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Hepatitis-B-Virus

(Weitergeleitet von HBV)

Synonyme: Dane-Partikel, HBV

1 Definition

Das nach seinem Entdecker (1970) auch als Dane-Partikel bezeichnete Hepatitis-B-Virus (HBV) zählt zu der Virusfamilie der Hepadnaviridae (Gattung der Orthohepadnaviren). Eine Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus kann zu einer Hepatitis B führen.

2 Morphologie

Das Hepatitis-B-Virus ist ein sehr widerstandsfähiges Virus. Es setzt sich zusammen aus Virushülle, Nukleokapsid und viralem DNA-Genom. Das Hepatitis B-Virus ist ein sphärisches Partikel mit einem Durchmesser von 42 bis 45 nm.[1]

3 Virusgenom

Das Hepatitis-B-Virus besitzt 4 Gene, die man als S, P, C, und X bezeichnet. Das größte Gen ist P - es codiert für die DNA-Polymerase, die für die Replikation des Virus notwendig ist. Das S-Gen codiert für das Hüllprotein des Virus, das man in der Labormedizin HBs-Antigen (HBsAg) nennt. Das C-Gen codiert für das HBe-Antigen (HBeAg) sowie das HBc-Antigen (HBcAg). Es besitzt eine Precore- und eine Core-Region. Die Precore-Region kann Mutanten entwickeln (Precore-Mutationen). Das X-Gen codiert für das HBx-Antigen (HBxAg). Letzteres spielt möglicherweise eine Rolle in der Karzinogenese.

Bislang konnte man 8 unterschiedliche HBV-Genotypen mit Sequenzunterschieden von mehr als 8% identifizieren. Sie werden mit den Buchstaben A bis H gekennzeichnet. Die verschiedenen Genotypen weisen eine charakteristische geografische Verteilung auf. In Europa begegnet man am häufigsten den Genotypen A und G. Genotyp B und C findet man eher in Asien. Genotyp E dominiert in Westafrika und Genotyp F in Zentralamerika, Südamerika und Alaska.

4 Prävalenz

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben etwa 2 Milliarden Menschen weltweit bereits eine Hepatitis-B-Infektion durchgemacht. Etwa 5 bis 10% der HBV-Infektionen verlaufen chronisch. Die Hepatitis B gehört mit 350 Millionen chronisch Erkrankter (5 bis 7% der Gesamtbevölkerung) weltweit zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Besonders betroffen von der Hepatitis-B-Infektion sind die Entwicklungsländer, mit einer Bevölkerungsdurchseuchung von bis zu 35% in Ostasien und Afrika.

In den einzelnen Ländern Europas beobachtet man einen sehr unterschiedlichen Durchseuchungsgrad: zwischen <0,1% der Bevölkerung in Nordwesteuropa (Skandinavien, Großbritannien) und bis zu 8% der Bevölkerung in Ost- und Südeuropa sind chronisch mit dem Hepatitis-B-Virus infiziert.

In Deutschland wurden im Jahr 2000 nach Angaben des Robert-Koch-Instituts ca. 4.600 Fälle einer akuten Hepatitis B gemeldet. Allerdings wird die Zahl der Erkrankten aufgrund der hohen Dunkelziffer auf 15.000 bis 30.000 Infektionen pro Jahr geschätzt. Insgesamt sind in Deutschland fast 650.000 Menschen chronisch an Hepatitis B erkrankt, mehr als ein Drittel davon sind Kinder oder haben die Erkrankung im Kindesalter erworben. Jede dritte Leberentzündung in Deutschland ist durch dieses Virus verursacht.

Aufgrund der Impfung der jüngeren Alterskohorten wird die Durchseuchung voraussichtlich innerhalb der nächsten 10 bis 20 Jahre deutlich zurückgehen.

5 Ansteckungswege, Risikogruppen

Das Hepatitis-B-Virus ist vor allem im Blut, jedoch auch im Speichel, Samenflüssigkeit, Vaginalsekret und in der Muttermilch nachweisbar. Die Hepatitis-B-Infektion ist eine hoch infektiöse Erkrankung, da sich sehr hohe Viruskonzentrationen in minimalsten Blutspuren befinden (>1012 Viruspartikel/ml). Das bedeutet, dass bereits kleinste Blutmengen ausreichen, damit das Hepatitis-B-Virus über Haut- oder Schleimhautverletzungen in den Körper gelangen kann. Chronisch Infizierte ohne oder mit nur wenigen unspezifischen Symptomen stellen eine häufige Infektionsquelle dar.

