Hauttransplantation
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LoslegenSynonyme: Hautverpflanzung, Dermatoplastik
Englisch: skin graft, skin grafting, skin transplantation
Definition
Die Hauttransplantation ist ein Basisverfahren der plastischen Chirurgie und eine der am häufigsten angewendeten Methoden der Defektdeckung. Dabei wird zerstörte Haut durch ein freies Transplantat ersetzt, das vorübergehend vollständig von der Durchblutung getrennt ist.
Hintergrund
Innerhalb der rekonstruktiven Stufenleiter steht das Verfahren auf einer niedrigen Stufe: Es kommt zum Einsatz, wenn ein direkter Wundverschluss durch Adaptation der Wundränder nicht mehr möglich, eine aufwendigere Lappenplastik aber noch nicht erforderlich ist. Typische Indikationen sind oberflächliche und ausgedehnte Defekte, etwa nach Verbrennungen.
Voraussetzungen
Die Wahl des Hauttransplantats hängt von Größe, Lokalisation und Beschaffenheit des Defekts ab. Optimale Bedingungen bestehen bei einem Wundgrund mit guter Durchblutung, geringer Sekretion und ebenmäßiger Struktur. Als Empfängerbett eignen sich besonders Muskeln, Granulationsgewebe und Periost. Weniger gut geeignet sind Fettgewebe, Knorpel und Sehnen. Das ästhetische Ergebnis fällt umso besser aus, je näher das Spenderareal am Empfängerareal liegt.
Ein nicht transplantierbares Wundbett wird zunächst durch Débridement, Nekrektomie oder Wundkonditionierung vorbereitet. Bei thermischen Verletzungen sollte die Defektdeckung möglichst früh erfolgen. Die Rekonstruktionsplanung berücksichtigt dabei funktionelle, ästhetische und biomechanische Anforderungen.[1] Bei schwerheilenden oder chronischen Wunden aufgrund einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, eines Diabetes mellitus oder einer chronischen venösen Insuffizienz muss regelmäßig geprüft werden, ob ein chirurgischer Wundverschluss durch eine Hauttransplantation möglich ist.[2]
Kontraindikationen
Freie Hauttransplantate heilen nur auf gut durchblutetem Gewebe ein. Gegen eine Hauttransplantation sprechen daher:
- freiliegender Knochen ohne Periost, Knorpel ohne Perichondrium und Sehnen ohne Paratenon
- freiliegende Nerven, Gefäße, Implantate oder Osteosynthesematerial
- klinisch infiziertes Wundbett
- kritische Perfusion des Empfängerareals
- bestrahltes oder narbig-avaskuläres Gewebe
In diesen Fällen ist eine Lappenplastik erforderlich, die eigenes durchblutetes Gewebe einbringt.
Bei Nachweis β-hämolysierender Streptokokken im Wundabstrich darf nicht transplantiert werden – diese Erreger führen regelhaft zum vollständigen Transplantatverlust.
Transplantatarten
Vollhauttransplantate
Vollhauttransplantate bestehen aus autologer Epidermis und der gesamten Dermis einschließlich der Hautanhangsgebilde wie Haarfollikeln, Talg- und Schweißdrüsen. Ihre Dicke beträgt je nach Entnahmeregion etwa 0,8–1,1 mm.[3] Da im Spenderareal keine epithelialen Zellreste verbleiben, epithelisiert die Entnahmestelle nicht spontan und muss durch Wundrandadaptation verschlossen werden. Transplantierbar sind daher nur kleinere Hautareale. Als Spenderareale dienen bevorzugt die Leiste, die Oberarminnenseite sowie retroaurikuläre und supraklavikuläre Regionen.
Indikation
Vollhauttransplantate kommen vor allem bei mechanisch und motorisch belasteten Defekten zum Einsatz, also z.B. an Hand, Fuß sowie im Gesicht- und Halsbereich. Eingeheilte Transplantate bieten funktionell und ästhetisch eine gute Hautqualität. Sie behalten weitgehend ihre ursprüngliche Farbe und Textur und schrumpfen sekundär nur wenig. Eine Metaanalyse zu kindlichen Handverbrennungen zeigte für Vollhaut gegenüber Spalthaut signifikant seltenere Kontrakturen und Sekundäreingriffe.[4]
Technik
Der Operateur markiert das Transplantat mithilfe einer Schablone, entnimmt es und entfernt anschließend das anhaftende subkutane Fettgewebe vollständig. Gegebenenfalls setzt er mit dem Skalpell kleine Schlitze ein ("pie crust"), um den späteren Sekretabfluss zu erleichtern. In der Empfängerregion wird das Transplantat in die Wundränder eingenäht und mit einem Kompressen-Schaumstoffverband oder einem Überknüpfverband für etwa 5 Tage fixiert.
