BileducTx-Konsensusklassifikation
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Englisch: BileducTx consensus classification of biliary complications after liver transplantation
Definition
Die BileducTx-Klassifikation ist eine 2025 publizierte Konsensusklassifikation zur einheitlichen Definition, Lokalisation und Schweregradeinteilung biliärer Komplikationen nach Lebertransplantation.[1] Sie entstand aus dem internationalen BileducTx-Konsensusmeeting 2023 in Innsbruck und soll insbesondere die Vergleichbarkeit klinischer Studien verbessern.
Klassifikation
Biliäre Komplikationen werden zunächst anhand ihrer Lokalisation in drei Gruppen eingeteilt:
- Intrahepatische Posttransplantations-Cholangiopathie
- Hiläre Posttransplantations-Cholangiopathie: Beteiligung der Gallengänge bis zu den Ästen erster Ordnung, jedoch nicht der Äste zweiter Ordnung
- Anastomosenkomplikationen: getrennte Angabe als Anastomosenstriktur oder Galleleckage
Andere Komplikationen wie eine Insuffizienz des Ductus-cysticus-Stumpfes oder akzessorischer Gallengänge sollen separat dokumentiert werden. Der Konsensus empfiehlt zudem den Begriff Posttransplantations-Cholangiopathie anstelle ätiologisch enger Begriffe wie „ischemic-type biliary lesions“, sofern die arterielle Gefäßversorgung intakt ist.
Zusätzlich erfolgt eine Einteilung nach klinischem Schweregrad:
| Grad | Definition |
|---|---|
| 1 | Nur radiologischer Befund, keine Therapie („watch and wait“) |
| 2 | Medikamentöse Therapie erforderlich |
| 3a | Endoskopische oder radiologische Intervention erforderlich |
| 3b | Operative Therapie erforderlich, ausgenommen Retransplantation |
| 4 | Retransplantation erforderlich |
| 5 | Tod infolge der biliären Komplikation |
Die Einteilung orientiert sich damit konzeptionell an der Clavien-Dindo-Klassifikation, stellt jedoch eine transplantationsspezifisch modifizierte Adaptation dar.
Hintergrund
Biliäre Komplikationen treten nach Lebertransplantation relativ häufig auf, wurden in Studien jedoch bislang sehr unterschiedlich definiert. Besonders für nicht-anastomotische Strikturen (NAS) führte dies zu erheblich variierenden berichteten Inzidenzen. Die BileducTx-Klassifikation soll deshalb eine standardisierte Dokumentation ermöglichen.
Für die radiologische Schweregradeinteilung nicht-anastomotischer biliärer Strikturen wurde 2026 ergänzend die Groningen-Klassifikation klinisch evaluiert. Sie unterscheidet milde, moderate und schwere NAS und kann zur Abschätzung des Interventionsbedarfs und der Prognose herangezogen werden. Die allgemeine BileducTx-Klassifikation wird dadurch nicht ersetzt.[2]
Als einheitlichen Endpunkt empfiehlt der Konsensus die Erfassung der biliären Komplikationen 12 Monate nach Transplantation. Anzugeben ist der höchste innerhalb dieses Zeitraums aufgetretene Schweregrad. Als diagnostischer Goldstandard werden MRCP und ERCP angesehen. Arterielle Komplikationen sowie ein Rezidiv einer PSC oder eine chronische Abstoßung sollen vor der Diagnose einer Posttransplantations-Cholangiopathie ausgeschlossen werden.
Limitationen und Validierung
Die BileducTx-Klassifikation basiert auf einem strukturierten Konsensusprozess mit internationaler Expertenbeteiligung. Die Konsensusmethodik folgte einem modifizierten Delphi-Verfahren mit mehreren Abstimmungsrunden.
Eine prospektive externe Validierung der Klassifikation steht noch aus. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Klassifikation primär für die Standardisierung in klinischen Studien entwickelt wurde und ihre prognostische Aussagekraft noch evaluiert werden muss. Zudem ist die Anwendbarkeit auf pädiatrische Lebertransplantationen und Lebendspenden gesondert zu prüfen, da diese Populationen im Konsensusprozess unterrepräsentiert waren.
Quellen
- ↑ Esser et al., Consensus classification of biliary complications after liver transplantation: guidelines from the BileducTx meeting, British Journal of Surgery, 2025
- ↑ Endo et al., Radiological classification of non-anastomotic biliary strictures after liver transplantation, European Radiology, 2026