Die Übertragung geschieht heutzutage in den entwickelten Industriestaaten in den meisten Fällen durch ungeschützte Sexualkontakte oder bei Drogengebrauch durch verunreinigtes Drogenbesteck. Früher (vor 1991) konnte man sich dagegen häufig bei Bluttransfusionen infizieren.

Folgende Risikogruppen und Ansteckungswege sind bekannt:

5.1 Übertragung durch Geschlechtsverkehr

Als Übertragungswege kommen insbesondere Geschlechtsverkehr (60 bis 70%) und Kontakt mit Blut und Blutprodukten in Frage. In selteneren Fällen wird das Virus auch durch Kontakte mit anderen Körperflüssigkeiten übertragen. Anhand der Altersverteilung lässt sich erkennen, dass die sexuelle Übertragung in der heutigen Zeit der häufigste und wichtigste Übertragungsweg für eine Hepatitis B darstellt. Personen mit häufig wechselnden Sexualpartnern sind stärker gefährdet, sich mit dem Hepatitis-B-Virus zu infizieren.

5.2 Übertragung durch Blut oder Blutprodukte

Das Infektionsrisiko mit Hepatitis B war bis Mitte der siebziger Jahre hoch (Posttransfusionshepatitis), nahm jedoch durch das verbesserte Screening der Blutspender auf HBsAg stark ab. Das Restrisiko liegt nach aktuellen Statistiken (2014) unter 1:1.000.000 entsprechend 1-3 Fällen pro Jahr. Nach dem Beginn des HBsAg-Screenings und der Virusinaktivierung von Blutprodukten sind keine HBV-Infektionen durch Gerinnungsfaktorenkonzentrate oder Immunglobuline mehr berichtet worden.

5.3 Übertragung in der Schwangerschaft

Hepatitis B infizierte Schwangere können ihr Kind mit hoher Wahrscheinlichkeit bei der Geburt anstecken. Bei Frauen mit hoher Viruslast steigt das Übertragungsrisiko auf über 90% an. Neugeborene HBsAg-positiver Mütter sollen daher unmittelbar nach der Geburt (innerhalb von 12 Stunden) sowohl passiv als auch aktiv gegen Hepatitis B geimpft werden. Dadurch können 95% der Infektionen verhindert werden.

5.4 Übertragung durch intravenösen Drogengebrauch

Fast jeder 2. Drogenabhängige hat sich bereits mit Hepatitis B infiziert, die Hälfte davon hat eine chronische (nicht ausheilende) Hepatitis B entwickelt. Auch durch Tausch der Applikationsröhrchen beim Kokain-Konsum kann es durch Verletzungen an der Nasenschleimhaut zu Infektionen kommen.

5.5 Infektionen bei medizinischem Personal

Die Hepatitis B ist zurzeit die wichtigste Berufskrankheit unter medizinisch tätigem Personal.

5.6 Übertragung durch medizinische und andere hautverletzende Eingriffe

Alle Eingriffe, die zu Verletzungen der Haut führen, können zu einer Hepatitis B-Infektion führen: Ohrdurchstechen, Maniküre, Akupunktur, Tätowierung, Piercing, Rasur bei Barbieren etc., wenn sie unter schlechten hygienischen Bedingungen durchgeführt werden.

5.7 Übertragung innerhalb der Familie

Das Risiko einer intrafamiliären Übertragung steigt bei schlechter Hygiene und beengten Verhältnissen an. Da das Hepatitis-B-Virus sehr stabil ist und in vielen Körperflüssigkeiten nachgewiesen werden kann, ist eine Übertragung von Hepatitis B durch gemeinsames Benutzen von Hygieneartikeln wie Zahnbürsten, Rasierklingen, Rasierapparaten, Nagelscheren und –feilen möglich.

