Ischemic-type biliary lesion
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LoslegenEnglisch: ischemic-type biliary lesions
Definition
Als Ischemic-Type Biliary Lesions, kurz ITBL, werden nach Lebertransplantation auftretende, nicht-anastomotische Schädigungen bzw. Strikturen des Gallengangsystems bei erhaltener Durchgängigkeit der Arteria hepatica bezeichnet. Typisch sind multiple intra- und/oder extrahepatische Strikturen mit prästenotischen Dilatationen. Der Begriff "ischemic-type" verdeutlicht, dass die Veränderungen morphologisch einer ischämischen Schädigung ähneln, obwohl keine relevante Thrombose oder Stenose der Leberarterie vorliegt.[1]
Abgrenzung
ITBL sind eine Untergruppe der Nicht-anastomotischen biliären Strikturen (NAS). Während NAS auch infolge einer Thrombose oder Stenose der Arteria hepatica entstehen können, setzt die klassische Definition der ITBL eine offene Leberarterie voraus.
Terminologie
Die Bezeichnung ITBL wird zunehmend kritisch betrachtet, da sich die Ursache einer Gallengangsschädigung häufig nicht eindeutig bestimmen lässt. Die BileducTx-Konsensusklassifikation[2] empfiehlt daher bei nicht-anastomotischen biliären Veränderungen und intakter Gefäßversorgung den allgemeineren Begriff Posttransplantations-Cholangiopathie.
Pathophysiologie
Die Pathogenese ist multifaktoriell. Eine zentrale Rolle spielt eine Schädigung der Cholangiozyten und der peribiliären Mikrozirkulation während Organspende, Konservierung und Reperfusion.
Risikofaktoren
Zu den beschriebenen Risikofaktoren gehören verlängerte Warm- und Kaltischämiezeiten, ausgeprägter Ischämie-Reperfusionsschaden sowie immunologische Faktoren. Besonders relevant sind ITBL bei Lebern nach Donation after Circulatory Death (DCD).[3]
Maschinenperfusionsverfahren, insbesondere die oxygenierte hypotherme Perfusion, werden unter anderem mit dem Ziel eingesetzt, die ischämische Schädigung des Gallengangsystems zu reduzieren. Für DCD-Lebern ist eine Reduktion der ITBL-Inzidenz durch Maschinenperfusion in randomisierten Studien belegt.[4]
Klinik
ITBL können sich durch Cholestase, Ikterus und rezidivierende Cholangitiden bemerkbar machen. Im Verlauf können biliäre Casts, Sludge, Steine, Biliome und ausgeprägte Destruktionen des Gallengangsystems entstehen.[5]
Diagnostik
Die Diagnostik erfolgt gemäß der S2k-Leitlinie Lebertransplantation primär mittels Duplex-Sonographie als Erstlinienuntersuchung.[6] Bei Verdacht auf ITBL schließen sich MRCP oder ERCP an. Wichtig ist, dass eine fehlende Gallengangsdilatation eine mechanische Cholestase nicht ausschließt. Gleichzeitig muss eine relevante arterielle Perfusionsstörung ausgeschlossen werden.[5]
Therapie
Therapeutisch kommen endoskopische Dilatationen und Stenteinlagen sowie eine perkutane transhepatische Drainage (PTCD) zum Einsatz. Aufgrund des häufig diffusen Befalls sind wiederholte Interventionen notwendig. Bei therapierefraktären Strikturen, rezidivierenden Cholangitiden oder fortschreitendem Transplantatversagen kann eine Retransplantation erforderlich werden.
Prognose
Die Prognose von ITBL hängt vom Schweregrad und vom Ansprechen auf die Therapie ab. Ein relevanter Anteil der Patienten mit schwerer ITBL entwickelt trotz Therapie ein Transplantatversagen. Das Transplantatüberleben ist gegenüber Transplantaten ohne biliäre Komplikationen vermindert.[7]
Quellen
- ↑ Sanchez-Urdazpal et al., Ischemic-type biliary complications after orthotopic liver transplantation, Hepatology, 1992
- ↑ Esser et al., Consensus classification of biliary complications after liver transplantation: guidelines from the BileducTx meeting, Br J Surg, 2025
- ↑ den Dries et al., Injury to peribiliary glands and vascular plexus before liver transplantation predicts formation of non-anastomotic biliary strictures, J Hepatol, 2014
- ↑ van Rijn et al., Hypothermic Machine Perfusion in Liver Transplantation - A Randomized Trial, N Engl J Med, 2021
- ↑ 5,0 5,1 Karimian et al., Biliary complications after orthotopic liver transplantation, Curr Opin Organ Transplant, 2014
- ↑ AWMF-Leitlinie 021-029, abgerufen am 25.08.2026
- ↑ Buis et al., Causes and consequences of ischemic-type biliary lesions after liver transplantation, J Hepatobiliary Pancreat Surg, 2006