Spalthauttransplantate
Spalthauttransplantate lassen sich in unterschiedlicher Dicke entnehmen. Sie messen meist 0,2–0,5 mm, gegebenenfalls auch bis 0,75 mm, und umfassen damit die Epidermis sowie den oberen Anteil der Dermis.[3] Die tieferen Abschnitte der Hautanhangsgebilde verbleiben im Spenderareal und dienen als Ausgangspunkt der Reepithelialisierung. Die Entnahmestelle heilt daher spontan ab – je nach Entnahmedicke und Nachbehandlung meist innerhalb von 1–3 Wochen.[5] Anschließend kann dasselbe Areal erneut zur Transplantatgewinnung genutzt werden, in der Regel jedoch nicht mehr als zwei- bis dreimal. Die Entnahme erfolgt mit speziellen Messern, etwa dem Humby-Messer, dem Trommeldermatom nach Padgett oder einem druck- beziehungsweise strombetriebenen oszillierenden Messer nach Brown.
Indikation
Spalthaut wird hauptsächlich bei gut durchbluteten, infektfreien Defekten ohne freiliegende bradytrophe Strukturen verwendet. Transplantierbar sind nahezu unbegrenzte Mengen von der gesamten Körperoberfläche. Das Verfahren eignet sich daher für großflächige Wunden und Verbrennungen, zur schnellen Wundheilung sowie zur Sofortdeckung nach Entfernung von Melanomen. Nachteilig sind die im Vergleich zur Vollhaut deutlich stärkere sekundäre Schrumpfung sowie die geringere Farb- und Texturqualität.
Technik
Das Transplantat wird mit dem Dermatom entnommen. Da dabei die dermalen Kapillarnetze durchtrennt werden, schließt sich meist eine Blutstillung des Spenderareals mit adstringierenden Substanzen an. Bei ausgedehnter Entnahme lassen sich die Spenderstellen vorab mit Epinephrin-haltiger Kochsalzlösung unterspritzen, um den Blutverlust zu minimieren. Die Spenderstelle wird anschließend mit einer geeigneten Wundauflage versorgt. Das Hauttransplantat wird aufgespannt und meist mit Hautklammern oder Gewebekleber fixiert. Eine Vakuumtherapie oder ein Überknüpfverband sichern die gleichmäßige Adhäsion auf dem Wundbett. Die Unterdrucktherapie ist hierfür das am besten untersuchte Verfahren.[6]
Maschentransplantat (Meshgraft)
Unter einem Meshgraft versteht man Spalthaut, die maschinell durch Stichinzisionen in ein Netz umgewandelt wird (englisch „mesh"). Das Meshen verfolgt drei Ziele: Es vergrößert die deckbare Fläche, ermöglicht den Abfluss von Wundexsudat und erlaubt die Anpassung an unebene Wundflächen. Gebräuchlich sind Expansionsverhältnisse von 1:1,5 bis 1:3. Das real erreichte Flächenverhältnis liegt dabei deutlich unter dem nominellen Schnittverhältnis des Meshgeräts. Meshgrafts werden vor allem bei großflächigen Verbrennungen mit begrenztem Angebot an gesunden Spenderstellen sowie bei stark sezernierenden Wunden eingesetzt.[1] Nachteilig sind das dauerhaft sichtbare Netzmuster und die stärkere Narbenbildung.
Eine Sonderform ist die Meek-Technik. Hierbei werden Spalthauttransplantate mit einer Schablone in wenige Millimeter messende Quadrate geschnitten und mithilfe eines Trägerplissees in definiertem Muster auf die Wunde aufgebracht. Damit sind Expansionsverhältnisse von bis zu 1:9 erreichbar.
