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Retikulozyt

(Weitergeleitet von Proerythrozyt)

Synonyme: Proerythrozyt, Erythrocytus reticularis, ER
Englisch: reticulocyte

1 Definition

Als Retikulozyt wird das unmittelbare Vorstadium eines Erythrozyten bezeichnet. Er entsteht aus einem orthochromatischen Erythroblasten und wird als junger ("unreifer") Erythrozyt gewertet.

2 Histologie

Retikulozyten sind etwas größer als Erythrozyten und stellen sich in der Romanowsky-Färbung etwas bläulicher dar. Sie sind wie die Erythrozyten kernlos, enthalten aber noch Reste von Zellorganellen und RNS, die man als Substantia granulofilamentosa bezeichnet. Diese Reste lassen sich lichtmikroskopisch nach Supravitalfärbung, z.B. mit Brillantkresylblau, als feines, granuliertes Netz darstellen.

Der Retikulozyt entwickelt sich durch Entfernung des endoplasmatischen Retikulums innerhalb von vier Tagen zum reifen Erythrozyten. Dabei verweilt er noch drei Tage im Knochenmark und einen Tag im peripheren Blut.

Nach Heilmeyer werden mehrere Reifestufen unterschieden:

Reifestufe Morphologie
Stufe 0 Nukleolus
Stufe 1 Retikulum mit dichten Kumpen
Stufe 2 Locker organisiertes Retikulum
Stufe 3 Diffus organisiertes Retikulum
Stufe 4 Einige verstreute Granula (mindestens 2)

Dabei müssen die Granula fern vom Zellrand liegen, um sie von Heinz-Körpern zu differenzieren.

Nach Sistieren der Hämoglobinsynthese und Kernausstoßung ist der Retikulozyt zum reifen Erythrozyten geworden.

3 Material

Für die Untersuchung werden 2 ml EDTA-Blut benötigt.

4 Referenzbereich

Der Anteil der Retikulozyten im peripheren Blut liegt bei Erwachsenen bei etwa 0,5 -1,5% (entsprechend 30.000–80.000 Zellen/µl Blut).

Referenzwerte für Kinder sind:

Alter Retikulozyten [in % der Erys]
1. Lebenstag 1,5-6,5
3. Lebenstag 1,3-6,0
5. Lebenstag 1,0-5,0
7. Lebenstag 0,5-1,5
1-4 Wochen 0,3-1,3
2 Monate 0,3-1,5
3 Monate 1,0-3,5
4 Monate 0,5-2,5
6 Monate-1 Jahr 0,3-1,3
2-12 Jahre 0,1-1,3
13-17 J., männlich 0,1-1,3
13-17 J., weiblich 1,0-1,5

5 Interpretation

5.1 Erhöhte Werte

Das vermehrte Auftreten von Retikulozyten im Blut bezeichnet man als Retikulozytose. Sie ist das Zeichen einer gesteigerten Erythropoese (hyperregeneratorische Anämien) z.B. nach Blutverlusten oder Hämolysen. Ferner kann sie auftreten bei:

5.2 Erniedrigte Werte

Erniedrigte Werte sprechen für eine verminderte Erythropoese (hyporegeneratorische Anämien) z.B. bei:

6 Differentialdiagnostik

Zur Differentialdiagnose von Anämien können folgende Retikulozyten-abhängige Parameter bestimmt werden:

Diese Seite wurde zuletzt am 26. April 2021 um 06:58 Uhr bearbeitet.

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