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Procalcitonin

(Weitergeleitet von Prokalzitonin)

Synonym: Prokalzitonin
Abkürzung: PCT
Englisch: Procalcitonine

1 Definition

Procalcitonin, kurz PCT, ist das Prohormon des Calcitonins. Es wird u.a. als Marker für bakterielle Infektionskrankheiten (z.B. bei Sepsis) eingesetzt.

2 Biochemie

Procalcitonin ist ein Polypeptid aus 116 Aminosäuren, das durch das Gen CALCA kodiert wird. Es hat keine Calcium-regulierende Funktion.

3 Vorkommen und Bildung

Unter physiologischen Bedingungen wird Procalcitonin in den C-Zellen der Schilddrüse als Vorläuferprotein gebildet und proteolytisch zum funktionsfähigen Hormon prozessiert. Die Synthese von Procalcitonin außerhalb der Schilddrüse ist normalerweise unterdrückt.

4 Pathophysiologie

Bei einem generalisiert-entzündlichen Geschehen wird Procalcitonin aus bisher (2021) nicht verstandenen Gründen vermehrt gebildet. Anders als unter physiologischen Bedingungen erfolgt die Synthese dann aber vermutlich in Leber, Niere, Fettgewebe und Muskeln. Freisetzungsreiz sind hierbei u.a. bakterielle Endotoxine, z.B. Lipopolysaccharide. Dadurch kommt es innerhalb von 3 bis 6 Stunden nach Endotoxinexposition zu einem Anstieg der PCT-Konzentration im Blut. Bei adäquater Therapie sinken die PCT-Werte, entsprechend seiner Plasmahalbwertszeit, innerhalb von ca. 25 bis 30 Stunden wieder ab.

5 Indikationen

  • Differenzierung von viralen und bakteriellen Infektionen
  • Verlaufskontrolle bakterieller Infektionen
  • Verlaufskontrolle bei Sepsis, SIRS und MODS
  • Risikoscreening nach Operation oder Transplantation

6 Material

Für die Untersuchung wird 1 ml Blutserum oder Blutplasma benötigt. Der Nachweis wird mittels Immunoassay durchgeführt. Bei Raumtemperatur ist PCT bis zu vier Stunden stabil. Eine längere Lagerung sollte bei -20 °C erfolgen.

7 Referenzbereich

Physiologisch liegt die Konzentration normalerweise deutlich unter 0,1 ng/ml. Für Erwachsene werden jedoch Werte unter 0,5 ng/ml (0,5 µg/l) als Norm angesehen. Für Neugeborene beträgt die Procalcitonin-Konzentration in den ersten Lebenstagen physiologischerweise über 2 ng/ml. Die Werte fallen nach dem dritten Lebenstag rasch ab.

Die Referenzbereiche variieren labor- und methodenspezifisch und sollten dem jeweiligen Befundausdruck entnommen werden.

8 Interpretation

Procalcitonin hat eine relevante Aussagekraft für die Diagnose und Verlaufskontrolle einer systemischen bakteriellen Infektion. Sehr hohe Werte zeigen mit hoher Sensitivität und Spezifität eine Sepsis an.

Parameter Sensitivität Spezifität
PCT 80 bis 93 % 67 bis 90 %
CRP 62 bis 84 % 56 bis 77 %

8.1 Erhöhung bei Entzündungen

  • PCT-Werte von < 0,005 ng/ml geben keinen Hinweis auf eine systemische Entzündungsreaktion.
  • PCT-Werte von < 0,5 ng/ml sprechen für das Fehlen einer Entzündungsreaktion, schließen sie jedoch nicht aus.
  • Werte zwischen 0,5-2,0 ng/ml weisen auf eine mäßige systemische Entzündung hin und gelten bei Infektionsnachweis als positive Sepsisdiagnose.
  • Ein PCT-Wert von 2-10 ng/ml zeigt eine schwere systemische Entzündung mit hohem Risiko für ein Organversagen an.
  • Werte über 10 ng/ml finden sich fast nur infolge einer schweren bakteriellen Sepsis oder eines septischen Schocks. Es besteht ein hohes Letalitätsrisiko infolge eines Multiorganversagens (MODS).

Der PCT-Wert unterliegt starken interindividuellen Schwankungen, sodass von der absoluten PCT-Konzentration nicht ohne Weiteres auf die Schwere der Infektion geschlossen werden kann.

In diesem Kontext dient die PCT-Bestimmung auch der Steuerung der antibiotischen Therapie bzw. der Beurteilung des Therapieansprechens. Durch PCT-Bestimmung kann die Dauer einer Antibiotikatherapie verkürzt werden.[1]

8.2 Moderate Erhöhung

Weitere Ursachen einer meist nur moderaten Erhöhung von Procalcitonin sind:

8.3 Fehlende oder marginale Erhöhung

Die Procalcitonin-Konzentration ist nicht oder nur marginal erhöht bei:

Bei lokal begrenzten Infektionen hat Procalcitonin nur eine geringe Aussagekraft. Der klinische Nutzen von PCT ist im Hinblick auf die hohen Kosten der Bestimmung derzeit (2021) umstritten.

9 Quellen

  1. Bouadma L et al. Use of Procalcitonin to Reduce Patients' Exposure to Antibiotics in Intensive Care Units (PRORATA Trial): A Multicentre Randomised Controlled Trial, Lancet. 2010;375(9713):463–474, abgerufen am 20.04.2020
  2. Patout M, Salaün M, Brunel V, Bota S, Cauliez B, Thiberville L: Diagnostic and prognostic value of serum procalcitonin concentrations in primary lung cancers. Clin Biochem. 2014 Dec;47(18):263-7. doi: 10.1016/j.clinbiochem.2014.09.002. Epub 2014 Sep 15.
  3. Hangai S, Nannya Y, Kurokawa M.: Role of procalcitonin and C-reactive protein for discrimination between tumor fever and infection in patients with hematological diseases. Leuk Lymphoma. 2015 Apr;56(4):910-4. doi: 10.3109/10428194.2014.938329. Epub 2014 Aug 18

10 Literatur

  • Laborlexikon.de abgerufen am 27.04.2021

Diese Seite wurde zuletzt am 10. September 2021 um 08:37 Uhr bearbeitet.

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