Posttransplantations-Cholangiopathie
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
LoslegenWir werden ihn in Kürze redaktionell checken.
Wir werden ihn in Kürze redaktionell checken.
Englisch: post-transplant cholangiopathy, PTC
Definition
Die Posttransplantations-Cholangiopathie bezeichnet Schädigungen des Gallengangsystems nach Lebertransplantation, die außerhalb der biliären Anastomose bei intakter Gefäßversorgung auftreten. Das Spektrum umfasst insbesondere nicht-anastomotische Strikturen, Gallengangsschäden, biliäre Casts und intrahepatische Bilome.
Nach der aktuellen BileducTx-Konsensusklassifikation wird zwischen einer intrahepatischen und einer hilären Posttransplantations-Cholangiopathie unterschieden. Die Klassifikation umfasst eine klinische Schweregradeinteilung von Grad 1 bis 5. Anastomosenstrikturen und Galleleckagen im Bereich der Anastomose werden dagegen separat klassifiziert.
Ätiologie und Risikofaktoren
Zu den Risikofaktoren zählen eine verlängerte kalte oder warme Ischämiezeit sowie Transplantate von Spendern nach Kreislaufstillstand. Auch immunologische Empfängerfaktoren können zur Entstehung beitragen.
Pathophysiologie
Die Entstehung ist multifaktoriell. Eine wesentliche Rolle spielen Ischämie-Reperfusionsschäden der Cholangiozyten, des peribiliären Gefäßplexus und der peribiliären Drüsen. Eine unzureichende Regeneration des Gallengangsepithels sowie die Toxizität von Gallensäuren können die Schädigung weiter verstärken. Daneben sind insbesondere bei später auftretenden Formen auch immunologische Mechanismen beschrieben.
Klinik
Klinisch kann sich die Erkrankung durch Cholestase, Ikterus und rezidivierende Cholangitiden manifestieren. Morphologisch können Strikturen, biliäre Casts, Sludge, Bilome und ein fortschreitender Verlust von Gallengängen auftreten.
Diagnostik
Laborchemisch weisen erhöhte Cholestaseparameter auf eine biliäre Komplikation hin. Sonographie und Dopplersonographie dienen als initiale Bildgebung und zum Ausschluss vaskulärer Komplikationen. Bei Verdacht auf eine biliäre Komplikation ist die MRCP die bevorzugte nichtinvasive Bildgebung. Eine ERCP erfolgt bei Interventionsbedarf.
Differenzialdiagnostisch müssen Anastomosenkomplikationen, arterielle Minderperfusion, ein Rezidiv einer primär sklerosierenden Cholangitis und eine chronische Abstoßung ausgeschlossen werden.
Therapie
Leichte Verläufe können konservativ behandelt werden. Endoskopische Verfahren umfassen Cast-Extraktion, Ballondilatation und Stenteinlage. Bei Versagen kommen perkutane Verfahren infrage. Bei diffusen Veränderungen kann eine Retransplantation indiziert sein.
Terminologie
Historisch wurden unter anderem die Begriffe Non-anastomotic biliary strictures (NAS), Ischemic-Type Biliary Lesions (ITBL) und ischämische Cholangiopathie verwendet. Da sich die zugrunde liegende Ursache anhand des klinischen und cholangiographischen Bildes häufig nicht eindeutig bestimmen lässt, empfiehlt der BileducTx-Konsensus den übergeordneten Begriff Posttransplantations-Cholangiopathie.
Literatur
- Esser et al., Consensus classification of biliary complications after liver transplantation: guidelines from the BileducTx meeting, British Journal of Surgery, 2025
- de Vries et al., Post-transplant cholangiopathy: Classification, pathogenesis, and preventive strategies, 2018