Amine. Die genaue chemische Zusammensetzung der Poecilotheria-Gifte ist derzeit noch nicht bekannt.

Der Giftbiss von Poecilotheria-Arten erweist sich beim Menschen als stärker wirksam als der Biss der meisten anderen Arten der Vogelspinnen. Möglicherweise ist dies eine Anpassung an das Leben in Bäumen, wo Beutetiere durch ein potenteres Gift schneller immobilisiert werden. Es ist davon auszugehen, dass die Giftgemische der verschiedenen Arten der Gattung ähnliche chemische Zusammensetzung und pharmakologische Eigenschaften aufweisen. Bei Poecilotheria regalis wurde eine hohe Hyaluronidase-Aktivität nachgewiesen. Charakteristisch für Poecilotheria (und wenige weitere Vogelspinnengattungen) ist eine systemisch wirksame neurotoxische Komponente.

Poecilotheria regalis kann bis circa 15 mg Giftsekret mit einem Giftbiss abgeben. Die Proteinkonzentration im Giftsekret liegt bei circa 6 %. Die im Verhältnis zu vielen anderen Vogelspinnen stärkere Giftwirkung wird teilweise auf eine im Vergleich häufig größere Giftmenge je Biss zurückgeführt. Allerdings ist die applizierte Proteinmenge im Vergleich sehr ähnlich, während deren Konzentration variiert. Demnach ist die höhere Toxizität vermutlich auf die Zusammensetzung des Proteinanteils zurückzuführen.

4.1 Symptome

Nach einem Giftbiss kommt es zu Schmerzen (lokale Schmerzen können initial fehlen), Erythem und Schwellung an der Bissstelle. Gegebenenfalls treten am gebissenen Gliedmaß ein Ödem sowie Schwellung axillärer Lymphknoten und Hyperhidrose auf. Unspezifische Allgemeinsymptome können grippeartige Schwäche, Nausea, Emesis, Vertigo und Kopfschmerzen sein. Nach einer Latenzzeit, deren Dauer stark variieren und länger als einen Tag dauern kann, können durch Wirkung der Neurotoxine mäßig bis stark schmerzhafte Parästhesien, Faszikulationen, Krämpfe und Myalgie im gebissenen Gliedmaß und anderen Gliedmaßen sowie Atemnot auftreten. Ein Anhalten akuter Beschwerden von bis zu acht Tagen und einzelner Symptome bis zu einem Monat wird berichtet.

Klinische Studien bezüglich Vergiftungen mit Poecilotheria regalis ergeben folgendes Bild: Durchschnittlich 10 Stunden nach Giftbiss treten generalisierte Krämpfe auf, die 1 bis 14 Tage anhalten. Die neurotoxische Symptomatik tritt in 58 Prozent der Bissunfälle auf. Möglicherweise kommt es häufig zu trockenen Bissen (Verteidigungsbisse, bei denen kein oder nur eine geringe Menge Giftsekret abgegeben wird).

Sekundärinfektionen der Bisswunde können auftreten.

4.2 Therapie der Vergiftung

Die Therapie eines Giftbisses durch Poecilotheria-Arten erfolgt weitestgehend symptomatisch. Gegen Krämpfe können geeignete Benzodiazepine appliziert werden. Eine Tetanusprophylaxe wird empfohlen. Eine Sepsisprophylaxe sollte erwogen werden und die Bisswunde ist sauber zu halten (Antiseptika). Nach einer klinischen Untersuchung und Beobachtung über einige Stunden sowie unter Ausschluss möglicher Komplikationen kann in der Regel auf eine mehrtägige stationäre Behandlung verzichtet werden.

5 Literatur

  • Schmidt: Giftige und gefährliche Spinnentiere, Westarp Wissenschaften, 2000.
  • García-Arredondo et al. Pharmacological characterization of venoms from three theraphosid spiders: Poecilotheria regalis, Ceratogyrus darlingi and Brachypelma epicureanum. J Venom Anim Toxins Incl Trop Dis; 2015

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