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Tafamidis

Handelsname: Vyndamax®
Synonym: FX-1006A
Englisch: tafamidis

1. Definition

Tafamidis ist ein Arzneistoff, der als spezifischer Transthyretin-Stabilisator zur Behandlung der Wildtyp- oder hereditären Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie (ATTR-CM) eingesetzt wird.

2. Chemie

Tafamidis ist ein 1,3-Benzoxazol-Derivat. Die Summenformel ist C14H7Cl2NO3. Der chemische Name ist

  • 2-(3,5-Dichlorophenyl)-1,3-benzoxazole-6-carbonsäure (IUPAC)

Die molare Masse beträgt 308,1 g/mol, der Oktanol-Wasser-Koeffizient (logP) 3,91. Die CAS-Nummer lautet 594839-88-0. Als Arzneistoff wird auch Tafamidis-Meglumin eingesetzt.

3. Wirkmechanismus

Die Transthyretin-Amyloidose ist eine Form der Amyloidose, bei der es zur Ablagerung von abnormen Transthyretin (TTR)-Varianten in mehreren Organen kommt. Ein wichtiger Pathomechanismus der TTR-Amyloidpolyneuropathie ist die Spaltung des Transthyretin-Tetramers in Monomere. Die Monomere werden partiell denaturiert, wodurch fehlerhaft gefaltete Zwischenprodukte entstehen, die amyloidogen sind. Tafamidis bindet als Chaperon an die beiden Thyroxin-Bindungsstellen der nativen tetrameren TTR-Form und verhindert deren Aufspaltung in Monomere. Tafamidis hat keinen Einfluss auf bereits bestehende Amyloidablagerungen, sondern verlangsamt lediglich das Fortschreiten der Kardiomyopathie und der peripheren Neuropathie.[1][2]

4. Pharmakokinetik

Tafamidis wird nach oraler Aufnahme langsam resorbiert. Maximale Plasmaspiegel werden nach 4 Stunden erreicht. Die Plasmaproteinbindung beträgt mehr als 99 %, das Verteilungsvolumen 18,5 Liter (ca. 0,3 l/kgKG. Die Biotransformation in der Leber erfolgt durch Glucuronidierung. Die Elimination erfolgt zu ca. 59 % mit den Faezes und ca. 22 % mit dem Urin. Die Eliminationshalbwertszeit beträgt 49 Stunden.[1]

5. Indikationen

Tafamidis ist indiziert zur Behandlung der Wildtyp- oder hereditären Transthyretin-Amyloidose bei erwachsenen Patienten mit Kardiomyopathie (ATTR-CM).[1]

6. Darreichungsform

Tafamidis steht in Form von Kapseln zur oralen Anwendung zur Verfügung.

7. Dosierung

Die empfohlene Dosierung (Tafamidis) beträgt einmal täglich 61 mg.[1]

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

8. Nebenwirkungen

Wichtige unerwünschten Wirkungen von Tafamidis sind:[2]

Bei der Behandlung mit Tafamidis-Meglumin können folgende Nebenwirkungen auftreten:[3]

9. Wechselwirkungen

Klinisch relevante Wechselwirkungen von Tafamidis sind bisher (2024) nicht beschrieben worden.

siehe auch Tafamidis-Meglumin

10. Kontraindikationen

11. Schwangerschaft und Stillzeit

Im Tierexperiment wurden reproduktionstoxische Wirkungen (z. B. Fehlbildungen des Skeletts) und der Übertritt in die Milch nachgewiesen. Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung und bis einen Monat nach Behandlungsende eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden und dürfen nicht stillen.[4]

12. Labormedizin

Tafamidis kann die Konzentration des Gesamt-Thyroxins im Serum verringern, ohne dass gleichzeitig eine Veränderung des freien Thyroxins (T4) oder des Thyreotropins (Thyroid Stimulating Hormone, TSH) messbar ist. Dieser Effekt ist wahrscheinlich auf eine reduzierte Bindung von Thyroxin an oder eine Verdrängung von Transthyretin (TTR) zurückzuführen, da Tafamidis mit einer hohen Affinität an den TTR-Thyroxin-Rezeptor bindet. Klinische Befunde, die auf eine Schilddrüsenfunktionsstörung hinweisen, wurden nicht beobachtet.[1]

13. Toxizität

Es liegen aktuell (2024) keine Erfahrungen zur Symptomatik einer Überdosierung oder Vergiftung mit Tafamidis vor. Während der klinischen Studien wurden bis zu 480 mg Tafamidis-Meglumin (entsprechend 292,8 mg Tafamidis) verabreicht. Eine primäre Giftentfernung durch Verabreichung von Aktivkohle kann innerhalb einer Stunde nach der Ingestion erfolgen. Die weitere Behandlung erfolgt in jedem Fall symptomatisch. Ein spezifisches Antidot steht bisher (2024) nicht zur Verfügung. Aufgrund seiner pharmakokinetischen Eigenschaften (hohe Plasmaproteinbindung) ist eine sekundäre Giftentfernung durch Hämodialyse nicht effektiv.

14. ATC-Code

  • N07XX08 - Nervensystem - Andere Mittel für das Nervensystem

15. Quellen

16. Weblinks

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11.10.2024, 17:12
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