BileducTx-Konsensusklassifikation
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LoslegenEnglisch: BileducTx consensus classification of biliary complications after liver transplantation
Definition
Die BileducTx-Klassifikation ist eine 2025 publizierte Konsensusklassifikation zur Schweregradeinteilung biliärer Komplikationen nach Lebertransplantation.[1] Sie entstand aus dem internationalen BileducTx-Konsensusmeeting 2023 in Innsbruck und soll die Vergleichbarkeit klinischer Studien verbessern.
Hintergrund
Biliäre Komplikationen treten nach Lebertransplantation relativ häufig auf, wurden in Studien jedoch bislang (2026) sehr unterschiedlich definiert. Besonders bei nicht-anastomotischen Strikturen (NAS) variieren die berichteten Inzidenzen erheblich. Die BileducTx-Klassifikation soll eine standardisierte Dokumentation ermöglichen.
Für die radiologische Schweregradeinteilung von NAS existieren mehrere etablierte Systeme, u.a. die Croome-Klassifikation (2022)[2] sowie die zuvor entwickelte Groningen-Klassifikation (mild/moderat/schwer).[3] Eine 2026 publizierte Studie verglich beide Systeme klinisch und zeigte für beide eine gute Korrelation mit dem klinischen Verlauf. Die Groningen-Klassifikation kommt ohne Verlaufsbildgebung aus und kann so den Interventionsbedarf und die Prognose schon anhand einer Einzeluntersuchung abschätzen.[4] Die allgemeine BileducTx-Klassifikation wird durch die spezifischen radiologischen NAS-Systeme nicht ersetzt.
Als einheitlichen Endpunkt empfiehlt der Konsensus die Erfassung der biliären Komplikationen 12 Monate nach Transplantation. Anzugeben ist der höchste innerhalb dieses Zeitraums aufgetretene Schweregrad. Als diagnostischer Goldstandard werden MRCP und ERCP angesehen. Arterielle Komplikationen sowie ein Rezidiv einer PSC oder eine chronische Abstoßung sollen vor der Diagnose einer Posttransplantations-Cholangiopathie ausgeschlossen werden.
Klassifikation
Biliäre Komplikationen werden zunächst anhand ihrer Lokalisation in drei Gruppen eingeteilt:
- Intrahepatische Posttransplantations-Cholangiopathie
- Hiläre Posttransplantations-Cholangiopathie: Beteiligung der Gallengänge bis zu den Ästen erster Ordnung, jedoch nicht der Äste zweiter Ordnung
- Anastomosenkomplikationen: getrennte Angabe als Anastomosenstriktur oder Galleleckage
Andere Komplikationen wie eine Insuffizienz des Ductus-cysticus-Stumpfes oder akzessorischer Gallengänge sollen separat dokumentiert werden. Der Konsensus empfiehlt zudem den Begriff Posttransplantations-Cholangiopathie anstelle ätiologisch enger Begriffe wie "Ischemic-type biliary lesions", sofern die arterielle Gefäßversorgung intakt ist.
Zusätzlich erfolgt eine Einteilung nach klinischem Schweregrad:
| Grad | Definition |
|---|---|
| 1 | Nur radiologischer Befund, keine Therapie ("watch and wait") |
| 2 | Medikamentöse Therapie erforderlich (z.B. Antibiotika, Ursodesoxycholsäure) |
| 3a | Endoskopische oder radiologische Intervention erforderlich |
| 3b | Operative Therapie erforderlich, ausgenommen Retransplantation |
| 4 | Retransplantation erforderlich |
| 5 | Tod infolge der biliären Komplikation |
Die Einteilung orientiert sich damit konzeptionell an der Clavien-Dindo-Klassifikation, ist jedoch eine transplantationsspezifisch modifizierte Adaptation.
Limitationen und Validierung
Die BileducTx-Klassifikation basiert auf einem strukturierten Konsensusprozess mit internationaler Expertenbeteiligung. Die Konsensusmethodik folgte einem modifizierten Delphi-Verfahren mit mehreren Abstimmungsrunden.
Eine prospektive externe Validierung der Klassifikation steht noch aus. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Klassifikation primär für die Standardisierung in klinischen Studien entwickelt wurde und ihre prognostische Aussagekraft noch evaluiert werden muss. Zudem ist die Anwendbarkeit auf pädiatrische Lebertransplantationen und Lebendspenden gesondert zu prüfen, da diese Populationen im Konsensusprozess unterrepräsentiert waren.
Quellen
- ↑ Esser et al., Consensus classification of biliary complications after liver transplantation: guidelines from the BileducTx meeting, Br J Surg, 2025
- ↑ Croome KP, Mathur AK, Aqel B, Yang L, Taner T, Heimbach JK, Rosen CB, Paz-Fumagalli R, Taner CB. Classification of Distinct Patterns of Ischemic Cholangiopathy Following DCD Liver Transplantation: Distinct Clinical Courses and Long-term Outcomes From a Multicenter Cohort. Transplantation. 2022 Jun 1;106(6):1206-1214. doi: 10.1097/TP.0000000000003928. Epub 2022 Aug 30. PMID: 34468429.
- ↑ de Vries, Y., von Meijenfeldt, F. A., & Porte, R. J. (2018). Post-transplant cholangiopathy: Classification, pathogenesis, and preventive strategies. Biochimica et biophysica acta-Molecular basis of disease, 1864(4 part B), 1507-1515. https://doi.org/10.1016/j.bbadis.2017.06.013
- ↑ Endo et al., Radiological classification of non-anastomotic biliary strictures after liver transplantation, Eur Radiol, 2026