Nicht-anastomotische biliäre Striktur
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LoslegenEnglisch: non-anastomotic biliary stricture
Definition
Nicht-anastomotische biliäre Strikturen, kurz NAS, sind Verengungen (Strikturen) der Gallenwege, die nach einer Lebertransplantation auftreten. Sie betreffen nicht die operativ geschaffene Gallengangsanastomose, sondern treten typischerweise intrahepatisch oder entlang der extrahepatischen Gallenwege auf. NAS sind eine schwerwiegende Komplikation nach Lebertransplantationen und häufig Ausdruck einer ischämischen Schädigung des Gallengangsystems.
Hintergrund
NAS sind mit erhöhter Morbidität und reduzierter Transplantatüberlebensrate assoziiert. Ihre Prävention, insbesondere durch Optimierung der Organperfusion und Reduktion von Ischämieschäden, ist ein zentrales Ziel in der Transplantationschirurgie.
Terminologie
Die Begriffe "nicht-anastomotische biliäre Striktur" (NAS), "ischemic-type biliary lesion" (ITBL) und "ischämische Cholangiopathie" (IC) überlappen sich weitgehend, wobei die Bezeichnung "NAS" rein morphologisch ist und keine Aussagen über die Ursache der Striktur trifft. Nach neuerer Empfehlung soll bevorzugt der Obergriff "Posttransplantations-Cholangiopathie" verwendet werden.
Epidemiologie
Die Häufigkeit von NAS variiert in Abhängigkeit von Nachbeobachtungszeit und Art des Lebertransplantats. Eine Metaanalyse von 19 Studien mit mehr als 8.000 erwachsenen Transplantatempfängern ermittelte eine Gesamtinzidenz von etwa 8 %.[1]
Pathophysiologie
Die Entstehung von NAS ist multifaktoriell, wobei die Ischämie der biliären Mikroversorgung eine zentrale Rolle spielt. Die im Gegensatz zum Leberparenchym ausschließlich arteriell versorgten Gallengänge sind besonders anfällig für Durchblutungsstörungen.
Risikofaktoren sind insbesondere verlängerte Ischämiezeiten, Organe nach Donation after Circulatory Death, arterielle Komplikationen (z. B. Thrombose der A. hepatica), sowie schwere Ischämie-Reperfusionsschäden. Auch immunologische Faktoren und Infektionen können zur Entstehung beitragen.
Diagnostik
Klinisch manifestieren sich NAS meist durch eine Cholestase. Die Diagnostik umfasst die Bestimmung der Cholestaseparameter (Alkalische Phosphatase, Gamma-GT, Serumbilirubin) und bildgebende Verfahren wie Sonographie und Dopplersonographie der Lebergefäße. In der MRCP zeigen sich typischerweise multiple segmentale Strikturen mit dazwischenliegenden normal weiten oder dilatierten Gallengangabschnitten („Beading Pattern“).
Therapie
Die Therapie ist häufig komplex und umfasst endoskopisch-interventionelle Verfahren wie eine ERCP mit Dilatation und Stenteinlage. Im Gegensatz zu anastomotischen Strikturen sprechen NAS oft schlechter auf diese Maßnahmen an. In schweren Fällen kann eine Retransplantation erforderlich werden.
Literatur
- Michael FA, et al: Treatment of Non-Anastomotic Biliary Strictures after Liver Transplantation: How Effective Is Our Current Treatment Strategy? J Clin Med. 2023 May 16;12(10):3491. doi: 10.3390/jcm12103491. PMID: 37240598; PMCID: PMC10219240.
Quellen
- ↑ Fasullo M et al. Prognostic Factors for Non-anastomotic Biliary Strictures Following Adult Liver Transplantation: A Systematic Review and Meta-Analysis. Dig Dis Sci. 2023;68(6):2683-2694.