Hämorrhagische Zystitis
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LoslegenEnglisch: hemorrhagic cystitis
Definition
Eine hämorrhagische Zystitis ist eine Entzündung der Harnblase, die mit einer Hämaturie unterschiedlichen Ausmaßes einhergeht.
Ätiologie
Ursächlich sind meist bestimmte Viren (z.B. Adenoviren, Polyomaviren). Weiterhin können Medikamente (z.B. Cyclophosphamid, Ifosfamid), Fremdkörper in der Harnblase sowie eine Bestrahlung des kleinen Beckens zu einer hämorrhagischen Zystitis führen.
Pathophysiologie
Der Pathomechanismus der hämorrhagischen Zystitis ist abhängig von der zugrunde liegenden Ursache, führt jedoch in allen Fällen zu einer Schädigung des Urothels und der submukösen Gefäße mit nachfolgender Hämaturie.
Bei einer Chemotherapie mit Cyclophosphamid oder Ifosfamid entsteht der toxische Metabolit Acrolein, der renal ausgeschieden wird und in der Harnblase das Urothel direkt schädigt. Die daraus resultierende Entzündungsreaktion führt zu einer erhöhten Gefäßpermeabilität, Schleimhautulzerationen und Blutungen.
Nach einer Strahlentherapie des kleinen Beckens kommt es zu einer Endarteriitis obliterans mit Ischämie und Fibrosierung der Blasenwand. Die chronische Minderdurchblutung begünstigt die Ausbildung fragiler Teleangiektasien, die bereits bei geringer mechanischer Belastung bluten können.
Infektiöse Formen werden insbesondere durch BK-Polyomaviren oder Adenoviren verursacht. Die virale Replikation in den Urothelzellen führt zu Zelllyse, Schleimhautschädigung und einer lokalen Entzündungsreaktion mit Hämaturie. Sie treten vor allem bei immunsupprimierten Patienten, insbesondere nach hämatopoetischer Stammzelltransplantation, auf.
Symptome
- Hämaturie
- ständiger Harndrang mit Pollakisurie
- Algurie
Schweregrad
Zur Einteilung des Schweregrads einer hämorrhagischen Zystitis wird häufig die Droller-Klassifikation verwendet:
| Grad | Befund |
|---|---|
| 1 | Mikrohämaturie |
| 2 | Makrohämaturie |
| 3 | Makrohämaturie mit kleinen Koageln |
| 4 | Schwere Makrohämaturie mit Koagelretention bzw. blutungsbedingter Harnblasenobstruktion, die eine interventionelle Therapie (z.B. Blasenspülung oder Koagelevakuation) erforderlich macht. |
Diagnostik
Die Diagnostik dient dem Nachweis der Hämaturie sowie der Identifikation der zugrunde liegenden Ursache.
Zur Basisdiagnostik gehören eine ausführliche Anamnese, die körperliche Untersuchung sowie eine Urinuntersuchung mit Urinstreifentest, Urinsediment und Urinkultur. Ergänzend sollten ein Blutbild, Gerinnungsparameter sowie Nierenretentionsparameter bestimmt werden.
Ein Erregernachweis kann mittels PCR aus Urin oder Blut erfolgen.
Eine Sonographie der Harnblase dient dem Nachweis von Koagelretentionen oder einer Harnabflussstörung. Bei persistierender oder unklarer Hämaturie ist eine Zystoskopie indiziert, um das Ausmaß der Schleimhautschädigung zu beurteilen, Koagel zu entfernen und andere Ursachen der Blutung, insbesondere ein Urothelkarzinom, auszuschließen.
Therapie
Die Therapie richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der hämorrhagischen Zystitis. Neben der Behandlung der Grunderkrankung stehen die Blutungskontrolle, die Sicherstellung des Harnabflusses sowie die Linderung der Beschwerden im Vordergrund. Allgemeinmaßnahmen sind:
- ausreichende Hydratation
- Analgesie
- Absetzen auslösener Medikamente (wenn möglich) oder protektive Komedikation (MESNA)
- forcierte Diurese
- ggf. antiinfektive Therapie
Bei stärkerer Hämaturie oder Koagelbildung erfolgt die Anlage eines großlumigen Blasenkatheters mit kontinuierlicher Blasenspülung. Persistierende Koagel können eine zystoskopische Koagelevakuation erforderlich machen. Bei therapierefraktären Blutungen kommen intravesikale Therapieverfahren (z.B. Aluminiumsalze, Hyaluronsäure oder Prostaglandine) infrage.