Erector-Spinae-Plane-Block
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
LoslegenWir werden ihn in Kürze redaktionell checken.
Wir werden ihn in Kürze redaktionell checken.
Synonyme: Erector-Spinae-Plane-Block, ESPB, Erector-spinae-Blockade
Englisch: erector spinae plane block
Definition
Der ESP-Block, kurz für Erector-Spinae-Plane-Block, ist ein ultraschallgesteuertes Regionalanästhesieverfahren zur Analgesie von Brustwand, Bauchwand und Rücken. Dabei wird ein Lokalanästhetikum in die Faszienebene zwischen dem Musculus erector spinae und dem Querfortsatz (Processus transversus) eines Wirbels injiziert.
Hintergrund
Der ESP-Block wurde 2016 erstmals beschrieben, zunächst zur Behandlung thorakaler neuropathischer Schmerzen. Das Lokalanästhetikum verteilt sich entlang der Faszienebene über mehrere Segmente nach kranial und kaudal. Als Wirkort werden die dorsalen und ventralen Äste der Spinalnerven angenommen. Der genaue Wirkmechanismus ist noch nicht abschließend geklärt. Der ESP-Block gilt als technisch einfach und komplikationsarm.
Anatomie
Der Musculus erector spinae verläuft beidseits der Wirbelsäule und setzt sich u.a. aus dem Musculus iliocostalis, dem Musculus longissimus und dem Musculus spinalis zusammen. Unter dem Muskel liegen auf Höhe der Querfortsätze die Austrittsstellen der Spinalnerven. Von hier aus kann sich das Lokalanästhetikum u.a. in Richtung des Paravertebralraums ausbreiten.
Indikationen
Indikationen umfassen:
- Thoraxchirurgie, z.B. Thorakotomie oder videoassistierte Thorakoskopie (VATS)
- Brustchirurgie
- Analgesie bei Rippenfrakturen, v.a. bei dorsalen Frakturen
- Wirbelsäulenchirurgie
- Eingriffe an der Bauchwand (Punktion auf Höhe der unteren Brustwirbelsäule)
- chronische thorakale Schmerzen
Die S3-Leitlinie „Behandlung akuter perioperativer und posttraumatischer Schmerzen“ beschreibt den ESP-Block als mögliche Komponente der perioperativen Analgesie, die nach abdominalen Operationen vorübergehend Schmerzen und Opioidbedarf reduzieren kann. Die zuletzt veröffentlichte Fassung war bis zum 31.08.2026 gültig.[1]
Bei offener Thorakotomie wird der ESP-Block als regionalanalgetisches Verfahren der zweiten Wahl empfohlen, wenn eine thorakale Epiduralanalgesie oder Paravertebralblockade nicht möglich ist.[2]
Vorgehen
Der Patient befindet sich in sitzender Position, Seiten- oder Bauchlage. Der ESP-Block wird ultraschallgesteuert in In-Plane-Technik durchgeführt. Verwendet wird meist ein Linearschallkopf.
- die Punktionsstelle wird mit Desinfektionsmittel abgewaschen und steril abgedeckt
- im Bereich der Einstichstelle erfolgt eine Lokalanästhesie
- der Schallkopf wird etwa 3 cm neben der Mittellinie längs (parasagittal) aufgesetzt
- im Ultraschallbild werden der Querfortsatz und die darüberliegenden Muskeln identifiziert (z.B. auf Höhe Th5: Musculus trapezius, Musculus rhomboideus major und Musculus erector spinae)
- die Kanüle wird von kaudal nach kranial vorgeschoben, bis die Spitze auf dem Querfortsatz unterhalb des Musculus erector spinae liegt
- nach negativer Aspiration wird das Lokalanästhetikum (ca. 20 bis 30 ml, z.B. Ropivacain) fraktioniert injiziert, dabei hebt sich der Muskel vom Querfortsatz ab[3]
Formen
Komplikationen
Komplikationen sind selten. Beschrieben sind u.a.:
- Pneumothorax
- Lokalanästhetika-Intoxikation, v.a. bei beidseitiger Anwendung mit großen Volumina
- Gefäßpunktion, Hämatom
- Infektion
- Nervenverletzung durch die Kanüle
Kontraindikationen
Kontraindikationen sind:
- Ablehnung durch den Patienten
- Infektion im Bereich der Punktionsstelle
- Allergie gegen Lokalanästhetika
- relative Kontraindikation: Gerinnungsstörungen
Bei antithrombotischer Medikation ist eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich. Die ESAIC/ESRA-Leitlinie ordnet den thorakalen ESP-Block den oberflächlichen Blockaden mit niedrigem Blutungsrisiko zu; eine Unterbrechung der antithrombotischen Therapie allein wegen der Blockade ist daher nicht grundsätzlich erforderlich.[6]
Evidenz und Einschränkungen
Die klinische Evidenz für den ESP-Block ist insgesamt heterogen und überwiegend von niedriger bis moderater Sicherheit; in systematischen Übersichten und der Cochrane-Bewertung werden vor allem kleine Studien, unterschiedliche Endpunkte und uneinheitliche Resultate als wesentliche Limitationen genannt.[7][8] Die Ausbreitung des Lokalanästhetikums und die Analgesiewirkung sind variabel; ein konsistenter, in allen Indikationen gleich guter Block ist nicht gesichert.[4][7] Gegenüber etablierten regionalanästhesiologischen Verfahren wie dem Paravertebralblock ist der ESP-Block eine technisch einfachere Faszienblockade, bietet aber nicht in allen Settings eine gleichwertige Analgesie und bleibt in seiner Vorhersagbarkeit eingeschränkt.[3][8]
siehe auch: Serratus-anterior-Plane-Block, Quadratus-lumborum-Block, Paravertebralblockade
Literatur
- Forero M et al. The Erector Spinae Plane Block: A Novel Analgesic Technique in Thoracic Neuropathic Pain. Reg Anesth Pain Med, 2016
- De Cassai A et al. Erector spinae plane block: a systematic qualitative review. Minerva Anestesiol, 2019
Quellen
- ↑ AWMF: S3-Leitlinie Behandlung akuter perioperativer und posttraumatischer Schmerzen, Registernummer 001-025, Version 4.1 vom 25.11.2022, abgerufen am 29.10.2026
- ↑ Lemoine et al., Pain management after open thoracotomy 2025: procedure-specific postoperative pain management (PROSPECT) recommendations, Anaesthesia, 2026
- ↑ 3,0 3,1 Siddiqui et al., Erector Spinae Plane Block, StatPearls, StatPearls Publishing, aktualisiert am 03.05.2025, abgerufen am 29.10.2026
- ↑ 4,0 4,1 4,2 StatPearls, Erector Spinae Plane Block, 2025, NCBI Bookshelf, 2025
- ↑ 5,0 5,1 Erector Spinae Plane Block Guideline Author - RA-UK, abgerufen am 29.10.2026
- ↑ Kietaibl et al., Regional anaesthesia in patients on antithrombotic drugs: Joint ESAIC/ESRA guidelines, European Journal of Anaesthesiology, 2022
- ↑ 7,0 7,1 Pain relief and side effects of a new regional anaesthetic technique, Cochrane, 2024, abgerufen am 29.10.2026
- ↑ 8,0 8,1 De Cassai, Erector spinae plane block: a systematic qualitative review, Minerva Anestesiol, 2019