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Musculus biceps brachii

(Weitergeleitet von Bizepssehne)

Synonyme: zweiköpfiger Oberarmmuskel, Armbeuger, Bizeps
Englisch: biceps muscle

1. Definition

Der Musculus biceps brachii ist ein großer zweiköpfiger und zweigelenkiger Muskel, der zur Gruppe der Oberarmmuskeln gehört. Die beiden Köpfe des Muskels bezeichnet man als "Caput longum" und "Caput breve".

2. Verlauf

2.1. Ursprung

Der Ursprung des langen Kopfes (Caput longum) ist das Tuberculum supraglenoidale der Scapula. Der kurze Kopf (Caput breve) dagegen entspringt sehnig vom Processus coracoideus der Scapula (Rabenschnabelfortsatz).

2.2. Ansatz

Der sehnige Ansatz des Musculus biceps brachii ist die Tuberositas radii des Radius. Das Caput breve inseriert im distalen Teil der Tuberositas, während die Sehnenfasern des Caput longum weiter proximal in den Apex der Tuberositas einstrahlen. Die Ansatzsehne ist partiell oder vollständig von einem Schleimbeutel umgeben, der Bursa bicipitoradialis. Zusätzlich kann zur Ulna hin eine Bursa cubitalis interossea vorliegen.

Eine oberflächliche Abspaltung der kräftigen Ansatzsehne, die Aponeurosis musculi bicipitis - veraltet auch Lacertus fibrosus genannt - entsendet Fasern in die Unterarmfaszie. Der Musculus biceps brachii läuft damit über 2 Gelenke, das Schulter- und Ellenbogengelenk.

2.3. Besonderheiten

Der Muskel ist in seinem Verlauf vom Musculus deltoideus überdeckt, so dass die Teilung erst erkennbar ist, wenn man diesen Muskel bei der Präparation entfernt. Die Ursprungssehne des längeren Bizepskopfs (Caput longum) zieht durch den Sulcus intertubercularis des Humerus und anschließend durch die Gelenkkapsel des Schultergelenks zu ihrem Ursprung am Tuberculum supraglenoidale der Scapula - umgeben von der Vagina synovialis intertubercularis. Der Verlauf der Sehne in Bezug auf das Schultergelenk ist intrakapsulär, jedoch extrasynovial.

Die Ursprungssehne des kurzen Bizepskopfs ist teilweise mit der Ursprungssehne des Musculus coracobrachialis verschmolzen.

siehe auch: Lange Bizepssehne, Bizepssehnenanker

2.4. Varietät

In ca. 10% der Fälle kann ein zusätzliches Caput tertium vom Humerus entspringen und sich dem Muskelbauch anschließen.

3. Innervation

Die Innervation des Musculus biceps brachii erfolgt durch den Nervus musculocutaneus aus dem Plexus brachialis (Segmente: C5-C6 bzw. C7).

4. Topografie

Zwischen dem Musculus biceps brachii und dem Musculus triceps brachii sind medial und lateral zwei Weichteilrinnen ausgeformt, der Sulcus bicipitalis medialis und der Sulcus bicipitalis lateralis. Im Sulcus bicipitalis medialis laufen die Arteria brachialis, der Nervus ulnaris und der Nervus medianus. Im Sulcus bicipitalis lateralis befindet sich der Nervus radialis.

5. Funktion

5.1. Supination des Unterarms

Der Musculus biceps brachii ist der stärkste Supinator des Unterarms. Hierbei wird er vom Musculus supinator unterstützt. Die supinatorische Wirkung des Musculus biceps brachii nimmt mit steigender Beugung zu. Bei gestrecktem Unterarm ist seine Wirkung schwach - hier wird die Supination vom Musculus supinator erreicht.

5.2. Flexion im Ellenbogengelenk

Der Musculus biceps brachii ist zusammen mit dem Musculus brachialis für die Flexion (Beugung) des Unterarms im Ellenbogengelenk verantwortlich. In dieser Funktion ist der Bizeps der direkte Antagonist des Musculus triceps brachii. Die Flexion ist in Supinationsstellung am stärksten. In Pronationsstellung ist sie schwach. Hier überwiegt die Flexionswirkung des Musculus brachioradialis und brachialis.

5.3. Wirkung auf das Schultergelenk

Im Schultergelenk verursacht die Kontraktion des Caput longum eine geringe Abduktionsbewegung des Arms sowie eine leichte Innenrotation, die Kontraktion des Caput breve eine geringe Adduktion. Die Kontraktion beider Köpfe resultiert in einer Anteversion des Arms. Außerdem spannt er über seinen Ansatz in der Aponeurosis musculi bicipitis die Unterarmfaszie.

6. Klinik

Durch Überlastung oder repetitive Bewegungen kann es zu einer Tendinitis der Bizepssehne kommen. Vor allem bei älteren Menschen oder aufgrund einer plötzlichen Überbeanspruchung ist auch ein traumatischer Riss der Muskelsehne möglich, der als Bizepssehnenruptur bezeichnet wird. Eine Verlagerung der langen Ursprungssehne des Musculus biceps brachii aus dem Sulcus intertubercularis in die Articulatio humeri durch eine Läsion der Rotatorenintervallschlinge nennt man Pulley-Läsion.

Schmerzen in der Schulter oder im Ellenbogenbereich können auf eine Bizepsverletzung hinweisen. Durch bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder MRT lassen sich die Beschwerden weiter abklären. Klinische Tests, mit denen der Zustand der Bizepssehnen überprüft werden kann, sind der Yergason-Test und der Speed-Test. Die neurologische Überprüfung der Innervation des Muskels erfolgt mit Hilfe des Bizepssehnenreflexes.

7. Training

Der Muskel spielt eine wichtige Rolle bei sportlichen Aktivitäten und kann durch gezielte Übungen wie Bizepscurls oder Klimmzüge gestärkt werden. Eine kontrollierte Belastung ist essenziell, um Überbeanspruchung oder Verletzungen zu vermeiden.

8. Kurs

Fachgebiete: Obere Extremität

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