5.8 Weitere mögliche Übertragungswege/Risikogruppen

  • Vor allem Hämodialysepatienten haben ein erhöhtes Infektionsrisiko, das durch konsequente Immunisierung drastisch reduziert werden kann.
  • Werden die Hygienestandards in medizinischen Einrichtungen nicht konsequent befolgt, kann es durch medizinisches Personal bei invasiven Eingriffen (Endoskopie, große zahnärztliche Eingriffe etc.) zu Infektionen kommen. In Ländern ohne hohe Hygienestandards (z. B. Zentralafrika) ist das Infektionsrisiko entsprechend höher.
  • Strafgefangene durch potentiellen intravenösen Drogenmissbrauch.
  • Einwanderung aus Ländern mit geringem Hygienestandard.

6 Symptome

Die Symptome, die eine Hepatitis-B-Infektion im Akutstadium hervorruft, sind in der Regel heftiger und intensiver als bei der Hepatitis-C-Infektion. Auch unterscheidet sich die Hepatitis B-Infektion in der Art der Ansteckung, der Schwere des Krankheitsverlaufes und den Krankheitsfolgen.

Die Inkubationszeit (Zeitspanne zwischen der Ansteckung, das heißt dem Eindringen von HBV in den Körper und dem Auftreten von Krankheitszeichen) beträgt 1 bis 6 Monate. Dabei ist diese abhängig von der übertragenen Virusmenge und dem Immunstatus des Betroffenen.

Danach beginnt die Prodromalphase mit uncharakteristischen Beschwerden, die wenige Tage bis etwa 3 Wochen andauern kann.

Folgende unspezifische Symptome können dabei auftreten:

Nach dem Verschwinden der Symptome der Prodromalphase setzt die klinische Phase ein, die etwa 2 bis 6 Wochen andauern kann. Diese Phase kann mit folgenden klinischen Symptomen verbunden sein:

Bei der akuten Hepatitis B tritt schließlich nach der klinischen Phase die Rekonvaleszenzphase ein, die ca. 1 bis 4 Monate dauern kann: In dieser Zeit normalisieren sich alle Laborparameter. Gelegentlich sind noch Schwächesymptome, eine leichte Ermüdbarkeit und/oder ein reduzierter Kräftezustand über einen längeren Zeitraum vorhanden. Eine Hepatitis-B-Infektion verläuft allerdings individuell sehr unterschiedlich. Nur ein Drittel der Patienten entwickelt eine Gelbsucht (Ikterus), bei einem weiteren Drittel treten nur die unspezifischen Symptome auf und das letzte Drittel ist völlig asymptomatisch.

Wie stark oder wie schwach die Beschwerden sind, hängt häufig von der gesundheitlichen Allgemeinverfassung des Betroffenen ab. Persistiert das HBsAg über 6 Monate, kommt es nicht zur Ausheilung der Hepatitis B (bei ca. 5 bis 10%). Die akute Hepatitis B geht in eine chronische Hepatitis B über. Die chronische Hepatitis B kann ganz ohne Beschwerden und Symptome verlaufen. Viele Patienten berichten über uncharakteristische Symptome wie Müdigkeit und mangelnde körperliche Belastbarkeit.

Bei einem Teil der Patienten entwickelt sich infolge des Umbaus der Leber im Laufe der Erkrankung eine Schrumpfleber (Leberzirrhose), die zum Leberversagen mit fortschreitendem Funktionsverlust der Leber einhergeht.

Die Leberzirrhose ist mit weiteren Erkrankungen verbunden:

  • Bauchwassersucht (Aszites = Wasseransammlung im Bauch) macht sich durch das Anschwellen des Bauches bemerkbar
  • Eiweißstoffwechselstörungen
  • Mangelernährung
  • Fieber
  • Gallensteine
  • Häufige Infekte
  • Hepatische Enzephalopathie (Konzentrationsschwäche bis hin zu Verwirrtheitszuständen, im fortgeschrittenen Stadium auch Leberkoma)
  • Störungen des Hormonstoffwechsels
  • Störungen des Knochenstoffwechsels (z.B. Osteoporose mit spontanen Knochenbrüchen)
  • Magendarmblutungen
  • Bildung von Krampfadern in der Speiseröhre (Ösophagusvarizen) mit Verblutungsrisiko
  • Ödeme (Wassereinlagerungen)
  • Vitaminmangel
  • Zuckerstoffwechselstörung
  • Im fortgeschrittenen Stadium führt die Zirrhose durch den kompletten Zusammenbruch der Leberfunktion zum Tod.

