Inflammatorische zerebrale Amyloidangiopathie
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LoslegenSynonyme: entzündliche zerebrale Amyloidangiopathie, inflammatorische CAA
Englisch: inflammatory cerebral amyloid angiopathy
Definition
Die inflammatorische zerebrale Amyloidangiopathie bezeichnet seltene entzündliche Formen der zerebralen Amyloidangiopathie (CAA), bei denen eine autoimmune Entzündungsreaktion gegen zerebrovaskuläre Beta-Amyloid-Ablagerungen auftritt.
Einteilung
Die inflammatorische CAA umfasst zwei histopathologische Subtypen:
- Zerebrale Amyloidangiopathie-assoziierte Inflammation (CAA-ri): perivaskuläre, nicht-destruktive lymphozytäre Infiltrate um amyloidbeladene Gefäße
- Amyloid-β-assoziierte Angiitis (ABRA): transmurale, granulomatöse Vaskulitis mit destruktiven Gefäßwandveränderungen
Beide Formen können koexistieren und sind ein Spektrum derselben Erkrankung. Die Nomenklatur wird in der Literatur uneinheitlich geführt.
Epidemiologie
Die inflammatorische CAA ist eine seltene Entität und manifestiert sich typischerweise jenseits des 60. Lebensjahres. Ein Großteil der Patienten weist den homozygoten APOE-ε4/ε4-Genotyp auf. In publizierten Kohorten liegt dessen Anteil bei etwa 42–59 % und damit deutlich über der Allgemeinbevölkerung.[1]
Pathophysiologie
Pathogenetisch wird eine autoimmune Entzündungsreaktion gegen vaskulär abgelagertes Beta-Amyloid angenommen, die sich u.a. in erhöhten Anti-Aβ-Autoantikörpern im Liquor widerspiegelt. Die inflammatorische CAA gilt zudem als spontanes humanes Modell der ARIA-E, wie sie unter Anti-Aβ-Immuntherapien auftritt.[1]
Klinik
Der Verlauf ist subakut über Wochen bis Monate mit kognitiver Verschlechterung, fokal-neurologischen Defiziten, Enzephalopathie, epileptischen Anfällen und Kopfschmerzen.
Diagnostik
Die Diagnose basiert auf der Kombination aus subakuter klinischer Symptomatik, charakteristischen MRT-Veränderungen und dem Ausschluss anderer Ursachen. Für die CAA-ri stehen die klinisch-radiologischen Auriel-Kriterien zur Verfügung, die eine Einordnung als wahrscheinliche oder mögliche CAA-ri ohne Hirnbiopsie ermöglichen.[2] Erforderlich sind alle fünf Kriterien:
| Kriterium | Mögliche CAA-ri | Wahrscheinliche CAA-ri |
|---|---|---|
| Alter | ≥ 40 Jahre | identisch |
| Klinik | ≥ 1 Merkmal: Kopfschmerz, Bewusstseinsminderung, Wesensänderung, fokal-neurologische Zeichen oder Anfälle – nicht direkt einer akuten ICB zuzuordnen | identisch |
| Marklagerveränderungen (MRT) | Unifokale oder multifokale Marklagerläsionen, kortikosubkortikal oder im tiefen Marklager gelegen, die jeweils bis ins unmittelbar subkortikale Marklager reichen | zusätzlich: die Marklagerläsionen müssen asymmetrisch verteilt sein (Asymmetrie nicht durch frühere intrazerebrale Blutung erklärbar) |
| Hämorrhagische Läsionen | ≥ 1 kortikosubkortikale hämorrhagische Läsion: Makroblutung, Mikroblutung oder kortikale superfizielle Siderose | identisch |
| Ausschluss von Differentialdiagnosen | Fehlen einer neoplastischen, infektiösen oder anderen Ursache | identisch |
Die Sensitivität beider Kriteriensätze beträgt 82 %. Die Spezifität für mögliche CAA-ri liegt bei 68 %, für wahrscheinliche CAA-ri bei 97 %.
Die Marklagerhyperintensitäten entsprechen meist einem vasogenen Ödem. Eine leptomeningeale oder parenchymale Kontrastmittelaufnahme findet sich bei einem Teil der Patienten, ist jedoch weder obligat noch spezifisch. Ischämische Läsionen können ebenfalls auftreten.
Die Unterscheidung zwischen CAA-ri im engeren Sinne (perivaskuläre, nicht-destruktive Entzündung) und ABRA (transmurale, oft granulomatöse Vaskulitis) ist nur histopathologisch möglich. Beide werden klinisch als entzündliche CAA zusammengefasst und gleich behandelt.
Liquordiagnostik
Der Liquorbefund ist unspezifisch. Eine Eiweißerhöhung ist der häufigste Befund (je nach Kohorte 60–92 %), eine lymphozytäre Pleozytose findet sich bei etwa einem Viertel der Fälle und ist i.d.R. leichtgradig.[3][4][5]
Hirnbiopsie
Die definitive Diagnose erfordert den histopathologischen Nachweis von Amyloidablagerungen in kortikalen oder leptomeningealen Gefäßen in Verbindung mit perivaskulären Entzündungsinfiltraten bei der CAA-ri beziehungsweise einer transmuralen, häufig granulomatösen und gefäßwanddestruierenden Entzündung bei der ABRA.
Differentialdiagnosen
Therapie
Die Behandlung erfolgt durch Immunsuppression mit Kortikosteroiden (Methylprednisolon-Pulstherapie 500–1000 mg/Tag i.v. über 3–5 Tage, gefolgt von oralem Prednisolon mit Ausschleichschema über 3–6 Monate). Eine radiologische Remission tritt meist innerhalb von 4–6 Wochen, eine klinische Remission innerhalb von 3 Monaten ein. Bei Rezidiven kommen Cyclophosphamid, Azathioprin, Mycophenolat-Mofetil oder Rituximab zum Einsatz. Randomisierte kontrollierte Studien liegen bislang (2026) nicht vor.
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Prognose
Die Mehrzahl der Patienten zeigt unter Kortikosteroiden eine klinische und radiologische Besserung. Rezidive treten je nach Kohorte bei etwa 20–40 % der Patienten auf, meist nach Beendigung oder Reduktion der Immunsuppression, weshalb ein langsames Ausschleichen empfohlen wird.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Theodorou A et al. Cerebral Amyloid Angiopathy–Related Inflammation: A Single-Center Experience and a Literature Review. J Clin Med. 2022.
- ↑ Auriel E et al. Validation of Clinicoradiological Criteria for the Diagnosis of Cerebral Amyloid Angiopathy–Related Inflammation. JAMA Neurol. 2016;73(2):197–202.
- ↑ Todd R et al. Epidemiologic, Clinical, and Radiologic Study of Cerebral Amyloid Angiopathy–Related Inflammation in Northern Ireland. Neurology. 2025.
- ↑ Regenhardt RW et al. Association Between Immunosuppressive Treatment and Outcomes of Cerebral Amyloid Angiopathy–Related Inflammation. JAMA Neurol. 2020.
- ↑ Grangeon L et al. Cerebral Amyloid Angiopathy–Related Inflammation and Biopsy-Positive Primary Angiitis of the CNS: A Comparative Study. Neurology. 2024.