Musculus erector spinae
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LoslegenSynonyme: autochthone Rückenmuskulatur, Musculus erector trunci
Englisch: erector spinae muscle, intrinsic back muscles
Definition
Als Musculus erector spinae bezeichnet man in der deutschsprachigen Anatomie die Gesamtheit der autochthonen, "ortsständigen" Rückenmuskulatur. Sie liegt der Wirbelsäule dorsal auf und wird von den dorsalen Ästen der Spinalnerven innerviert.
Terminologie
In der Terminologia Anatomica und im angloamerikanischen Sprachgebrauch umfasst der Musculus erector spinae nur den Musculus iliocostalis, den Musculus longissimus und den Musculus spinalis.
Embryologie
Die autochthone Rückenmuskulatur geht aus dem epaxialen (dorsalen) Anteil der Myotome der Somiten hervor. Sie bleibt an ihrem Entstehungsort. Davon abzugrenzen sind die oberflächlichen, sekundär eingewanderten Rückenmuskeln, etwa der Musculus trapezius und der Musculus latissimus dorsi. Sie stammen aus der Extremitäten- bzw. Kiemenbogenmuskulatur und werden von ventralen Ästen der Spinalnerven bzw. von Hirnnerven innerviert.
Anatomie
Lage
Die autochthonen Rückenmuskeln liegen in einem osteofibrösen Kanal. Er wird von der Fascia thoracolumbalis, den Bogenlaminae, den Dorn- und Querfortsätzen der Wirbel sowie teilweise von den Rippen begrenzt.
Einteilung
Die Muskulatur wird in einen medialen und einen lateralen Trakt gegliedert. Die Zuordnung einzelner Muskeln zu den Strangsystemen ist in der Literatur nicht einheitlich.
| Trakt | System | Muskeln | Verlauf |
|---|---|---|---|
| Medialer Trakt | Spinales System | Musculi interspinales, Musculus spinalis | Zwischen den Dornfortsätzen |
| Transversospinales System | Musculi rotatores, Musculi multifidi, Musculus semispinalis | Von Querfortsätzen schräg nach kranial-medial zu Dornfortsätzen bzw. zum Os occipitale; dabei werden bis zu sechs Segmente übersprungen | |
| Lateraler Trakt | Sakrospinales System | Musculus iliocostalis, Musculus longissimus | Vom Os sacrum, der Crista iliaca, den Dornfortsätzen der Lendenwirbel und der Fascia thoracolumbalis zu Rippen, Querfortsätzen und zum Processus mastoideus |
| Spinotransversales System | Musculus splenius capitis, Musculus splenius cervicis | Von Dornfortsätzen der unteren Hals- und oberen Brustwirbelsäule zu den Querfortsätzen der oberen Halswirbel bzw. zum Processus mastoideus | |
| Intertransversales System | Musculi intertransversarii, Musculi levatores costarum breves, Musculi levatores costarum longi | Zwischen benachbarten Querfortsätzen bzw. von Querfortsätzen zur nächsten oder übernächsten Rippe |
Die tiefen kurzen Nackenmuskeln, also der Musculus rectus capitis posterior major, der Musculus rectus capitis posterior minor, der Musculus obliquus capitis superior und der Musculus obliquus capitis inferior, werden meist als eigene Gruppe beschrieben. Sie verbinden Atlas, Axis und Os occipitale und werden vom Nervus suboccipitalis innerviert.
Einige Quellen verzichten mittlerweile auf die Einteilung der autochtonen Rückenmuskulatur in einen lateralen und einen medialen Trakt, da die Muskulatur einer großen Variabilität unterliegt.[1]
Innervation
Die Innervation erfolgt durch die Rami posteriores der Spinalnerven. Der mediale Trakt wird von deren Ramus medialis versorgt, der laterale Trakt vom Ramus lateralis. Einzelne Intertransversarii der Hals- und Lendenregion erhalten Äste aus den Rami anteriores.
Faszien
Im Thorakal- und Lumbalbereich liegt die Muskulatur zwischen dem oberflächlichen und dem tiefen Blatt der Fascia thoracolumbalis, die zugleich als Ursprung dient. Im Zervikalbereich wird sie von der Fascia nuchae umhüllt, die sie von der eingewanderten Muskulatur trennt.
Funktion
Bei beidseitiger Kontraktion strecken die Muskeln die Wirbelsäule (Dorsalextension) und halten Rumpf und Kopf aufrecht. Einseitig bewirken sie eine ipsilaterale Lateralflexion.
An der Rotation sind die Systeme gegensinnig beteiligt. Das transversospinale System dreht die Wirbelsäule zur Gegenseite, das spinotransversale und das sakrospinale System zur gleichen Seite. Die kurzen, segmental ansetzenden Muskeln, vor allem die Musculi multifidi, stabilisieren zudem die einzelnen Bewegungssegmente.
Klinik
Funktionsstörungen und Verspannungen der autochthonen Rückenmuskulatur, z.B. infolge statischer Fehlbelastung, gehören zu den häufigen Ursachen unspezifischer Rückenschmerzen.
In der Regionalanästhesie wird beim Erector-spinae-plane-Block (ESP-Block) ein Lokalanästhetikum ultraschallgesteuert zwischen den Muskel und die Querfortsätze injiziert. Es erreicht von dort die dorsalen und ventralen Äste der Spinalnerven. Das Verfahren dient der Analgesie bei thorakalen und abdominellen Eingriffen sowie bei Rippenfrakturen.[2]
Quellen
- ↑ Platzer und Shiozawa-Bayer. Taschenatlas Anatomie. Bewegungsapparat. 13. Auflage. 2026
- ↑ Forero M, Adhikary SD, Lopez H, Tsui C, Chin KJ. The erector spinae plane block: a novel analgesic technique in thoracic neuropathic pain. Reg Anesth Pain Med. 2016;41(5):621-7.
Literatur
- Schünke M, Schulte E, Schumacher U. Prometheus – LernAtlas der Anatomie. Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem. 5. Aufl. Thieme; 2018.