Durch das Vorhandensein einer Leberzirrhose ist das Risiko für das Entstehen von Leberkrebs (Hepatozelluläres Karzinom, HCC) stark erhöht. Zwischen der Infektion mit dem Hepatitis B-Virus und der Erkrankung an Schrumpfleber oder Leberkrebs vergehen durchschnittlich 15 Jahre.

Es wird auch ein Zusammenhang mit der Entstehung von Pankreaskrebs diskutiert.[1]

7 Prävention und Impfung

Zur präventiven Vorbeugung einer Hepatitis-B-Infektion existiert heutzutage eine hoch effektive Impfung. Aufgrund einer WHO-Empfehlung wurde die Hepatitis-B-Impfung Bestandteil des Impfprogramms in Deutschland. Eine Auffrischung sollte alle 10 Jahre erfolgen. Wer sollte gegen Hepatitis B geimpft werden:

  • Seit 1995 wird die Impfung für alle Säuglinge, Kinder und Jugendliche (bis 18 Jahre) von der STIKO (www.RKI.de) empfohlen.
  • Zahnärztliches und medizinisches Personal, z. B. auf Dialysestationen, medizinische Laboratorien, Intensivstationen, in OP-Einrichtungen, auf Infektionsabteilungen und im Rettungsdienst etc.
  • Personal von Pflegeeinrichtungen
  • Personen mit häufigem Kontakt zu HBsAg-Trägern (HBsAg ist im Blut chronisch Hepatitis-B-Infizierter nachweisbar), d. h. Familienmitglieder und Sozialarbeiter
  • Dialysepatienten
  • Patienten, bei denen größere chirurgische Eingriffe bevorstehen
  • Patienten, die häufig Blutprodukte erhalten
  • Andere Risikogruppen (z.B. homosexuell aktive Männer, Drogenabhängige, Prostituierte, Strafgefangene)
  • Patienten mit anderen chronischen Lebererkrankungen
  • HIV-positive Personen
  • Reisende in Gebiete mit hohem Hepatitis-B-Vorkommen und längerer Aufenthaltsdauer
  • Nach den Mutterschaftsrichtlinien sollten alle Schwangeren nach der 32. Schwangerschaftswoche, möglichst nahe am Geburtstermin, ihr Blut auf HBsAg untersuchen lassen. Ist das Ergebnis von HBsAg positiv, sollte das Neugeborene unmittelbar nach der Geburt, das heißt innerhalb von 12 Stunden, gegen Hepatitis B passiv und auch aktiv geimpft werden. Ist der HBsAg-Status der Mutter unklar, wird das Neugeborene ebenfalls direkt nach der Geburt geimpft.

7.1 Wer sollte nicht geimpft werden?

7.2 Kontakt mit infektiösem Material

Vorgehen nach einem möglichen Kontakt mit infektiösem Material (z. B. Nadelstichverletzung):

  • Besteht kein Impfschutz durch eine Hepatitis B-Impfung, sollte sofort eine Simultanprophylaxe (HBsAg-Aktiv-Impfstoff und HB-Immunglobulin) durchgeführt werden.

7.3 Kostenübernahme

Die Kosten der Hepatitis-B-Impfung werden für Säuglinge und Kinder bis 18 Jahre von der Krankenkasse übernommen. Die Kostenübernahme für Erwachsene wird für Risikogruppen von der Krankenkasse übernommen. Für medizinisches Personal geht die Impfung zu Lasten des Arbeitgebers, da der Rechtsgrundsatz gültig ist, dass Immunprophylaxen zur Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufserkrankungen dienen.

8 Quellen

  1. 1,0 1,1 Hassan MM, Li D, El-Deeb AS, et al. (October 2008). "Association between hepatitis B virus and pancreatic cancer". J. Clin. Oncol. 26 (28): 4557–62. doi:10.1200/JCO.2008.17.3526. PMID 18824707. 

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