Lancefield-Klassifikation
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Loslegennach der amerikanischen Mikrobiologin Rebecca C. Lancefield (1895–1981)
Synonyme: Lancefield-Gruppen, Lancefield-Gruppierung
Englisch: Lancefield grouping
Definition
Die Lancefield-Klassifikation ist ein serologisches Einteilungsverfahren für Streptokokken und verwandte grampositive Kokken. Sie beruht auf gruppenspezifischen Kohlenhydratantigenen der Bakterienzellwand, meist dem C-Polysaccharid. Diese Antigene werden durch spezifische Antikörper erkannt und so einer Serogruppe zugeordnet.
Geschichte
Rebecca Lancefield beschrieb das Verfahren 1933. Sie extrahierte die Zellwandantigene hämolysierender Streptokokken mit Säure und wies sie mit spezifischen Antiseren durch Präzipitation nach.[1]
Aufbau
In der Lancefield-Klassifikation werden die Serogruppen mit Großbuchstaben bezeichnet. Den Kern der Klassifikation bilden die Gruppen A bis H und K bis V. Weitere Gruppen (W bis Z) gelten als provisorisch. Bei den Gruppen D und N ist das Gruppenantigen kein Polysaccharid, sondern eine an die Zellwand gebundene Teichonsäure.
Die Lancefield-Klassifikation wird weiterhin zur serologischen Gruppierung insbesondere β-hämolysierender Streptokokken verwendet. Sie ersetzt jedoch keine zuverlässige Speziesidentifizierung. Gruppenantigene sind nicht artspezifisch: Dieselbe Gruppe kann verschiedene Arten umfassen, und eine Art kann unterschiedliche Gruppenantigene tragen. So exprimieren manche Stämme von Streptococcus dysgalactiae subsp. equisimilis das A-Antigen, und Vertreter der Streptococcus-anginosus-Gruppe können die Antigene A, C, F oder G tragen.[2]
Methode
Die Gruppenbestimmung erfolgt im mikrobiologischen Labor meist mit kommerziellen Testkits zur Latexpartikel-Agglutination. Dazu wird das Gruppenantigen aus Kolonienmaterial extrahiert und mit antikörperbeladenen Latexpartikeln gemischt. Eine sichtbare Verklumpung zeigt eine positive Reaktion an. Getestet werden nur Einzelkolonien, die nach Koloniemorphologie, Gramfärbung (grampositive Kokken in Ketten oder Paaren) und negativem Katalasetest als Streptokokken in Frage kommen.[2]
Ergänzend wird das Hämolyseverhalten auf Blutagar beurteilt, am deutlichsten auf Schafblutagar. Da Kreuzreaktionen vorkommen, ist das Ergebnis stets zusammen mit Koloniemorphologie, Hämolyse und klinischem Kontext zu interpretieren.[2]
Klinische Bedeutung
In der Routinediagnostik ist die MALDI-TOF-Massenspektrometrie heute die primäre Methode zur Identifizierung von Streptokokken. Die Lancefield-Gruppierung ist vor allem bei β-hämolysierenden Isolaten weiterhin wichtig, da MALDI-TOF die Gruppen A, C und G sowie Streptococcus dysgalactiae und Streptococcus canis nicht immer sicher trennt.[2]
Bei bestimmten Fragestellungen kann die Gruppierung allein ausreichen, etwa beim Nachweis von Gruppe-A-Streptokokken im Rachenabstrich oder von Gruppe-B-Streptokokken im vaginalen Screening. Isolate aus Blutkulturen und anderen normalerweise sterilen Materialien sollen dagegen bis zur Art identifiziert werden. Da die Gruppen C, G und F mehrere Arten mit unterschiedlicher Pathogenität umfassen, wird empfohlen, die Art zusammen mit der Lancefield-Gruppe zu berichten.[2]
Einteilung
Die folgende Tabelle zeigt wichtige Gruppen der Lancefield-Klassifikation:
| Gruppe | Wichtige Vertreter | Humanpathogenität | Hämolyse |
|---|---|---|---|
| A | Streptococcus pyogenes; selten Streptococcus dysgalactiae subsp. equisimilis, Streptococcus-anginosus-Gruppe | ja | β-Hämolyse |
| B | Streptococcus agalactiae | ja | β-Hämolyse (wenige Stämme nicht hämolysierend) |
| C | Streptococcus dysgalactiae subsp. equisimilis, Streptococcus equi subsp. zooepidemicus, Streptococcus equi subsp. equi | ja (Streptococcus equi überwiegend tierpathogen, Streptococcus equi subsp. zooepidemicus zoonotisch) | meist β-Hämolyse |
| D | Streptococcus-bovis/Streptococcus-equinus-Komplex (SBSEC), historisch auch Enterokokken | fakultativ pathogen (Bakteriämie, Endokarditis; Assoziation mit kolorektalem Karzinom) | α-Hämolyse oder γ-Hämolyse |
| F | Streptococcus-anginosus-Gruppe (Streptococcus anginosus, Streptococcus constellatus, Streptococcus intermedius) | ja (Abszesse) | variabel |
| G | Streptococcus dysgalactiae subsp. equisimilis und Streptococcus canis (große Kolonien); Streptococcus-anginosus-Gruppe (kleine Kolonien) | ja | β-Hämolyse (S.-anginosus-Gruppe variabel) |
| H | Streptococcus sanguinis (früher Streptococcus sanguis)[3] | fakultativ pathogen (Endokarditis) | α-Hämolyse |
| K | Streptococcus salivarius | fakultativ pathogen | α-Hämolyse |
| N | Lactococcus lactis (früher Streptococcus lactis)[4] | selten opportunistisch | α- oder γ-Hämolyse |
| R, S, T | Streptococcus suis | zoonotisch (Meningitis, Bakteriämie) | α-Hämolyse (Schafblut) |
Ein Teil der Viridans-Streptokokken, etwa Streptococcus mitis, Streptococcus oralis und Streptococcus mutans, besitzt kein gruppenspezifisches Antigen und lässt sich nicht in die Lancefield-Gruppierung einordnen. Auch Streptococcus pneumoniae ist nicht gruppierbar. Andere Viridans-Streptokokken wie Streptococcus sanguinis (Gruppe H) und Streptococcus salivarius (Gruppe K) tragen dagegen ein Gruppenantigen.[2]
Enterococcus faecalis und Enterococcus faecium tragen ebenfalls das D-Antigen und wurden früher den Streptokokken der Gruppe D zugerechnet. Seit 1984 werden sie der eigenständigen Gattung Enterococcus zugeordnet.[2][5]
Quellen
- ↑ Lancefield RC. A serological differentiation of human and other groups of hemolytic streptococci. J Exp Med. 1933;57(4):571–595.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 UK Health Security Agency. UK Standards for Microbiology Investigations. ID 4: Identification of Streptococcus species, Enterococcus species and morphologically similar organisms. Ausgabe 5. 2026
- ↑ LPSN – Species: Streptococcus sanguinis, abgerufen am 05.10.2026
- ↑ LPSN – Species: Streptococcus lactis, abgerufen am 05.10.2026
- ↑ LPSN – List of Prokaryotic names with Standing in Nomenclature. Family: Enterococcaceae, abgerufen am 05.10.2026