Retransplantation
Englisch: retransplantation
Definition
Die Retransplantation bezeichnet die erneute Transplantation eines weiteren Organs nach Versagen oder Verlust eines zuvor transplantierten Organs. Sie ist eine etablierte, jedoch ressourcenintensive Therapieoption und wird vor allem in der Leber- und Nierentransplantation durchgeführt.
Terminologie
Der Begriff Retransplantation wird teilweise fälschlicherweise für die Reimplantation oder Replantation von Gewebe verwendet.
Hintergrund
Retransplantationen sind technisch anspruchsvoller als Primäreingriffe. Gründe hierfür sind z.B. Verwachsungen, veränderte Anatomie und erschwerte Gefäßrekonstruktionen. Zudem ist das perioperative Risiko häufig erhöht. Auch immunologische Faktoren und der Allgemeinzustand der Patienten beeinflussen das Outcome.
Einteilung
Klinisch relevant ist die Unterscheidung zwischen
- früher Retransplantation (≤ 30 Tage nach Primärtransplantation) und
- später Retransplantation (> 30 Tage)
Beide Formen unterscheiden sich hinsichtlich Ursache, operativem Risiko und Prognose.
Indikationen
Gründe für eine Retransplantation sind je nach Organ und Zeitpunkt verschieden.
- Die Primary Non-Function (PNF) – das primäre Nichtfunktionieren des Transplantats ohne erkennbare chirurgische Ursache – ist eine typische Frühindikation und betrifft vorwiegend die Leber.
- Chronisches Transplantatversagen ist die häufigste Spätindikation und tritt organübergreifend auf; bei der Niere ist die chronische Abstoßung die führende Ursache.
- Vaskuläre Komplikationen, insbesondere Thrombosen der Leberarterie oder Pfortader, erfordern häufig eine Frühretransplantation.
- Biliäre Komplikationen wie Non-anastomotic biliary strictures (NAS) sind eine spezifische Leberindikation und entstehen oft durch ischämische Schädigung des Gallengangsystems.
Bei einem Rezidiv der Grunderkrankung – etwa einer Autoimmunhepatitis, primär sklerosierenden Cholangitis oder Glomerulonephritis im Nierentransplantat – ist die Indikation zur Retransplantation individuell und besonders sorgfältig abzuwägen. Ebenfalls zu nennen sind akute Abstoßungsreaktionen ohne ausreichendes Ansprechen auf immunsuppressive Therapie.
Die Indikationsstellung erfordert eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung unter Berücksichtigung des klinischen Zustands und der verfügbaren Organe. Allgemein anerkannte Kontraindikationen umfassen schwere unkontrollierte Infektionen, aktive Malignome außerhalb kurativ behandelter Ausnahmen sowie eine unzureichende Therapieadhärenz.
Prognose
Die Ergebnisse nach Retransplantation sind im Vergleich zur Primärtransplantation tendenziell schlechter, insbesondere bei dringlicher Indikation wie PNF. Dennoch ist sie in vielen Fällen die einzige kurative Therapieoption. Aufgrund des Organmangels ist die Indikationsstellung eng mit ethischen und allokationsrelevanten Fragestellungen verknüpft.