Weitere Arten der Hauttransplantation
Hauttransplantate lassen sich zusätzlich nach ihrer Herkunft als Eigentransplantat (autolog) oder Fremdtransplantat (allogen) sowie nach ihrer Beschaffenheit als biologische oder artifizielle Transplantate einteilen. Dermale Ersatzmaterialien werden ein- oder zweizeitig mit Spalthaut kombiniert; eine Metaanalyse zeigte dabei eine zunächst verzögerte Reepithelialisierung, nach sechs Monaten jedoch eine signifikant bessere Narbenqualität gegenüber alleiniger Spalthauttransplantation.[7]
Eine eher historische Form ist die Reverdin-Plastik, die auf der Entnahme und Transplantation 3–5 mm großer Epidermisinseln beruht. Im weiteren Sinne zählt auch die Transplantation autologer, kultivierter Keratinozyten zur Hauttransplantation.
siehe auch: Keratinozytentransplantat
Einheilung
Das freie Hauttransplantat heilt in drei überlappenden Phasen ein:
- Plasmatische Imbibition: In den ersten 24–48 Stunden ernährt sich das Transplantat durch Diffusion aus dem Plasma des Wundbetts.
- Inoskulation: Nach etwa 48 Stunden sprossen erste Kapillaren aus und treten mit den Gefäßstümpfen des Transplantats in Verbindung.
- Revaskularisation: Ab dem vierten bis siebten Tag baut sich eine eigenständige Blutzirkulation auf.
Da Scherkräfte in dieser Zeit die einsprossenden Gefäße zerstören, ist eine konsequente Ruhigstellung über etwa 5 Tage entscheidend für die Einheilungsrate.
Nachbehandlung
Der erste Verbandswechsel erfolgt in der Regel am fünften postoperativen Tag. Danach schließen sich Kompressionstherapie und Narbenpflege an, bei Verbrennungspatienten über mehrere Monate.[1] Spalthauttransplantate besitzen keine funktionsfähigen Talgdrüsen und müssen daher konsequent rückgefettet werden. Zusätzlich ist über etwa zwölf Monate ein konsequenter UV-Schutz erforderlich, um Hyperpigmentierungen zu vermeiden. Auch die Entnahmestelle bedarf der Nachsorge: Sie ist häufig schmerzhaft und neigt zur Narbenhypertrophie.[5]
Komplikationen
Die häufigste Ursache eines Transplantatverlusts ist die unzureichende Adhäsion zwischen Transplantat und Wundbett. Mögliche Komplikationen sind:
- unzureichende Fixierung und Scherbewegungen
- Hämatom oder Serom unter dem Transplantat
- starke Sekretion
- Wundinfektion, insbesondere durch Streptococcus pyogenes, Staphylococcus aureus und Pseudomonas aeruginosa
- partieller oder vollständiger Transplantatverlust
- sekundäre Schrumpfung mit Kontrakturbildung
- Narbenhypertrophie an Empfänger- und Entnahmestelle
Ein partieller Transplantatverlust wird zunächst konservativ behandelt; bei ausgedehntem Verlust ist eine erneute Transplantation erforderlich.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 AWMF. S2k-Leitlinie Behandlung von thermischen Verletzungen bei Erwachsenen. AWMF-Registernummer 044-001. Version 8.0, Stand 01.09.2025. Verfügbar unter: AWMF-Leitlinienregister, abgerufen am 22.09.2026
- ↑ AWMF. S3-Leitlinie Lokaltherapie schwerheilender und/oder chronischer Wunden aufgrund von peripherer arterieller Verschlusskrankheit, Diabetes mellitus oder chronischer venöser Insuffizienz. AWMF-Registernummer 091-001. Version 2.2, Stand 31.10.2023. Verfügbar unter: AWMF-Leitlinienregister, abgerufen am 22.09.2026
- ↑ 3,0 3,1 Khan AA et al. Skin Graft Techniques. Clin Podiatr Med Surg. 2020;37(4):821-835.
- ↑ Alsaif A et al. Full thickness skin graft versus split thickness skin graft in paediatric patients with hand burns: Systematic review and meta-analysis. Burns. 2023;49(5):1017-1027.
- ↑ 5,0 5,1 Asuku M et al. Split-thickness skin graft donor-site morbidity: A systematic literature review. Burns. 2021;47(7):1525-1546.
- ↑ Kavanagh F et al. Split thickness skin graft compression: a scoping review. Gland Surg. 2023;12(2):297-301.
- ↑ van den Bosch AS et al. Outcomes of dermal substitutes in burns and burn scar reconstruction: A systematic review and meta-analysis. Wound Repair Regen. 2024;32(6):960-978.
Literatur
- Pommer A, Zirngibl H, Hasenberg T. Klinikleitfaden Allgemeinchirurgie Viszeralchirurgie. 8. Aufl. Elsevier Urban & Fischer; 2025.