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Propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation

1 Definition

Unter propriozeptiver neuromuskulärer Fazilitation, kurz PNF, versteht man ein physiotherapeutisches Analyse- und Behandlungskonzept. Das Bewegungsverhalten wird im Vergleich zur physiologischen Bewegung analysiert und mit dem Patienten ein Ziel zur Verbesserung des Bewegungsverhaltens festgelegt.

2 Geschichte

Entwickelt wurde PNF zwischen 1946 und 1951 in Kalifornien vom Neurophysiologen Herman Kabat (1913-1995) und der Physiotherapeutin Margaret Knott (1913-1952). 1953 kam Dorothy Voss dazu. Zu Beginn wurden mit PNF hauptsächlich neurologische Patienten mit Poliomyelitis oder Encephalomyelitis disseminata behandelt. Aufgrund der guten Erfolge in dieser Patientengruppe wurde das Konzept im Laufe der Zeit auf alle Bereiche und Altersstufen ausgeweitet, in denen das physiologische Bewegungsverhalten gestört ist.

Die Technik basiert auf den Gesetzen nach Sherrington (Charles Scott Sherrington (1857-1952)), Frances Anna Hellebrandt (1901-1992) und anderen Grundprinzipien der Neurophysiolgie.

3 Allgemeines Ziel

Das Hauptziel ist die Optimierung und Ökonomisierung des Bewegungsverhaltens. Pathologisch veränderte Bewegungsabläufe sollen wieder zu physiologischen umgewandelt werden. Dabei wird der Umstand genutzt, dass im zentralen Nervensystem alle physiologischen Bewegungsmuster der einzelnen Körperabschnitte und alle Gesamtbewegungsmuster abgespeichert sind.

3.1 Spezielle therapeutische Ziele

4 Bewegungsmuster

Alle Bewegungsmuster (engl. pattern) zeichnen sich durch eine festgelegte 3-Dimensionalität aus, die sich auf der genauen Beobachtung von normalen Bewegungsabläufen beruht. Sie sind im Rahmen der Therapie so genau wie möglich einzuhalten.

Wichtig ist die korrekte Vordehnung des Musters gegen einen für den Patienten angepassten dreidimensionalen Widerstand bis in die Endstellung des Musters. Durch die Reizung werden alle Berührungs-, Druck-, Muskeldehnungs- und Sehnenspannungsrezeptoren bzw. Propriozeptoren angesprochen. Es kommt zu einer physiologischen Aktivierung der Muskelkette im Körper.

Charakteristisch für einen Pattern sind spiralförmige und diagonale Bewegungen (ähnlich wie Sportbewegungen oder Bewegungen im Alltag - z.B. ein Glas aus einem Schrank holen). Die rotatorische Komponente fast aller Muskeln lässt sich über deren topographische Anordnung bzw. Muskelursprung und -ansatz erklären.

Bewegungsmuster sind immer so genannte "Bewegungssynergien" - darunter versteht man die in Form kohärenter Bewegungsketten abgespeicherten, einzelnen Muskelaktionen. Es gibt zwei Diagonalen (D1 und D2) für jeden größeren Körperabschnitt (Kopf/Hals, oberer/unterer Rumpf und obere/untere Extremität). Die Diagonalen von Hüft- und Schultergelenk besitzen je drei Hauptkomponenten (Flexion und Extension, Abduktion und Adduktion sowie Außen- und Innenrotation). Ellenbogen und Kniegelenk werden entweder gestreckt und gebeugt eingestellt, bzw. werden während der Ausführung in Flexion oder Extension gebracht. Von der Hand- (Palmarflexion/Dorsalextension sowie Radialabduktion/Ulnarabduktion) und Fußstellung (Plantarflexion/Dorsalextension sowie Pronation/Supination) aus werden die Pattern eingeleitet. Bei den Becken- und Scapula-Mustern wird eine anteriore Elevation/Depression beziehungsweise posteriore Elevation/Depression durchgeführt.

4.1 Arm-Pattern

  • D1: Flexion/Adduktion/Außenrotation beziehungsweise Extension/Abduktion/Innenrotation
  • D2: Flexion/Abduktion/Außenrotation beziehungsweise Extension/Adduktion/Innenrotation

4.2 Bein-Pattern

  • D1: Flexion/Adduktion/Außenrotation beziehungsweise Extension/Abduktion/Innenrotation
  • D2: Flexion/Abduktion/Innenrotation beziehungsweise Extension/Adduktion/Außenrotation

4.3 Kombinationsmöglichkeiten

Um eine optimale Aktivierung der Muskelketten zu gewährleisten, ist das Kombinieren von mehreren Diagonalen sinnvoll. Zum Beispiel kommt es bei gleichzeitiger Durchführung von Becken- und Scapula-Pattern zu einer Förderung der Beweglichkeit. Es ist auch möglich, mit beiden Armen oder Beinen zu arbeiten (bilaterale Ausführung). Auch eine Beübung eines Armes und des ihm gegenüberliegenden Beines ist möglich (bewirkt optimale Aktivierung der Muskelkette).

5 Zusatztechniken

Das Ziel der folgenden Zusätze ist eine Förderung der funktionellen Bewegung durch Fazilitation, Inhibition, Kräftigung und Entspannung von Muskelgruppen. Es kommen konzentrische (in Kontraktionsrichtung gehende Bewegungen), exzentrische (bremsende Bewegungen) und statische (haltende) Muskelkontraktionen zum Einsatz.

  • Rhythmische Bewegungseinleitung: passive, assistive (führende), resistive (gegen Widerstand) und aktive Bewegung
  • Kombination von isotonischen Bewegungen (= Combination of Isotonics): Kombination von konzentrischen, exzentrischen und statischen Elementen ohne Pause
  • Stretchimpuls (= Stretch Stimulus): Unterteilung in Initialer Stretch (am Beginn der Bewegung als Anlasser) oder Repeated Stretch (während der Bewegung)
  • Hold Relax: Isometrie
  • Anspannen-Entspannen (Contract Relax): Direkte (nach dem Prinzip der postisometrischen Relaxation) und indirekte Behandlung (Statische Bewegung mit Widerstand des Therapeuten zur Schmerzreduktion)
  • Agonistische Umkehr (Agonistic Reversal): Muskelkontraktionsarten werden dynamisch konzentrisch-statisch-exzentrisch miteinander kombiniert
  • Stabilisierende Umkehr (Stabilizing Reversal): Technik zur Stabilisierung von bestimmten Positionen in einer Bewegung
  • Rhythmische Stabilisation (Rhythmic Stabilization)
  • Wiederholende Kontraktion (Repeated Contraction): Wiederholter Dehnreiz auf kontrahierende Muskeln
  • Timing zur Betonung (Timing for Emphasis): Wiederholte Kontraktion auf die Muskulatur nur eines an der Bewegung beteiligten Gelenk
  • Wiederherstellung (Realisation): Statische Gelenkstellung oder Position soll wieder gefunden werden
  • Verlängertes Halten (Prolonged Hold): Verlängertes Halten am Ende der Bewegung zur Betonung der Rotationskomponente

6 Patientenposition

  • Beübung des Patienten in Rücken-, Seitenlage, Sitzposition oder Vierfüßlerstand auf der Therapiebank oder auf einer Behandlungsmatte
  • Fazilitation während des Gehens

7 Kommandos

Damit der Patient genau weiß, welche Bewegung wann verlangt wird, gibt es feste Kommandos. Sie werden zu Beginn festgelegt und vereinfachen das Arbeiten.

8 Indikationen

9 Kontraindikationen

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