Morbus Morquio
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Loslegennach dem uruguayischen Kinderarzt Luis Morquio (1867–1935)
Synonyme: Morquio-Syndrom, Morquio-Krankheit, Mukopolysaccharidose Typ IV, MPS IV
Englisch: Morquio syndrome, mucopolysaccharidosis type IV
Definition
Der Morbus Morquio ist eine sehr seltene, angeborene Stoffwechselstörung aus der Familie der Mukopolysaccharidosen, die meist mit Symptomen wie X-Beinen und Minderwuchs einhergeht.
Einteilung
Je nach Enzymdefekt unterscheidet man zwei Formen:
Morbus Morquio Typ A
Verantwortlich für diese etwas häufiger auftretende Form ist ein Mangel an N-Acetyl-Galaktosamin-6-Sulfat-Sulfatase (GALNS). Das Enzym wird auf dem Genlokus 16q24.3 durch das Gen GALNS kodiert.
Morbus Morquio Typ B
Dieser Form liegt ein Mangel an β-Galaktosidase zugrunde, die auf dem Genlokus 3p22.3 über das Gen GLB1 kodiert wird.
Ätiologie
Die Stoffwechselstörung wird autosomal-rezessiv vererbt. Beim häufigeren Typ A sind mehrere hundert Allele des GALNS-Gens bekannt, die mit der Erkrankung assoziiert sind.[1] Eine Sammelauswertung beschreibt 446 verschiedene Varianten.[2] Die hohe Variabilität der Mutationen erklärt die Vielfältigkeit der Symptome.
Pathophysiologie
Das defekte Enzym kann körpereigene Glykosaminoglykane nicht mehr ausreichend spalten, sodass es zur lysosomalen Speicherung von Spaltprodukten kommt. Betroffen sind vor allem Knochen, Knorpel und die extrazelluläre Matrix, woraus die charakteristische Skelettdysplasie resultiert. Daneben kommt es zu Multiorganbeteiligung (u.a. Atemwege, Herz, Augen).[3] Beim Typ A akkumulieren Keratansulfat und Chondroitin-6-Sulfat, beim Typ B Keratansulfat. Diese werden vermehrt im Urin ausgeschieden.[3]
Symptome
Äußerer Aspekt
- Minderwuchs mit einer Endgröße von maximal 120 cm
- typische, an Wasserspeier erinnernde Gesichtsform und kurzer Hals
- Kielbrust (Pectus carinatum), seltener Trichterbrust
- Hypermobilität der Gelenke
- X-Beine (Genua valga)
Skelett
- spondyläre Dysplasie
- abgeflachte Wirbelkörper (Platyspondylie)
- unvollständig ausgebildeter und unzureichend fixierter Dens axis (atlantoaxiale Subluxation)
- Hypoplasie des Os ilium
- epiphysäre Dysplasie des Oberschenkelkopfes
- Achsenfehlstellung des Oberschenkelkopfes (Coxa valga)
Augen und Zähne
- Hornhauttrübungen
- defekter Zahnschmelz
Diagnostik
Richtungsweisend sind die erhöhte Ausscheidung der Spaltprodukte sowie die röntgenologische Untersuchung der Skelettveränderungen. Die definitive Diagnose liefert der molekularbiologische Nachweis des Gendefekts.[3]
Bei bekannter Genveränderung innerhalb einer Familie besteht während einer Schwangerschaft die Möglichkeit der Pränataldiagnostik mittels Chorionzottenbiopsie oder Amniozentese.
Therapie
Symptomatische Behandlung
Im Vordergrund steht die symptomatische Behandlung der Skelettanomalien, z.B. durch Prothesen, Wirbelfusion der Halswirbel und Krankengymnastik. Wichtig ist die Versorgung mit Hilfsmitteln wie Hörgeräten und getönten Brillengläsern. Vorbeugend werden empfohlen:
- gründliche Zahnpflege
- ggf. Tonsillektomie und Polypektomie zur Vermeidung von Atemwegsinfektionen
- regelmäßige Ultraschalluntersuchungen des Herzens
Enzymersatztherapie
Seit 2014 steht mit Elosulfase alfa (rekombinante humane GALNS) eine zugelassene Enzymersatztherapie für den Typ A zur Verfügung. Sie wird wöchentlich intravenös verabreicht.[4] Aufgrund der raschen Clearance und der schlechten Penetration in den avaskulären Knorpel ist der Effekt der Enzymersatztherapie auf die Skelettpathologie begrenzt.[3]
Weitere Ansätze
Eine hämatopoetische Stammzelltransplantation kommt in Einzelfällen in Betracht. Gentherapeutische Ansätze befinden sich derzeit (2026) in präklinischer bzw. früher klinischer Erprobung.[5]
Prognose
Der Verlauf ist abhängig vom Schweregrad und Phänotyp. Während Betroffene mit attenuierten Formen häufig das Erwachsenenalter erreichen, ist die Lebenserwartung bei schweren Phänotypen durch respiratorische und kardiale Komplikationen sowie atlantoaxiale Instabilität deutlich reduziert.[3]
Quellen
- ↑ OMIM – Mucopolysaccharidosis type IVA, abgerufen am 17.11.2022
- ↑ Zanetti A et al. Molecular basis of mucopolysaccharidosis IVA (Morquio A syndrome): A review and classification of GALNS gene variants and reporting of 68 novel variants. Hum Mutat. 2021;42(11):1384-1398.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 Sawamoto K et al. Mucopolysaccharidosis IVA: Diagnosis, Treatment, and Management. Int J Mol Sci. 2020;21(4):1517.
- ↑ Hendriksz CJ. Elosulfase alfa (BMN 110) for the treatment of mucopolysaccharidosis IVA (Morquio A Syndrome). Expert Rev Clin Pharmacol. 2016;9(12):1521-1532.
- ↑ Leal AF, Pachajoa H. Recent advances in mucopolysaccharidosis IVA treatment. Orphanet J Rare Dis. 2025;20(1):512.
Literatur
- Morrone A et al. Morquio A syndrome-associated mutations: a review of alterations in the GALNS gene and a new locus-specific database. Hum Mutat. 2014.